Kult-Filmer Guy Ritchie macht aus dem altehrwürdigen Sherlock Holmes ein neurotisches Schlitzohr mit Hang zur Selbstkasteiung: Witzig und spannend.

Schlagfertig und rauffreudig: Sherlock Holmes (Robert Downey Jr., l.) und Doktor Watson (Jude Law).
Schlagfertig und rauffreudig: Sherlock Holmes (Robert Downey Jr., l.) und Doktor Watson (Jude Law).

Schlagfertig und rauffreudig: Sherlock Holmes (Robert Downey Jr., l.) und Doktor Watson (Jude Law).

Warner

Schlagfertig und rauffreudig: Sherlock Holmes (Robert Downey Jr., l.) und Doktor Watson (Jude Law).

Natürlich ist diese Version des berühmtesten Detektivs der Welt ein schamloser Etikettenschwindel. Denn von der distinguierten Zurückhaltung, die Sherlock Holmes in den Geschichten von Sir Arthur Conan Doyle auszeichnet, ist hier nur wenig geblieben. Und etwas anderes hätte man von Guy Ritchie, dem einstigen Kult-Filmer aberwitzig verschachtelter Gangster-Possen ("Bube, Dame, König, GrAs"), auch nicht erwartet.

Sein erstes Projekt für ein Großstudio (Warner Bros) mit einem verhältnismäßig überschaubaren Budget (90 Millionen Dollar) macht aus dem Meisterkombinierer einen neurotischen Eigenbrötler - genial, aber eigentlich nicht gesellschaftsfähig. Weswegen Holmes auch wie ein weinerliches Kleinkind darunter leidet, dass sein bester Freund und einziger Kontakt zur Außenwelt, Doktor Watson, im Begriff ist zu heiraten.

Downey Jr. spielt die Rolle zwischen Genie und Wahnsinn

Robert Downey Jr., der sich mit diesem Film in den USA endgültig als Kassenmagnet etabliert hat, spielt diese zeitgemäß getunte Ausgabe von Sherlock Holmes, wie man es von ihm erwartet - zwischen Genie und Wahnsinn. Jude Law wiederum kommt als Doktor Watson die zwar sympathische, aber etwas zu brave Aufgabe zu, die Kapriolen seines Kumpans mit Augenzwinkern und -rollen zu erdulden.

Die Motive, die den Privatermittler zum Inbegriff des Detektivs werden ließen, sein analytischer Scharfsinn und die fotografische Auffassungsgabe, weitet Ritchie im Sinne seiner Videoclip-Ästhetik aus. Setzt der schlagfertige wie rauffreudige Holmes zum Faustkampf an, sieht man zunächst in Zeitlupe die einzelnen Schritte, mit denen er seinen Gegner auszuschalten gedenkt, bevor in Echtzeit nach eben jenem Rezept der Knock-out erfolgt. Selbst im Clinch verfährt der brillante Geist nach einem ausgeklügelten Plan. Konsequenter konnte seine Verwandlung in einen Action-Helden nicht gedacht werden.

Passend dazu ist es auch kein bloßes Familiengeheimnis, über dem Holmes brüten muss, sondern ein machtdurstiger Oberhaus-Abgeordneter mit scheinbar übernatürlichen Fähigkeiten zur Gedankenbeeinflussung. Eben jener Lord Blackwood (Mark Strong) wurde für seine okkulten Opferzeremonien bereits dem Henker vorgeführt. Als er allerdings dem Grab entsteigt und beginnt, die Mitglieder eines politischen Geheimbunds zu dezimieren, bittet die Polizei Holmes und Watson um Hilfe.

Das rasante Szenario spielt vor standesgemäßer Kulisse. Das verwinkelt verwunschene London des ausklingenden 19. Jahrhunderts ersteht leicht dreckig auf der Leinwand wieder auf. Dazwischen beweist Ritchie Sinn für große Schauwerte: Ganz im Stil Hitchcocks steuert er das Finale auf einen prominenten Fleck der Themse-Metropole zu.

Und er war sich des Erfolgs seines Filmes wohl sehr sicher. Denn parallel zur Haupthandlung entspinnt sich bereits der Zwist mit Holmes’ eigentlichem Lieblingsgegner, der aber erst in Teil zwei auftauchen wird. Hoch gepokert, aber deutlich gewonnen. Alleine in den Staaten hat das Abenteuer bereits knapp 200 Millionen Dollar eingespielt.

Wertung: 4 von 5 Sterne

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