Produzent Til Schweiger spricht über seine Komödie „Kokowääh“, Lebensmittelpreise und die Arbeit mit Tochter Emma.

Til Schweiger
Will demnächst wieder ernstere Töne anschlagen: Til Schweiger. (Foto: dpa)

Will demnächst wieder ernstere Töne anschlagen: Til Schweiger. (Foto: dpa)

Jens Kalaene

Will demnächst wieder ernstere Töne anschlagen: Til Schweiger. (Foto: dpa)

Herr Schweiger, soll Ihr neuer Film „Kokowääh“ nach „Keinohrhasen“ und „Zweiohrküken“ auch ernsthaftere Zwischtentöne vermitteln?

Til Schweiger: In erster Linie bleibt „Kokowääh“ eine Komödie. Man soll das Kino mit einem guten Gefühl verlassen. Aber natürlich kriegt der Film durch sein Thema – ein Frauenheld, der sich den Vaterpflichten stellen muss – automatisch eine andere Ernsthaftigkeit als eine Beziehungskomödie.

Ist der Titel „Kokowääh“ original Kindermund?

Schweiger: Wir haben lange daran gefeilt, wie ein Kind „Coq Au Vin“ aussprechen würde. Dass der Film einmal so heißen würde, war da noch gar nicht klar. Witzigerweise hatte Willi Geike von Warner diese Idee, den wir damals noch lange überzeugen mussten, „Keinohrhasen“ auch so zu nennen.

Ihre achtjährige Tochter Emma spielt eine Hauptrolle. In Hollywood würde man behaupten, 7.000 Kinder erfolglos gecastet zu haben, bevor man auf die Idee kam, die eigene Tochter zu besetzen.

Til Schweiger wurde 1963 in Freiburg geboren. Seit 1995 ist er mit dem amerikanischen Model Dana Carlson verheiratet, mit der er vier Kinder hat. Die Familie lebte bis 2004 in den USA, bevor sie nach Deutschland zog. 2005 gab das Paar seine Trennung bekannt. Schweiger lebt heute in Berlin-Schöneberg.

Sein aktueller Film „Kokowääh“ läuft am Donnerstag in den deutschen Kinos an.

Schweiger: Irgendwann habe ich das Drehbuch mit nach Hamburg genommen und gemeinsam mit Emma gelesen. Ich hatte Emma schon im Kopf und habe gesehen, wie toll sie es umsetzen konnte. Ich wäre blöd, wenn ich andere Kinder casten würde, wenn ich die Chance habe, mit meiner Tochter zu arbeiten.

Die Presse reagierte kritisch, als Will Smith seinen Sohn zum Karate-Kid machte. Sind Sie auf diese Reaktionen vorbereitet?

Schweiger: Natürlich weiß ich, dass das kommt. Im Internet lese ich ja heute schon teilweise „Til Schweiger zerrt seine Tochter vor die Kamera“. Aber wenn ich mich danach richten würde, was einige Leute schreiben, dürfte ich keine Filme mehr machen.

Wie sorgen Sie dafür, dass Ihre Kinder die Bodenhaftung bewahren?

Schweiger: Einen Großteil ihres Lebens wurden sie in Malibu sozialisiert. Dort war ihr Vater ein Schauspieler, den keiner kannte. Außerdem ist die Mutter total bodenständig und ich bin es auch. Ich merke allerdings, dass es ihnen auf den Zeiger geht, wenn sie dauernd angequatscht werden.

Wie normal ist Ihr Leben?

Schweiger: Ich gehe ganz normal einkaufen und weiß, was Lebensmittel kosten. Wenn ich bei Kaiser’s an der Wursttheke stehe, fragt mich die Verkäuferin vielleicht, ob ich mal in ihr „Keinohrhasen“-Buch schreiben würde.

Neulich hat mich einer im Fitnessstudio entgeistert gefragt, was ich denn hier mache. Was soll ich denn schon da machen? Trainieren natürlich! Ich denke, dass man es meinen Filmen anmerkt, dass ich am normalen Leben teilnehme.

Waren Sie zum Jubiläum der ARD-Serie „Lindenstraße“ eingeladen, in der Ihre Karriere begann?

Schweiger: Ich hatte sogar die Einladung, die Jubiläumsfolge zu schreiben. Das hat mich sehr geehrt, leider konnte ich es zeitlich nicht einrichten.

Amerikanische TV-Serien sind häufig mutiger als Kinofilme. Ist das Medium TV für Sie uninteressant?

Schweiger: Wenn ich Amerikaner wäre, würde ich mir ganz massive Gedanken darüber machen. Wenn so eine Serie landesweit auf Sendung geht, verdienst du dich tot. Ich spiele schon seit Jahren mit dem Gedanken, auch in Deutschland eine Serie zu machen. Aber wenn man das macht, bleibt für Kino keine Zeit. Ich sage mir immer, wenn ich 60 bin, kann ich immer noch eine Serie schreiben oder „Tatort“-Kommissar werden.

Eine prominente Kollegin hat die Sorge geäußert, bei Ihrem Arbeitspensum könnten Sie früh ausbrennen. Sehen Sie diese Gefahr?

Schweiger: Es gibt schon Momente, in denen man ganz schön kaputt ist. Im letzten Jahr wollte ich eigentlich gar nichts machen, aber dann kamen „Kokowääh“ und verschiedene andere Filme. Aber die Gefahr, dass ich verglühe, sehe ich überhaupt nicht.

Dazu liebe ich zu sehr, was ich mache. In der Regel hat es noch andere Ursachen, wenn Leute ausbrennen. Sie sind einsamer, als man glaubt, nehmen vielleicht irgendwelche Drogen. Es gibt Regisseure, die drei große Filme gemacht haben und dann ausgeglüht sind, Francis Ford Coppola zum Beispiel. Clint Eastwood dagegen schießt jedes Jahr einen Film raus und wird immer besser.

Der Filmstart-Kalender verspricht für Dezember „Keinohrhasen 3“.

Schweiger: Das hat irgendjemand bei Warner verbockt. Ich habe diesen Termin nie lanciert. Ich sage immer, ich mache eine Fortsetzung, wenn es uns gelingt, ein gutes Buch zu schreiben. So weit sind wir aber noch nicht.

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