Jason Reitman liefert den Film zur Wirtschaftskrise: „Up in the Air“ ist komisch, bis einem das Lachen im Hals stecken bleibt.

Vielflieger Ryan Bingham (George Clooney) in seinem zweiten Zuhause: dem Flughafen.
Vielflieger Ryan Bingham (George Clooney) in seinem zweiten Zuhause: dem Flughafen.

Vielflieger Ryan Bingham (George Clooney) in seinem zweiten Zuhause: dem Flughafen.

dpa

Vielflieger Ryan Bingham (George Clooney) in seinem zweiten Zuhause: dem Flughafen.

In Zeiten der Wirtschaftskrise kann man sich auch so etwas wie professionelle Kündigungsfirmen vorstellen. Sie erledigen schnell, diskret und ohne Emotionen die unangenehme Aufgabe, "überflüssig gewordene" Mitarbeiter an die Luft zu setzen, ohne dass sich der Chef damit auseinandersetzen muss.

Wahrscheinlich ist Jason Reitmans Vision eines solch unmenschlichen Vorgehens näher an der Realität, als man glauben mag. In seinem neuen Film "Up in the Air" spielt George Clooney eben diesen professionellen Rausschmeißer, der kreuz und quer durch Amerika reist. Dabei ist Ryan Bingham gar kein Unmensch, sondern ein freundlicher und einfühlsamer Zeitgenosse, der seinen Job mit Charme und Präzision erledigt. Die Skrupel kann er so leicht abstreifen wie seine Slipper bei der Sicherheitskontrolle.

Bingham ist der Prototyp eines modernen Travellers: ungebunden, immer unterwegs, flexibel. Er sammelt Flugmeilen wie andere Menschen Paybackpunkte, denn schließlich will er einer der wenigen Frequent Flyers werden, die die Zehn-Millionen-Meilen-Schallmauer durchbrechen. Sein Dasein verläuft geordnet nach bestimmten Mustern. Als zwei Frauen in sein Leben treten, kommt alles durcheinander, und Ryan steuert in eine Krise.

Erst lernt er in der Vielflieger-Geschäftsfrau Alex (Vera Farmiga aus "Departed") eine ihm verwandte Seele kennen und lieben. Ihre gemeinsamen Schäferstündchen in Flughafenhotels integriert er gerne in seinen Reiseplan. Und dann entwickelt ausgerechnet die blutjunge, ehrgeizige Kollegin und Harvard-Absolventin Natalie (Anna Kendrick) eine neue Technik, um Mitarbeiter per Webcam zu feuern, so dass Binghams Reisen überflüssig werden.

Alle drei Darsteller wurden für den Oscar nominiert

Erst als der Profi den Boden unter den Füßen verliert, merkt er, wie einsam er ist und worauf es wirklich ankommt. Dass diese Message nicht allzu platt transportiert wird, dafür sorgt Jason Reitman, der schon in "Juno" bewiesen hat, wie authentisch er Antihelden in Szene setzen kann. Bei Clooney meint man zwar mittlerweile, er spielt sich nur noch mehr oder weniger selbst. Doch in der Rolle des rastlosen Bingham macht er eine eindrucksvolle Wandlung durch, für die er nun für den Oscar nominiert wurde. Der oberflächliche Sunnyboy Bingham muss schmerzhaft lernen, dass Bonusmeilen und Statussymbole keine wahren Beziehungen ersetzen können.

Auch die beiden Darstellerinnen dürfen sich Hoffnungen auf einen Oscar machen. Verdientermaßen. Denn sie behaupten sich ebenbürtig neben dem Superstar Clooney. Die junge Anna Kendrick ("Twilight") stattet die steife Streberin mit Witz und Selbstironie, aber auch mit Brüchen aus. Obwohl man sie zunächst als kühle Nervensäge empfindet, versteht sie es doch im Laufe des Films, ihrer Figur etwas Verletzliches zu geben.

Der Rhythmus des Films entwickelt sich parallel zur Hauptfigur: Die schnellen Schnitte des Anfangs und die rastlose Erzählweise wechseln zu einem ruhigeren, nachdenklicheren Ton. Denn obwohl "Up in the Air" nach dem Roman von Walter Kirn eigentlich eine Komödie ist, hat der Film einen ernsten Hintergrund, der einem das Lachen zunehmend im Hals stecken bleiben lässt. Reitman schafft melancholische Bilder einer menschenverachtenden und zynischen Arbeitswelt, in der von den gefeuerten Mitarbeitern nicht viel mehr übrig bleibt als leere Stühle oder der Stromanschluss ihrer Computer.

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