Ewan McGregor spielt in seinem neuen Film „The Impossible“ einen verzweifelten Vater, der seine Familie nach einem Tsunami sucht.

Der schottische Schauspieler Ewan McGregor ist selbst Vater von vier Töchtern.
Der schottische Schauspieler Ewan McGregor ist selbst Vater von vier Töchtern.

Der schottische Schauspieler Ewan McGregor ist selbst Vater von vier Töchtern.

dpa

Der schottische Schauspieler Ewan McGregor ist selbst Vater von vier Töchtern.

Berlin. Er ist Schotte, leidenschaftlicher Motorradfahrer und Charakterdarsteller, der keine schauspielerische Herausforderung auslässt. Auch jetzt nicht: In „The Impossible“ (Start am Donnerstag) spielt Ewan McGregor (41) einen verzweifelten Vater, der im Tsunami seine Frau und einen Sohn vermisst – nach einer wahren Geschichte.

Herr McGregor, ist eine Rolle wie diese für Sie persönlich keine furchtbare Zumutung?

Ewan McGregor: Ich habe zum ersten Mal einen Vater gespielt, wenn man „Nanny McPhee 2“ mal außer Acht lässt – das war keine meiner größten Rollen. Und ich bin schon seit 16 Jahren Vater! Daher war ich neugierig, wie ich mich als Leinwand-Vater mache. Neben dieser unfassbaren wahren Tragödie, die wir erzählen wollten, war das der Grund, warum mich das Skript so ansprach.

Zogen Sie emotional die Parallele zur eigenen Familie?

McGregor: Das wollte ich nicht, zumal ich mit meiner Familie nie einer derartigen Situation ausgesetzt war. Das war aber auch nicht notwendig, da wir fünf wirklich zu einer Film-Familie zusammenwuchsen. Die ersten acht Minuten des Films zeigen ja das Urlaubsparadies Khao Lak – das habe wir zuerst gedreht. Diese Proben und der Dreh gaben uns die Zeit, eine enge Bindung zueinander zu entwickeln.

Der Film „The Impossible“ (Start 31.1.) beruht auf der Geschichte einer spanischen Familie. Ewan McGregor spielt an der Seite von Naomi Watts.

Bekannt wurde McGregor durch den Film „Trainspotting“ und seine Rolle als Obi-Wan Kenobi in „Stars Wars“.

McGregor ist seit 1995 verheiratet und Vater von vier Töchtern.

Haben Sie die Familie, deren Schicksal Vorlage für „The Impossible“ war, persönlich kennengelernt?

McGregor: Ja, aber erst während des Drehs. Wir trafen uns in dem Hotel, in dem sie 2004 ihren Urlaub verbracht haben. Nach dem Tsunami waren sie nie mehr in Thailand – es hatte sich nicht ergeben, obwohl sie wollten. Also war diese Reise sehr bewegend für sie. Sie kamen an, nachdem die Bühnenbildner das Hotel in das Post-Tsunami-Chaos verwandelt hatten. Sie waren daher konfrontiert mit dem Anblick, nachdem das Wasser das Hotel verwüstet hatte.

„Nach vier Monaten kam ich mir vor wie der schlechteste Mensch der Welt.“

Ewan McGregor

Haben Sie ihre Reaktionen beobachten können?

McGregor: Maria, die Mutter, ist sehr offen, sehr eloquent und kann wunderbar in Worte fassen, wie sie fühlt und was diese Erfahrung in ihr bewirkt. Die Söhne haben sich nicht so ausführlich mitgeteilt, fand ich. Und der Vater, Henry, ist ein sehr schweigsamer Mann. Sehr nett, sehr liebenswürdig, aber sehr ruhig. Seine Emotionen konnte ich nicht deuten. Ich denke, die Erinnerung hat jeden von ihnen anders eingeholt.

Wenn ein Film in jeder einzelnen Szene so dramatisch ist, kann man da in jeder Pause abschalten und Witze reißen?

McGregor: Dieser Dreh war aus vielen Gründen wirklich seltsam. Besonders weil dies eine wahre Geschichte war, eine Naturkatastrophe unfassbaren Ausmaßes, bei der Hunderttausende ihr Leben verloren haben. Dieses Bewusstsein trägt man ständig bei sich. Diesen Respekt schuldet man auch den Betroffenen. Dann war es seltsam, weil man etwas nachbildet, was in Thailand wirklich geschehen ist und die Kamera draufhält. Dabei wussten wir, wie viele aus unserer thailändischen Crew vom Tsunami betroffen waren.

War auch die Arbeit mit den Kindern ein ungewohnter Faktor?

McGregor: Ja. Auf der einen Seite habe ich von vorneherein klargemacht, dass ich nicht zu Spielchen mit den Kindern bereit bin, im Sinne von emotionaler Manipulation. Naomi Watts und ich waren ganz klar „Film-Mama und Film-Papa“. Trotzdem war ich dann derjenige, der mit ihnen allein vor der Kamera stand. Das heißt: Ich war derjenige, der sie in die richtige Stimmung versetzen musste.

Wie machten Sie das, ohne sie zu manipulieren?

McGregor: Ich sagte so etwas wie: „Es kann sein, dass ihr eure Film-Mama nicht wieder seht. Wir wissen nicht, wo sie und euer Film-Bruder sind, wir haben wirklich Angst. Und wir haben keine Ahnung, was alles passiert ist.“ Ich sag’ Ihnen: Nach vier Monaten kam ich mir vor wie der schlechteste Mensch der Welt. Und die Jungs dachten sicher: „Dieser Scheißtyp von Ewan holt mich jedes Mal so runter! Der ist so depri!“

Das heißt, Sie brauchten eigentlich Seelsorge und Aufheiterung. . .

McGregor: Unser Regisseur war Spanier, und die haben dafür ein gutes Händchen, keine Sorge! Auch die Art der Thais half mir. Trotz ihres Schmerzes haben sie sich entschlossen, nach vorne zu gucken. Sie wollen ihr Land wieder aufbauen.

Wie sind Sie selbst als Vater, sehr behütend?

McGregor: Nö, is’ mir eigentlich völlig schnurz. . . (lacht)

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