Ein Geiger liebt „Huhn mit Pflaumen“ und die falsche Frau.

Nasser-Ali (Mathieu Amalric) geht auf Welttournee, um seine große unerfüllte Liebe zu vergessen.
Nasser-Ali (Mathieu Amalric) geht auf Welttournee, um seine große unerfüllte Liebe zu vergessen.

Nasser-Ali (Mathieu Amalric) geht auf Welttournee, um seine große unerfüllte Liebe zu vergessen.

Prokino

Nasser-Ali (Mathieu Amalric) geht auf Welttournee, um seine große unerfüllte Liebe zu vergessen.

In ihrem Buch „Persepolis“ schilderte die in Frankreich lebende Comiczeichnerin Marjane Satrapi ihre Kindheit im Iran. Und sie hat damit den Lesern die Geschichte ihres Landes näher gebracht als es die Fernsehnachrichten vermochten. Überhaupt gelten Satrapis Comics als Meilenstein der „Graphic Novels“, der gezeichnete Romane, die seit einigen Jahren boomen. Auch ihre kunstvolle „Persepolis“-Verfilmung von 2007 gewann zahlreiche Preise. Satrapis neuer Film „Huhn mit Pflaumen“ spielt in Teheran – und dessen Kulisse stand in Potsdam-Babelsberg.

Der Film zeigt, wie europäisch der Iran in den 1950er Jahren war

Satrapi schöpft mit ihrem französischen Regie- und Drehbuchkollegen Vincent Paronnaud erneut aus dem Anekdotenfundus ihrer Familie. Der herzzerreißend melancholische Ton und die Verspieltheit erinnern an „Die fabelhafte Welt der Amélie“. „Das Leben ist ein Seufzer“, heißt es einmal. Der Film zeigt auch, wie europäisch geprägt das Leben im Iran der 1950er Jahre war, das Regime von heute scheint weit weg.

Es geht um den gefeierten Geiger Nasser-Ali Khan, der sich unglücklich verliebt. Die Hauptrolle – angelehnt an Satrapis Großonkel – spielt der Franzose Mathieu Amalric („Schmetterling und Taucherglocke“; „Ein Quantum Trost“), dessen braune Augen den Zuschauer durch das orientalische Märchen begleiten.

Mit Isabella Rossellini als Khans Mutter und Chiara Mastroianni als seine Tochter ist die Comic-Adaption glänzend besetzt. Der Film ist anrührend, aber er geht nicht ganz so zu Herzen wie „Persepolis“ – vielleicht, weil es nicht Satrapis eigene Geschichte ist und ihre Comiczeichnungen durch reale Szenen kaum zu übertreffen sind.

Ohne seine Geige mag der gefeierte Musiker nicht mehr leben

Nasser-Alis zänkische Frau Faringuisse (Maria de Medeiros) zerstört sein geliebtes Instrument im Streit. Daraufhin legt er sich ins Bett, um zu sterben, und lässt die Geschichte seiner Familie an sich vorbeiziehen: von der Mutter, die so stark rauchte, dass sich über ihrem Grab eine Wolke bildete, bis zum Sohn, der nach Amerika ging – das setzt der Film als schrille Sitcom um.

„Huhn mit Pflaumen“ ist ein Gericht, das Nasser-Ali von seiner Ehefrau serviert bekommt. Über seine verlorene Liebe kann ihn das jedoch nicht hinwegtrösten. Denn die Frau seines Herzens heißt Irâne (Golshifteh Farahani, „Alles über Elly“).

Der Name der Figur sei natürlich kein Zufall, erklärt Satrapi. „Es ist der Traum von einem längst vergangenen Iran, von einer Demokratie, die es hätte geben können.“ Sie selber war seit zwölf Jahren nicht in ihrer Heimat. Als Ansprechpartnerin für das aktuelle Geschehen im Iran sieht sie sich daher nicht. „Natürlich habe ich eine Meinung, aber das mischt sich mit Nostalgie und Melancholie. Ich bin eine Künstlerin, mehr nicht.“

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