In „Wall Street – Geld schläft nicht“ kehrt Michael Douglas zurück aufs Börsenparkett. Oliver Stones Fortsetzung gerät gediegen bis zur Betulichkeit.

wza_1400x932_761556.jpeg
Gewissensfragen: Jacob Moore (Shia LaBeouf, l.) möchte den üblen Tycoon Bretton James (Josh Brolin, M.) ausbooten, und Gordon Gekko (Michael Douglas) soll ihm dabei helfen.

Gewissensfragen: Jacob Moore (Shia LaBeouf, l.) möchte den üblen Tycoon Bretton James (Josh Brolin, M.) ausbooten, und Gordon Gekko (Michael Douglas) soll ihm dabei helfen.

Fox

Gewissensfragen: Jacob Moore (Shia LaBeouf, l.) möchte den üblen Tycoon Bretton James (Josh Brolin, M.) ausbooten, und Gordon Gekko (Michael Douglas) soll ihm dabei helfen.

Düsseldorf. So sehen Demütigungen im neuen Jahrtausend aus: Wir schreiben das Jahr 2000, und Gordon Gekko (Michael Douglas), der vielleicht perfideste Filmbösewicht der 80er Jahre, wird aus dem Gefängnis entlassen. In der Schleuse erhält er zurück, was er bei Haftantritt abgeben musste: eine Uhr, den Ausweis - und ein Handy, so groß wie ein Wanderstiefel.

Es hat sich eben viel getan seit den frühen 90ern, als Gekko Insidergeschäfte zum Verhängnis wurden. Der Gag mit dem Mobiltelefon mag nicht neu sein. Aber er versinnbildlicht recht gut, dass sich selbst filigrane Marionettenspieler wie der arrogante Börsenspekulant in einem neuen Zeitalter erstmal zurecht finden müssen. Die Finanzmärkte sind aus dem Ruder gelaufen, das will aber noch keiner wirklich wissen.

Gordon Gekko weiß nur zu gut, wie er sich am besten in Szene setzt

Nur einer wie Gekko, der das System miterfunden hat, durchschaut den Tanz auf dem Vulkan, dem sich die Bankenwelt entfesselt hingibt. Er nutzt das Dasein als verstoßener Outlaw zu seinen Gunsten: In der Zeit bis zum großen Crash im Jahre 2007 wird er sich als Mahner und Warner hervortun, Vorträge über das Übel der Gier halten und mit Sachbüchern Millionen machen. Ein Stehaufmännchen weiß, wie es sich in Szene setzt.

Durch den unbestechlichen Blick auf die offen zelebrierte Widerlichkeit, mit der Finanzjongleure sich in den 80ern zu strahlenden Helden stilisierten, schuf Oliver Stone mit "Wall Street" 1987 einen erkenntnisreichen Klassiker.

Er machte deutlich: Gier war zum Mantra geworden, Rücksichtslosigkeit zur Tugend. Michael Douglas versinnbildlicht als Gordon Gekko mit seiner nach hinten geölten Schnöselmähne und der Übersättigung im Blick bis heute den Prototyp des gewissenlosen Bankers.

Der moralische Jacob hat nur Augen für seinen Verlobungsring

Titel: Wall Street - Geld schläft nicht
Genre: Drama
Regie: Oliver Stone
Produktionsort/-jahr: USA 2010
Freigegeben: ab 6 Jahren
Länge: 110 Minuten
Verleih: Fox
Start: 21.10.2010

23 Jahre später versucht Stone erneut, ein Statement zur Finanzwelt abzugeben, deren Zusammenbruch er mit "Wall Street" quasi prophezeit hat. So visionär sein Film damals war, so betulich und zahnlos gerät die Fortsetzung.

Der junge Held ist hier nicht mehr ein verführbarer Uni-Absolvent, wie Charlie Sheen ihn seinerzeit als Widerpart zu Douglas gegeben hat, sondern ein Jungbroker mit gefestigten Moralvorstellungen.

Dieser Jacob (Shia LaBeouf) macht sich die Mechanismen der virtuellen Geldgeschäfte zu eigen, um in ökologische Nachhaltigkeitsprojekte zu investieren.

Abgründe gönnt Stone dieser blütenreinen Figur nicht: Selbst bei nächtlichen Streifzügen durch die Clubs stiert der kuhäugige Jüngling selbstvergessen auf den Verlobungsring, den er seiner Freundin gekauft hat, anstatt wie seine Kollegen den Kellerinnen hinterherzugaffen.

Als sein Mentor (Frank Langella) von Finanz-Tycoon Bretton James (Josh Brolin) ausgebootet wird und sich daraufhin das Leben nimmt, schwört Jacob Rache. Er bittet Gordon Gekko um Hilfe, dessen kritische Haltung zum Börsenzirkus er bewundert.

Problematisch daran ist allerdings, dass Jacobs Verlobte Gekkos Tochter Winnie (Carey Mulligan) ist, die ihren Vater abgrundtief hasst. Gekko willigt ein, sich am Rachefeldzug zu beteiligen, verlangt im Gegenzug aber, dass Jacob den Kontakt zu Winnie wiederherstellt.

Oliver Stone bleibt den Kommentar zur Finanzkrise schuldig

"Wall Street - Geld schläft nicht" wirkt wie eine Hochglanzserie, der nach furiosem Start mit einer geschickt verwobenen Figurenkonstellation und interessanten Prämissen die eigentliche Zielsetzung aus dem Blick gerät.

Stone bleibt den Kommentar zur Finanzkrise schuldig. Stattdessen beleuchtet er instabile Sozialgefüge, als wäre die Familie der erlösende Gegenentwurf zum schlierigen Börsenparkett.

Erklären lässt sich damit allerdings nicht der Irrsinn, den verantwortungslose Broker auszulösen vermögen. Diese klaffende Lücke macht den Film zu einer zweieinhalbstündigen Kurzweil, an deren Ende man sich wegen ihrer Belanglosigkeit dafür schämt, nicht gelangweilt gewesen zu sein.

Wertung: 3 von 5 WZ-Punkten

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer