Interview: Burghart Klaußner über die Arbeit mit Kinoprofis, den neuen Film und die Theaterregie.

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Szene aus dem Film „Alter und Schönheit“ (v.l.): Henry Hübchen, Burghart Klaußner und Armin Rohde.

Szene aus dem Film „Alter und Schönheit“ (v.l.): Henry Hübchen, Burghart Klaußner und Armin Rohde.

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Szene aus dem Film „Alter und Schönheit“ (v.l.): Henry Hübchen, Burghart Klaußner und Armin Rohde.

Herr Klaußner, was assoziieren Sie mit den Begriffen Alter und Schönheit?

Klaußner: Unser Film versucht, diese Gegensätze ein wenig zu versöhnen. Es kann durchaus sein, dass die Schönheit nicht nur bei der Jugend liegt und es ist auch möglich, das Alter mit einer gewissen Leichtigkeit zu erleben.

Kennen Sie Menschen wie den Regisseur Justus, den Sie spielen?

Klaußner: Sie begegnen einem in unserem Beruf immer wieder. Justus ist ein Fernsehregisseur, ein Serienregisseur sogar, geprägt vom extremem beruflichem Zeit- und Erfolgsdruck, der in den meisten Fällen sein Privatleben ganz hintanstellt. Fast ein Prototyp dieser Berufssparte.

Sind Sie auch ein Gehetzter?

Klaußner: Ich habe es Gott sei dank geschafft, das ein bisschen zu entzerren, denn da kommt nix bei raus. Aber dass Arbeit auf Arbeit folgt, ist bei mir auch so. Man versucht das natürlich in einen Rhythmus zu bringen, der auch noch Kreativität ermöglicht und nicht nur Abrufbarkeit.

Ist eine Ensemblearbeit wie diese im positiven Sinne ein Kräftemessen zwischen Schauspielern?

Klaußner: Das ist sicher Kräftemessen in dem Sinne, dass man sich gegenseitig befeuert. Es ist eine große Freude, mit so erstklassigen Schauspielern zu arbeiten, weil es keiner großen Diskussionen und Verabredungen bedarf, sondern ein Stück Selbstverständlichkeit im Arbeiten ermöglicht.

Mittlerweile sind Sie auch als Regisseur erfolgreich. Ein Stück weiter auf dem Weg zur Autonomie, die Sie mal als das höchste Gut bezeichnet haben?

Klaußner: Soweit man in unserem Beruf autonom sein kann, denn natürlich ist es immer eine Zusammenarbeit mit Anderen. Höchste Autonomie liegt letztendlich beim Autor. Im Moment bin ich so wahnsinnig, als Autor und Regisseur gleichzeitig tätig zu sein, zum Glück nicht auch noch als Schauspieler. Ich inszeniere gerade ein eigenes Stück in Bochum. Es kann allerdings auch interessant sein, sich in eine Abhängigkeit zu begeben. Dort lernt man Hingabe. Sie ist im Beruf des Schauspielers eines der obersten Ziele.

"Es wird ein großer, bunter Abend mit Musik der Beatles. Mit viel Musik. Sie ist eine Sprache, die keiner Sprache mehr bedarf."

Was erwartet die Zuschauer bei Ihrem Stück "Marigold", das am 17. Januar uraufgeführt wird?

Klaußner: Es wird ein - ich scheue das Wort nicht - großer, bunter Abend. Angereichert mit viel Musik der Beatles, erzählt er eine Komödie, die in Moskau beginnend um die halbe Welt führt. Sie erzählt von der Aufbruchssehnsucht junger Leute. Es ist der Versuch, auf den Spuren von Vorbildern zu wandeln, die sich im Komödie-Schreiben bewährt haben. Ein absolutes Gegenprogramm zu anderen Arbeitsfeldern, zu Filmen wie "Requiem", zu den wirklich ernsten und schweren Stoffen. In diesem Stück geht es vor allem um Musik.

Was finden Sie in der Musik, was Sie in Ihrer Schauspielarbeit nicht finden?

Klaußner: Musik ist eine Sprache, die keiner Sprache mehr bedarf. Ein Hauch vom Atem Gottes, heißt es. Musik ist in der Lage, uns schlagartig in eine vollkommen andere Welt zu überführen.

Welcher Aspekt Ihrer Arbeit bringt Ihnen die größte Befriedigung?

Klaußner: Die größte Befriedigung liegt da, wo Menschen einen direkten Zugang zu dem finden was man spielt. Wenn sie etwas direkt Nachvollziehbares finden, etwas direkt Anknüpfbares, etwas sie direkt Ansprechendes, auf kurzem Weg ihr Gemüt Erreichendes. Ich würde gar nicht mal sagen, unbedingt ihren Intellekt Erreichendes, sondern eher ihre Seele Erreichendes. Wenn so etwas für Sekunden mal gelingen mag, wäre es sicher das Tollste.

Welche Rolle spielen Sie in "Der Vorleser"?

Klaußner: Ich spiele die Figur des Richters, der die Angeklagte Hanna Schmitz zu ihrer Haftstrafe verurteilt. Im Buch gibt es mehrere Richter, im Film wird das auf eine Figur gebündelt. Sie orientiert sich ein bisschen an den Auschwitz-Prozessen und deren Richterpersönlichkeiten, bis hin zu Kostüm und Maske. Der Film spielt ja auch in etwa in der Zeit der großen Auschwitz- und Majdanek-Prozesse in den 60er Jahren. Es war eine interessante Aufgabe. Auf Englisch, mit einem internationalen Team gedreht und mit hervorragenden Schauspielern wie der Winslet.

In welchem Kreis würden Sie gern irgendwann einmal Ihre letzten Tage verbringen?

Klaußner: In der Umgebung von Freunden. Es können gar nicht genug sein. Deshalb sollte man früh genug anfangen, diese zu sammeln.

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