Am Mittwoch kommt „The Wrestler“ mit Mickey Rourke ins Kino. Hier erzählt er, wie er den Weg aus der Gosse zurück fand.

Mickey Rourke bleibt sich treu: Wenn man schon eine Trophäe gewinnt, darf’s auch ein Schluck sein.
Mickey Rourke bleibt sich treu: Wenn man schon eine Trophäe gewinnt, darf’s auch ein Schluck sein.

Mickey Rourke bleibt sich treu: Wenn man schon eine Trophäe gewinnt, darf’s auch ein Schluck sein.

dpa

Mickey Rourke bleibt sich treu: Wenn man schon eine Trophäe gewinnt, darf’s auch ein Schluck sein.

WZ: Herr Rourke, für "The Wrestler" wurden Sie mit Auszeichnungen überschüttet. Wie fühlen Sie sich?

Mickey Rourke: Glücklich und sehr dankbar für die zweite Chance. Das schulde ich Regisseur Darren Aronofsky. Der wollte "The Wrestler" unbedingt mit mir machen. Ich hatte gehört, dass er ein schlauer Kerl ist, dass er großartige Filme macht. Als wir uns das erste Mal trafen, sagte er, er habe aber kein Geld, um mich zu bezahlen. Ich dachte: "Der ist auch noch irre!"

Der Zweite, der an Sie glaubte, war Ihr alter Freund Bruce Springsteen. Er hat extra für Sie einen Song geschrieben, heißt es.

Rourke: Ich habe in meiner "zornigen Phase", wie ich es nenne, 13 Jahre lang nicht mit Bruce gesprochen. Dann sind wir uns zufällig begegnet und haben uns wieder öfter getroffen. Einen Song von Bruce für "The Wrestler" hätte ich mir gewünscht - aber das konnten wir uns mit unserem Low-Budget-Film nicht leisten. Daher schrieb ich ihm einen langen persönlichen Brief.

Und was schrieben Sie?

Rourke: Dass ich eine zweite Chance bekommen hätte. Dass ich in der Vergangenheit sehr destruktiv war, durchgeknallt. Dass ich immer dachte, ich wäre nur zornig - und dann 15 Jahre und einen guten Therapeuten brauchte, um ins Reine zu kommen.

Was war der Grund für Ihre destruktive Art?

Rourke: Ich habe mich als Kind für etwas geschämt, dann wurde aus der Scham pure Wut. Ich habe in jedem Menschen einen Feind gesehen. Irgendwann musste ich mich meinen Problemen stellen. Wenn man heute sagt, ich würde "ein Comeback erleben" - das hasse ich! Sie haben ja keine Ahnung, wo ich war. Oder wie man sich dort fühlt.

Wo waren Sie?

Mickey Rourke wurde am 16. September 1952 geboren, wuchs in Florida auf, ging nach New York und ließ sich zum Boxer ausbilden. 1991 bis 1995 absolvierte er acht Profiboxkämpfe. Nach Kontakten mit dem Actors Studio entdeckte ihn 1979 Steven Spielberg. Zunächst nur Nebenrollen, dann gelang ihm der Durchbruch mit "9 1/2 Wochen" mit Kim Basinger.

Alkohol, Drogenexzesse und immer wieder Gefängnis sorgten für den Karriereknick. Fünfzehn Jahre lang hat er kein Filmangebot bekommen und sich zuletzt als Türsteher für Transvestitenclubs über Wasser gehalten. Nun hat Mickey Rourke das wohl sensationellste Comeback der letzten Jahre geschafft. In Darren Aronofskys "The Wrestler" spielt der 57-Jährige einen alternden Showkämpfer, der süchtig ist nach dem Leben im Ring. Seine erschütternde Leistung brachte dem Drama beim Filmfestival in Venedig den Goldenen Löwen ein und einen Golden Globe.

Rourke: Ganz unten. In der Gosse. Ich lebte wie ein Monster.

Haben Sie gespürt, dass Hollywood Sie lange Zeit geächtet hat?

Rourke: Klar. Keiner wollte was mit mir zu tun haben.

Ist der abgehalfterte Randy ein Alter Ego?

Rourke: Randy hatte nicht mein Glück. Er bekam weder eine neue Chance noch traf er einen Seelenklempner, der ihm half. Aus ihm würde nie mehr ein Star werden. Er ist eine verlorene Seele.

Ahnten Sie, dass "The Wrestler" Ihnen solche Ehre einbringen würde?

Rourke: Schon nach zehn Tagen wusste ich: "Wow - das ist der beste Film, den ich je gedreht habe!" Nach weiteren zehn Tagen dachte ich: "Aronofsky ist nach Michael Cimino der beste Regisseur, mit dem ich je gearbeitet habe! Darren wusste, wie er mich aus der Reserve locken und alles aus mir herausholen konnte.

Haben Sie sich im Ring mal ernsthaft verletzt?

Rourke: Jeden Tag! Ein Wrestler trainiert knapp zehn Jahre, bis er sich so umherschmeißt. Ich hatte aber nur drei Monate. Wenn ich fiel, fiel ich wie ein Ziegel. Ich ging jeden Abend fluchend nach Hause. Ich habe in diesen drei Monaten mehr Zeit bei Ärzten verbracht als in den zehn Jahren beim Boxen!

Was sind die Unterschiede zwischen Boxen und Wrestling?

Rourke: Boxen verhält sich zu Wrestling etwa so wie Fußball zu Pingpong. Zuerst hatte ich nur Verachtung dafür übrig. Ich dachte: Ist bloß Unterhaltung, aber kein Sport. Ich hatte unrecht. Man schmeißt sich umher, damit das Publikum johlt. Wrestler verletzen nicht die anderen, sondern sich selbst. Mit vierzig sind die meisten Krüppel und sitzen im Rollstuhl. Sie haben aber nur selten jemanden, der sich um sie kümmert. Sie leben für den Moment und ihren Ruhm.

Warum gaben Sie 1991 alles auf, um Profi-Boxer zu werden?

Rourke: Das Boxen war meine große Liebe und mein erster erlernter Beruf. Mit elf habe ich schon in Miami trainiert, in derselben Halle wie Muhammad Ali. Mit 16, nach einer Gehirnerschütterung, habe ich aufgehört. Ich wollte mich nicht zerstören. Für diese Angst habe ich mich aber immer geschämt, als hätte ich gekniffen. Darum musste ich wieder in den Ring: um mich wieder wie ein Mann zu fühlen.

Hatten Sie Angst, es nie mehr zurück zum Film zu schaffen?

Rourke: Ich hatte Riesenschiss! Nach so langer Zeit zurück! Ich war mir sicher: Die Party ist vorbei. Du bist Vergangenheit.

Was bereuen Sie am meisten?

Rourke: So ziemlich alles! Ehrlich - es gibt kaum etwas, das ich nicht bereue! Das wird eine verdammt lange Aufzählung! Früher habe ich bei einem Rollenangebot nur gefragt: "Was zahlt Ihr?" Drehbuch oder Regisseur waren mir egal. So möchte ich mich nie mehr aufführen.

Leben Sie jetzt wie ein Heiliger? Ist nun Schluss mit lustig, oder darf auch mal gefeiert werden?

Rourke: (grinst) Hey klar! Wir leben doch nur einmal!

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer