Jason Bateman und Melissa McCarthy ergänzen sich perfekt in der grellen Farce „Voll abgezockt“.

Komödie
Sandy Bigelow Patterson (Jason Bateman) staunt: Diana (Melissa McCarthy) startet durch.

Sandy Bigelow Patterson (Jason Bateman) staunt: Diana (Melissa McCarthy) startet durch.

Universal

Sandy Bigelow Patterson (Jason Bateman) staunt: Diana (Melissa McCarthy) startet durch.

Düsseldorf. In Europa hat die Schauspielerin Melissa McCarthy noch keinen Star-Status, dabei war sie 2012 immerhin als beste Nebendarstellerin für ihre Rolle der Megan in „Brautalarm“ für einen Oscar nominiert. Mit der überdrehten Farce „Voll abgezockt“ wird sie aber auch hierzulande an Prominenz zulegen.

In den USA jedenfalls wurde der erste Kinofilm mit ihr in einer Hauptrolle ein enormer Erfolg. Die US-Version der deutschen Ulknudel Cindy aus Marzahn überzeugt mit viel derbem Witz und manch leisen Momenten als dreiste Diebin und Überlebenskünstlerin.

Diana wirft unter falschem Namen mit den Tausendern nur so um sich

Melissa McCarthy spielt mit dem vollen Einsatz ihres stark gepolsterten Körpers die junge Diana auf Abwegen. Unter dem Namen Sandy Bigelow Patterson schmeißt sie in Florida mit Dollars um sich. Den Namen hat sie einem Finanzmanager (Jason Bateman) im fernen Denver geklaut.

Durch einen Trick ist sie an seine Daten gekommen, hat seine Kreditkarten gefälscht und lässt nun die Tausender über die Tische gehen. Das bringt ihn an den Rand des Ruins und kostet seinen guten Ruf. Vor allem den will Sandy zurück. Drum macht er sich auf an die Ostküste.

Der betrogene Finanzfachmann will die Frau von Miami nach Denver transportieren. Denn nur, wenn er sie den dortigen Behörden ausliefert, kann der aufopferungsvolle Familienvater sein Leben wieder ordnen. Die gemeinsame Fahrt des ungleichen Paares quer durch die USA wird erwartungsgemäß für beide zu einer Reise zum jeweils eigenen Ich. Unerwartete Ereignisse, wie das Auftauchen mordlustiger Verfolger, sorgen dabei allerdings für Action und Abenteuer brachial-komischer Art.

Geschmacksgrenzen und Hemmungen sind ihr unbekannt

Melissa McCarthy drückt durchweg aufs darstellerische Gaspedal. Sie flucht wie ein Droschkenkutscher, wird gern mal handgreiflich und kennt auch sexuell keine Hemmungen. Geschmacksgrenzen sind ihr sowieso unbekannt. Jason Bateman variiert die von ihm schon in „Wie ausgewechselt“ erfolgreich interpretierte Rolle des verklemmten Bürokraten im Vergleich dazu geradezu sensibel mit Augenzwinkern und Zurückhaltung.

Zum Finale wird die Komödie leiser und hintergründiger

Im Finale der bis dahin vor allem auf Fäkalwitz und krachledernen Humor setzenden Klamotte nähern sich nicht nur die Figuren einander an, sondern auch der Stil der Schauspieler. Es wird momentweise leiser, hintergründiger und damit spannender. Denn plötzlich offenbart die grelle Komik Kritik an einem Lebensstil, der nur auf Anpassung ohne jeden Mut zur Selbstverwirklichung beruht. Schöne Botschaft: Steh zu Dir selbst und nicht unentwegt unter der Fuchtel derer, die meinen, das Sagen zu haben.

Regisseur Seth Gordon („Mein Schatz, unsere Familie und ich“) setzt ganz auf die Präsenz seiner zwei Stars. Melissa McCarthy und Jason Bateman harmonieren perfekt miteinander. Sie halten die Komödie auch dann in Gang, wenn die Handlung sich eher fadenscheinig von Gag zu Gag hangelt. Melissa McCarthy stärkt zudem ihre Zugkraft als Kassenknüller.

Mit der im Juni in den USA und im Oktober hierzulande anlaufenden Kriminalkomödie „Taffe Mädels“ kommt sie an der Seite von Sandra Bullock wohl endgültig ganz oben an in Hollywood.

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