Beim Festival wurden die Preise verteilt und Polanski für beste Regie ausgezeichnet.

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Für den besten Film gab es in Berlin den Goldenen Bären für Semih Kaplanoglu.

Für den besten Film gab es in Berlin den Goldenen Bären für Semih Kaplanoglu.

dpa

Für den besten Film gab es in Berlin den Goldenen Bären für Semih Kaplanoglu.

Berlin. Die Preisvergabe geschah mit Ansage. Roman Polanskis geradliniger Paranoia-Thriller "Der Ghostwriter" und das visuell überwältigende Naturdrama "Bal" (Honig) des türkischen Regisseurs Semih Kaplanoglu, galten auf der diesjährigen 60. Berlinale bei Presse und Besuchern als absolute Favoriten. Die Jury unter Vorsitz von Regisseur Werner Herzog ("Fitzcarraldo") sah das genau so und verteilte die Hauptpreise paritätisch: Polanski erhielt den Regiepreis, während der Goldene Bär für den besten Film an die deutsch-türkische Koproduktion "Honig" ging. Der dritte große Festivalliebling, das rumänische Gefängnisdrama "If I Want To Whistle, I Whistle", wurde mit dem großen Preis der Jury bedacht.

Ungewohnte Eintracht also zwischen Gremium und breiter Masse. Auch innerhalb der Jury sei alles harmonisch verlaufen, was laut Herzog zur "wahrscheinlich schnellsten Entscheidung seit Festivalbestehen" geführt haben soll. Insgesamt 20 Filme hatten sich dem Wettbewerb gestellt. Starbesetzte Hollywoodkost wie Martin Scorseses Horror-Hommage "Shutter Island" mit Leonardo DiCaprio oder Lisa Cholodenkos "The Kids Are All Right" mit Julianne Moore und Annette Bening lief außer Konkurrenz, was schade war, da ausgerechnet diese Festivalbeiträge die stärksten schauspielerischen Leistungen boten.

Die Silbernen Bären für die besten Darsteller gingen daher mangels Konkurrenz an die beiden Russen Grigori Dobrygin und Sergei Puskepalis, die sich in "How I Ended This Summer" ein eindringliches Duell vor der kargen Kulisse der Arktis liefern, und an die Japanerin Shinobu Terajima, die in dem wohl forderndsten Wettbewerbsbeitrag "Caterpillar" eine Frau spielt, die ihren im Zweiten Weltkrieg zum Torso verstümmelten Ehemann pflegen muss. Die verstörenden Sexszenen dieser unausgegorenen Kriegskritik sorgten für einen ungewöhnlich hohen Zuschauerschwund während der Aufführung.

Die drei deutschen Beiträge hatten keinen Erfolg bei der Bärenjagd

Die drei im Wettbewerb vertretenen deutschen Beiträge gingen leer aus, und das, obwohl vor allem Benjamin Heisenbergs "Der Räuber" zum engeren Kreis der Favoriten gehörte. Vielleicht war der Jury die gedehnte Atmosphäre seines Kriminellenpsychogramms dann doch etwas zu langatmig. Freuen konnte sich immerhin Burhan Qurbani, ein Absolvent der Filmakademie Ludwigsburg, der für sein intelligent aufgebautes Glaubensdrama "Shahada" den Preis der deutschen Filmkunstkinos erhielt.

Die Feierlaune der Jubiläums-Berlinale trübten zum Ende einige Ausfälle: Penelope Cruz und Kate Hudson, die das missglückte Musicaldrama "Nine" in Berlin vorstellen wollten, blieben dem Festival fern. Dem Zuschauerzuspruch tat das aber keinen Abbruch: Mit über 300.000 Besuchern verzeichneten die Veranstalter einen neuen Rekord. Und das, nachdem erst im vergangenen Jahr mit 275.000 Ticketverkäufen eine neue Bestmarke aufgestellt worden war.

"Honig" von Semih Kaplanoglu (bester Film)

"Händelse Vid Bank" von Ruben Östlund (bester Kurzfilm)

Florin Serban für "Wenn ich pfeifen möchte, pfeife ich" (großer Preis der Jury)

Roman Polanski für "Der Ghostwriter" (beste Regie)

Shinobu Terajima in "Caterpillar" (beste Darstellerin)

Grigori Dobrygin und Sergej Puskepalis in "How I Ended This Summer" (beste Darsteller)

Pavel Kostomarov für die Kamera bei "How I Ended This Summer" (herausragende künstlerische Leistung)

Wang Quan’an für "Apart Together" (bestes Drehbuch)"

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