Bei den Filmfestspielen übernehmen „Sturm“ und „Alle Anderen“ Favoritenrollen.

Der Schein trügt: Aus der Urlaubsidylle wird bei Gitti (Birgit Minichmayr) und Chris (Lars Eidinger) nichts. Ihre Beziehung steht auf der Kippe.
Der Schein trügt: Aus der Urlaubsidylle wird bei Gitti (Birgit Minichmayr) und Chris (Lars Eidinger) nichts. Ihre Beziehung steht auf der Kippe.

Der Schein trügt: Aus der Urlaubsidylle wird bei Gitti (Birgit Minichmayr) und Chris (Lars Eidinger) nichts. Ihre Beziehung steht auf der Kippe.

dpa

Der Schein trügt: Aus der Urlaubsidylle wird bei Gitti (Birgit Minichmayr) und Chris (Lars Eidinger) nichts. Ihre Beziehung steht auf der Kippe.

Berlin. Was ist das Thema der diesjährigen Filmfestspiele? Wirtschaftskrise, politische Verstrickungen und Globalisierung - diese Richtung hat nicht nur Festivaldirektor Dieter Kosslick vorausgesagt, auch Tom Tykwers Eröffnungsfilm "The International" schien tonangebend für die 59. Berlinale zu sein.

Doch die deutschen Beiträge sprengen jeden thematischen Rahmen und führen vor, dass Weltklasse auf der Leinwand ganz verschiedene Gesichter haben kann.

Hoffnungen auf einen Bären können sich gleich beide deutschen Filme im Wettbewerb machen. Mit messerscharfen Dialogen seziert Regisseurin und Drehbuchschreiberin Maren Ade in "Alle Anderen" die Beziehung von Gitti (Birgit Minichmayr) und Chris (Lars Eidinger). Die beiden Mittdreißiger sind noch nicht lange ein Paar und verbringen ihren Urlaub im Ferienhaus von Chris’ Mutter auf Sardinien.

Das großzügig mit Pool ausgestattete aber mit Nippes vollgestopfte Domizil ist die spießige Kulisse für ihre verbalen Scharmützel. Chris, der begabte Architekt, hat gerade einen Wettbewerb verloren und fühlt sich unmännlich. Seinen Frust lässt er an Gitti aus, schweigt, wenn sie sich ein "Ich liebe Dich" wünscht. Sie, witzig, unkonventionell und sexy, möchte lieber so sein, dass sie besser zu ihm passt.

Bei einem Treffen mit einem befreundeten Paar kommt es zum Eklat: Das vorgeführte Rollenverhalten der anderen bringt längst überholt geglaubte Sehnsüchte ans Licht. Trennt euch, möchte man den beiden zurufen. Aber so einfach macht es Ade ("Der Wald vor lauter Bäumen") den Zuschauern nicht. Hier gilt es eine Beziehungskrise zu bestehen.

"John Rabe" erzählt eine unbekannte Geschichte aus der Nazi-Zeit

Leicht macht es einem auch Hans-Christian Schmid nicht mit seinem hochgelobten Politthriller "Sturm". Kerry Fox ("Intimacy") spielt Hannah Maynard, Anklägerin am UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag. Mit leidenschaftlichem Einsatz versucht sie, Mörder und Vergewaltiger aus dem ehemaligen Jugoslawien vor Gericht zu bringen.

Die erfahrene Juristin bewegt sich zwischen der politischen Maßgabe, Verfahren möglichst schnell abzuschließen, und dem Versuch, den Opfern dieses fast schon vergessenen Krieges eine Stimme zu geben. Im Gegensatz zu Tykwers "The International" schafft Schmid es, seinem Film internationale Relevanz zu geben. Seine genau charakterisierten Figuren bringen einem dieses Thema als Menschen nahe.

Ein ganz anderes Kapitel der Weltgeschichte schlägt Regisseur Florian Gallenberger auf. Der 2001 für seinen Kurzfilm "Quiero Ser" mit einem Oscar ausgezeichnete Filmemacher erzählt von "John Rabe", dem Oskar Schindler Chinas. Ulrich Tukur spielt diesen Kaufmann, der 27 Jahre für die Firma Siemens in China ein Werk leitete. 1937 soll er zurück nach Berlin. Kurz vor seiner Abreise fällt die japanische Armee mit barbarischer Grausamkeit in China ein. Rabe nutzt die Allianz zwischen Japan und Nazi-Deutschland und richtet eine Sicherheitszone ein. So rettet er 250 000 Chinesen das Leben.

Gallenberger zeigt in hollywood-tauglichen Bildern, die etwas zu viel Pathos verströmen, diesen mutigen Mann. Er verschränkt geschickt Archivmaterial und gespielte Szenen, ohne dass jemals der Fluss verloren ginge. Und bringt damit eine Geschichte ans Licht, die in Deutschland noch weitgehend unbekannt ist. Würde der Film im Wettbewerb laufen, wäre es der dritte Favorit aus diesem Land.

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