Goslar (dpa) - Katrin Richter hatte am Montag keine Chance, ihre gelben Taschen zu leeren. Die Briefträgerin durfte den größten Teil ihres Zustellbezirks in Goslar nicht betreten.

Der Grund: George Clooney. Weil der Hollywoodstar im Harz Szenen für seinen neuen Film «The Monuments Men» dreht, waren Teile der historischen Altstadt komplett abgeriegelt.

Gitter, Barrieren, Sichtschutzzäune: Der Stadtteil rund um die Breite Straße glich einem Sperrgebiet. «Sie kommen hier nicht rein», raunten Sicherheitsleute an jeder Ecke. Selbst Anwohner konnten nur in Begleitung von Wachpersonal ihre Häuser verlassen oder betreten. Mehr Glück hatte SPD-Chef Sigmar Gabriel. Dass es der in Goslar lebende Politiker bis direkt ans Filmset schaffte, war aber die absolute Ausnahme - ansonsten kamen Fans nicht in Clooneys Nähe.

Goslars Breite Straße war von Clooneys Filmteam in tagelanger Arbeit in eine Straße der belgischen Kleinstadt Veume verwandelt worden. Gedreht wurde der Einmarsch alliierter Kräfte nach der Landung in der Normandie. Im Film geht es um Kunstexperten, die gegen Ende des Zweiten Weltkriegs hinter den Alliierten-Linien versuchen, von den Nazis geraubte Kunstschätze vor der Zerstörung zu bewahren. Clooney führt dabei Regie und spielt die Hauptrolle.

Bei seiner Arbeit sei der Star ganz entspannt, berichtete einer der vielen Hundert Komparsen, die als alliierte Soldaten oder belgische Zivilisten am Montag mit von der Partie waren. «Er ist aber auch ganz konzentriert bei der Sache und echt freundlich.» Ein anderer Laiendarsteller schilderte begeistert, wie Clooney persönlich einem kleinen Jungen gezeigt habe, wie er zur Begrüßung der Soldaten sein Fähnchen schwingen solle.

Auch wenn die Schaulustigen den Star nicht zu Gesicht bekamen - zu sehen gab es in Goslar trotzdem was: Die mit Komparsen besetzten historischen Armeefahrzeuge drehten Runde um Runde durch die Stadt, bis alle Szenen im Kasten waren. Dabei fuhren sie immer wieder aus dem abgeriegelten Bereich hinaus und hinein.

Als die Szene achtmal gedreht worden war, war Clooney mit dem Produkt anscheinend zufrieden und zeigte sich in Scherzlaune. Vor Übermut - so schilderte es ein Laiendarsteller - soll er mit Blumen nach Schauspielern geworfen haben. Eine Geste, die manche Frauen unter den Mitspielerinnen begeistert aufgriffen hätten: Sie überhäuften Clooney - ganz zu dessen Vergnügen - mit Nelken.

Von den mehr als 2000 Komparsen, die alleine in Goslar für «The Monuments Men» angeheuert wurden, kommen viele auch in den kommenden Tagen noch zum Einsatz. An mehreren anderen Orten im Harz sollen weitere Szenen für den Film gedreht werden.

Für Goslar sei der Dreh am Montag «ein ganz großes Ereignis gewesen», freute sich Oberbürgermeister Oliver Junk. Die Breite Straße «als Clooney-Drehort» werde bei Stadtführungen künftig sicher eine neue Attraktion sein.

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