Der US-Regisseur Steven Soderbergh über den Star seines neuen Films „Haywire“, die Kampfsportlerin Gina Carano.

Interview
Steven Soderbergh weiß auch nicht, „warum es so befriedigend ist, Gina Carano dabei zuzusehen, wie sie einen Mann nach dem anderen fertigmacht.“

Steven Soderbergh weiß auch nicht, „warum es so befriedigend ist, Gina Carano dabei zuzusehen, wie sie einen Mann nach dem anderen fertigmacht.“

dpa

Steven Soderbergh weiß auch nicht, „warum es so befriedigend ist, Gina Carano dabei zuzusehen, wie sie einen Mann nach dem anderen fertigmacht.“

Düsseldorf. Herr Soderbergh, was bringt Sie als Intellektueller des US-Kinos dazu, eine professionelle Martial- Arts-Kämpferin zum Mittelpunkt eines neuen Films zu machen?

Soderbergh: Ich entdeckte Gina Carano im Fernsehen, beim Zappen. Als ich sie das dritte Mal kämpfen sah, dachte ich: „Um diese Frau muss man einen Film bauen.“ Ob sie in einem Käfig kämpfte oder in Talkshows auftrat, sie war immer sehr präsent. Sonst gibt’s im Kampfsport eher durchgeknallte Typen, aber Gina schien normal und bodenständig zu sein und sieht auch noch toll aus. Also rief ich den Drehbuchautor Lem Dobbs an und sagte ihm, ich bräuchte in sechs Wochen ein fertiges Drehbuch.

Hatte Frau Carano auch ein Wörtchen mitzureden?

Soderbergh: Sie hat spontan zugesagt – davon hing ja auch das ganze Projekt ab. Lem, dem Autor, habe ich gesagt: „Du musst sie so wortkarg schreiben wie Clint Eastwood. Sie erklärt nichts und entschuldigt sich nie. Sie ist Clint!“

Ein ungewöhnliche Arbeitsweise: Sie sind von einer Person fasziniert und machen gleich einen Film darüber.

Steven Soderbergh (* 14. Januar 1963 in Atlanta, Georgia) ist ein US-Filmregisseur, Produzent und Drehbuchautor. Zu seinen größten Erfolgen gehören „Sex, Lügen und Video“ (1989), „Erin Brockovich“ (2000) und „Ocean’s Eleven“ (2001).

In dem Actionspaß „Haywire“ muss die Agentin Mallory (Gina Carano, Foto: Reuters) gegen die eigenen Leute kämpfen. Der Film, in dem die Kampfsportlerin Ewan McGregor, Michael Fassbender und Antonio Banderas aufs Kreuz legt, läuft am Donnerstag in den Kinos an.

Soderbergh: Ich mache alle neun Monate einen Film. Es ist für mich kein großes Ding, mal eine Story um ein Mädchen wie Gina zu stricken. Lems Drehbücher sind in sechs Wochen fertig, vier Monate später wird gedreht – warum also nicht? Schlimm ist es, wenn man einer Idee nicht nachgeht und jemand anderes darauf kommt.

Sehen auch Ihre Geldgeber das auch so locker wie Sie?

Soderbergh: Ich halte ihnen ja keine Knarre an die Schläfe. Sie können jederzeit Nein sagen, und einige machen das auch. Aber sie waren von Gina genauso angetan wie ich.

„Haywire“ ist ein eindrucksvolles Debüt. Selbst auf der Berlinale wollte man sehen, wie virtuos Carano Kerls verhaut.

Soderbergh: Es war schwierig, Männer zu finden, die gegen sie kämpfen konnten. Insofern war die Besetzung von Channing Tatum, Michael Fassbender und Ewan McGregor, die sich mit Kampfsport auskennen, sehr wichtig. Sie mussten fast ebenbürtig sein.

Was machte Sie so sicher, dass diese Anfängerin ihren Film als Hauptdarstellerin tragen würde?

Soderbergh: Weil sie Athletin ist. Und Athleten sind Performer. Die wissen, wie man eine Show abliefert. Selbst wenn Gina noch nie im Kino zu sehen war, hat sie viel Fernseherfahrung. Sie kommt nicht aus dem Nichts, sondern hat in der Szene einen großen Namen.

Wie erklären Sie sich die Popularität von Superheldinnen? Ist es eine sexuelle Phantasie?

Soderbergh: Keine Ahnung. Für mich als Filmemacher ist es auch egal, was die soziologischen und anthropologischen Gründe sein könnten. Ich handle nach meinem persönlichen Impuls. Ich wollte keine dieser gängigen Zeichentrick-Schablonen, kein Sexobjekt. Gina ist sexy – aber kein Objekt. Im Gegenteil, sie ist im Job ein extremer Profi und zufällig eine Frau. Ihre Sexualität trägt sie nicht vor sich her. Daher weiß ich nicht, ob sie diese Art von Fantasie freisetzen wird.

Ist das Amazonen-Genre nicht zur Genüge durch Quentin Tarantino und Robert Rodriguez besetzt? Warum auch noch Sie?

Soderbergh: Ich kann auch nicht genau sagen, warum es so befriedigend ist, Gina Carano dabei zuzusehen, wie sie einen Mann nach dem anderen fertig macht. Ich weiß ja nicht mal als Mann, wie es ist, so viel Kraft und Mut zu haben, dass man vor niemandem Angst hat. Ich sehe mir im TV viele Sendungen über echte Kriminalfälle an, und denke: „Was wäre, wenn ein gewöhnlicher Gewaltverbrecher auf eine wie Gina stoßen würde?“

Haben Sie Angst vor Gewalt?

Soderbergh: Gott, heutzutage kannst du jederzeit auf der Straße erschossen werden. Ich laufe nicht angsterfüllt durch die Welt, und ich lebe immerhin in New York! Neulich hatte ich im Laufe eines einzigen Abends mehrere Zusammenstöße mit einem Psychopathen und sagte ihm irgendwann, dass er Hilfe bräuchte. Der Typ war irre. Ich bin sicher, demnächst sein Gesicht auf einer Titelseite wiederzusehen. In Amerika brennt derzeit bei vielen Leuten leicht eine Sicherung durch.

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