„Buffy“-Schöpfer Joss Whedon lässt die Helden des Marvel-Comic-Kosmos mit viel Wumms als „The Avengers“ los.

KLASSENTREFFEN I
Geballte Heldenkräfte im Anmarsch: Hawkeye (Jeremy Renner, v. l.), Captain America (Chris Evans) und die Agentin Romanoff (Scarlett Johansson).

Geballte Heldenkräfte im Anmarsch: Hawkeye (Jeremy Renner, v. l.), Captain America (Chris Evans) und die Agentin Romanoff (Scarlett Johansson).

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Geballte Heldenkräfte im Anmarsch: Hawkeye (Jeremy Renner, v. l.), Captain America (Chris Evans) und die Agentin Romanoff (Scarlett Johansson).

Düsseldorf. Einsam ist er normalerweise, so ein Superheld. Wenn er kämpft oder fliegt oder magnetische Kraftfelder aufbaut, um Schurken zu bezwingen, dann kann er schalten und walten, wie er will, wird gefeiert und bejubelt.

Doch wenn er nach Hause kommt und seine Maske ablegt: Bonjour, Tristesse! Die Angst davor, entdeckt zu werden, zwingt die Herrschaften mit dem Doppelleben meist in die Isolation.

Helden haben nicht nur Superkräfte, sondern auch Super-Egos

Da möchte man meinen, so ein bisschen Gesellschaft unter Gleichgesinnten käme diesen Eigenbrötlern wider Willen ganz recht. Doch mitnichten. Wenn Helden sich zusammenrotten, prallen nicht nur Superkräfte, sondern auch Super-Egos aufeinander.

So zumindest stellt es sich Regisseur Joss Whedon vor, der mit „The Avengers“ jenen legendären Comic verfilmt hat, der die meisten der Superhelden aus dem Marvel-Verlag, darunter Iron Man, Hulk und Thor, zu einer schlagkräftigen Kampftruppe vereint.

Whedons knallige Szenarien dienen nicht nur dem Schaueffekt

Wie gut Whedon darin ist, knallige Fantasie-Szenarien nicht als bloßen Schaueffekt zu missbrauchen, sondern den Figuren, die sich in ihnen bewegen, echtes Leben einzuhauchen, hat er in den späten 1990ern gezeigt.

Sein Drehbuch zum Grusel-Klamauk „Buffy – Der Vampirkiller“ baute er zu einer sieben Staffeln währenden Serie aus. Die Figuren waren alles andere als billige Horrorklischees. Mit originellen Dialogen und viel Sinn für Beziehungsdramatik war die Serie eine intelligentere Bestandsaufnahme moderner Teenie-Probleme als Hochglanz-Schmarren wie „Beverly Hills 90210“ oder aktuell „Gossip Girl“.

Diese Fähigkeit erweist sich für „The Avengers“ als Glücksfall. Ein Großaufkommen an Superhelden birgt die Gefahr, dass die Charaktere sich aneinander zerreiben und letztlich nichts weiter bleibt als eine wuchtige Nummernrevue. Whedon, der auch am Drehbuch mitarbeitete, hat eine einfache Lösung für dieses Problem: Erst streiten, dann (gemeinsam) fighten.

Weil Thors wahnsinnigem Stiefbruder Loki (Tom Hiddleston) dank einem Energiewürfel der Zeitsprung in die Gegenwart gelingt, ruft Nick Fury (Samuel L. Jackson), der Chef des Geheimbundes S.H.I.E.L.D., mit Hilfe von Agentin Natasha Romanoff (Scarlett Johansson) alle verfügbaren Superhelden zusammen. Gemeinsam sollen sie verhindern, dass Loki seine Truppen schickt, um die Erde zu zerstören.

Die Testosteronbengel liefern sich das erwartete Rüdengerangel

Das bietet natürlich viel Raum für ordentlich Wumms, lässt aber auch Platz, die Helden über ihre Fähigkeiten sinnieren und an sich zweifeln zu lassen. Zwischen Testosteronbengeln wie Captain America (Chris Evans) und Thor (Chris Hemworth) führt das zum erwartbaren Rüdengerangel.

Intellektuellere Exemplaren wie Technik-Genie Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey Jr.) und Dr. Bruce Banner (Mark Ruffalo), der sein Wut-Alter-Ego Hulk im Zaum halten muss, reagieren mit einer nüchternen Reflexion ihrer verzwickten Lage – Held zu sein, es aber nicht immer zu wollen.

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