Cannes legt in seinem 62. Programm einen Schwerpunkt auf den europäischen Autorenfilm.

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Der einzige deutsche Beitrag zum Filmfestival in Cannes kommt von Regisseur Michael Haneke.

Der einzige deutsche Beitrag zum Filmfestival in Cannes kommt von Regisseur Michael Haneke.

dpa

Der einzige deutsche Beitrag zum Filmfestival in Cannes kommt von Regisseur Michael Haneke.

Paris. Das Filmfestival von Cannes legt in diesem Jahr einen deutlichen Schwerpunkt auf den europäischen Autorenfilm. Für Deutschland geht der in München geborene Österreicher Michael Haneke mit seinem Werk "Das weiße Band - Eine deutsche Kindergeschichte" in den Wettbewerb um die Goldene Palme. Unter den 20 Wettbewerbsregisseuren sind unter anderem der Däne Lars von Trier, Pedro Almodóvar aus Spanien, Quentin Tarantino und Ang Lee aus den USA, der Brite Ken Loach und die Neuseeländerin Jane Campion.

Zum ersten Mal startet das Fest mit einem 3-D-Trickfilm

Das Festival beginnt am Mittwoch mit dem Disney-Animationsfilm "Oben" ("Up"), erstmals mit einem 3-D-Zeichentrickfilm. Die Jury unter dem Vorsitz der französischen Schauspielerin Isabelle Huppert vergibt die Preise am 24. Mai. dem Festival zufolge wurden 1670 Spielfilme aus 120 Ländern eingereicht.

Frankreich ist stark vertreten und geht gleich mit vier Filmen in den Wettkampf um die Goldene Palme. Neben Jacques Audiards "Un prophète", Xavier Giannolis "A l’Origine" und Gaspar Noes "Soudain le vide" ist auch Filmemacher Alain Resnais mit "Les herbes folles" vertreten. Sein Werk "Hiroshima, meine Liebe" war 1959 für eine Goldene Palme nominiert.

Der spanische Kultregisseur Almodóvar tritt mit "Los abrazos rotos" für Spanien an, ebenso Isabel Coixet mit "Map of the sounds of Tokyo", die zu den wenigen Frauen im Wettbewerb gehört. Lars von Trier stellt "Antichrist" vor, der auf der Theorie basiert, dass nicht Gott, sondern Satan die Welt erschaffen hat. Der Film wurde von der Filmstiftung NRW gefördert und fast komplett im Bergischen Land gedreht.

Hanekes "Das weiße Band" ist der einzige deutsche Wettbewerbsfilm

Länder wie Korea, Rumänien und die Philippinen sind vor allem in den Nebenreihen wie "Un certain regard" zu sehen. "Diese Länder gehören zu den aufsteigenden Filmländern", sagte Programmchef Thierry Frémaux. Ganz junge Talente gibt es dieses Jahr kaum. "Das will jedoch nicht heißen, dass das junge Kino tot ist", meinte Frémaux.

1939 erstmals Filmfestspiele, nach dem Krieg erst wieder 1946. 1948 und 1950 aus Geldnot ausgefallen. Abbruch während der Mai-Unruhen 1968.

Die Jury ist international. Der wichtigste Preis ist die Goldene Palme (Palme d’Or) für den besten Film.

Den einzigen deutschen Wettbewerbsbeitrag "Das weiße Band" hat Haneke (67) in Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen gedreht. Er erzählt die Geschichte eines Schul- und Kirchenchores in einem kleinen Dorf, in dem sich in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg seltsame Unfälle und rituelle Bestrafungen häufen. In den Hauptrollen spielen Ulrich Tukur, Burghart Klaußner und Susanne Lothar. Der Film soll Ende des Jahres in die Kinos kommen.

Wie die meisten anderen Regisseure, die geladen wurden, ist Haneke in Cannes fast schon ein Stammgast. Für sein Drama "Caché" erhielt er 2005 den Regiepreis, für "Die Klavierspielerin" 2001 den Großen Preis der Jury.

Auch "Inglourious Basterds" von Tarantino, der 1994 mit "Pulp Fiction" die Goldene Palme eroberte, ist weitgehend in Deutschland entstanden. Die Studio Babelsberg-Produktion wartet mit Superstar Brad Pitt und deutschen Schauspielern wie Til Schweiger und Daniel Brühl auf. In "Basterds" rächen sich amerikanisch-jüdische Soldaten im besetzten Frankreich brutal an Nazis. Bühnenstar Martin Wuttke spielt Adolf Hitler.

Carl Woebcken, Vorstandsvorsitzender der Studio Babelsberg AG und Koproduzent des Films, freute sich über die Einladung und sagte: "Unser Leistungsangebot gepaart mit dem exzellent funktionierenden Filmfördersystem machen Deutschland zu einem attraktiven Produktionsstandort für internationale Kinofilme." mm/dpa

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