Nach seiner Tatort-Doppelfolge feiert der Schauspieler seinen Regisseur und wertet andere Produktionen ab. Die Quote ist eher mau.

Nick Tschiller (Til Schweiger, li.) und Firat Astan (Erdal Yildiz, re.) Foto: NDR/Gordon Timpen
Nick Tschiller (Til Schweiger, li.) und Firat Astan (Erdal Yildiz, re.) Foto: NDR/Gordon Timpen

Nick Tschiller (Til Schweiger, li.) und Firat Astan (Erdal Yildiz, re.) Foto: NDR/Gordon Timpen

dpa

Nick Tschiller (Til Schweiger, li.) und Firat Astan (Erdal Yildiz, re.) Foto: NDR/Gordon Timpen

Düsseldorf. Der Tiefschlag kam am Tag danach, aber seine eigenen Schläge hatte der Schauspieler Til Schweiger schon früher verteilt: „Nur“ 7,69 Millionen TV-Zuschauer wollten den vierten Teil von Schweigers „Tatort“-Saga am Sonntagabend sehen – das ist für einen Tatort eine eher maue Quote. Noch dazu, wenn man einen Vergleich zum ZDF anführt: Der „Bergdoktor“ kam Schweigers zuvor so medienwirksam beworbenen Action-Film nah: Die Schmonzette am Wilden Kaiser in Tirol sahen 7,04 Millionen Zuschauer.

Für einen wie Schweiger, der (stete) Kritikerschelte gerne mit TV-Einschaltquoten oder zahlreich verkauften Kino-Tickets kontert, wird das eine schmerzliche Erkenntnis sein. Seinen Einsätzen als Nick Tschiller im Hamburger Tatort erging es wie einst dem HSV beim Abstieg vom Edelverein zum Relegationspatienten: Nach 12,57 Millionen Menschen, die 2013 Schweigers Tatort-Debüt verfolgten, ging es stetig bergab: 10,1 Millionen Zuschauer verfolgten die zweite Folge (2014), 8,24 Millionen den Auftakt zur Doppelfolge am Neujahrsabend – nun eben waren 7,69 Millionen beim vierten Teil „Fegefeuer“ dabei – obwohl das der wohl beste einer etwas kruden Geschichte gewesen ist.

Wohl auch, weil kaum jemand so sehr die Nation spaltet wie Schweiger, der Tochter und Freunde ins Tatort-Ensemble holt, und auch den omnipräsenten Schlagerstar Helene Fischer und das Tagesschau-Studio mitsamt Sprecherin Judith Rakers zur Quotenaufbesserung integriert. Das mag publikumswirksam auf der einen Seite sein, verärgert aber auch jene, die der Dominanz des Schweiger-Clans ganz wenig abgewinnen können. Und die sich dazu darüber ereifern, dass die hyperventilierenden und – nebenbei bemerkt – wegen mancher Nuschelei akustisch schwer zu verstehenden Hamburger Tatorte mit halbwegs realistischen Fällen nichts zu tun haben. Schweiger allerdings darf für sich in Anspruch nehmen, dass letzterer Anspruch nicht nur in Hamburg schon eine ganze Weile lang aufgegeben wurde. Wenn auch nicht immer mit einer überdimensionierten Panzerfaust in des Protagonisten Händen.

Mit einem Tatort nicht jedermanns Geschmack zu treffen, ist eine lässliche Sünde. Schwieriger aber wird es, wenn man das ernst nimmt, was der Künstler wenige Minuten nach Ausstrahlung des Streifens via Facebook verkündete. Da nämlich feierte der 52-Jährige in einer Art trotziger Verehrerbrief den Regisseur der Tschiller-„Tatorte“, Christian Alvart, und attestierte ihm, „ein Stück deutsche Fernsehgeschichte“ geschaffen zu haben: „Kompromisslos, atemlos, viril, phantastisch für das schmale Geld.....“ Und: „Ich, Til Schweiger, feier dich jetzt mal richtig derbe ab!!!“

Danach nahm Schweiger die Kommissariate anderer deutscher Städte in Angriff. „... andere verschwenden das Budget für zwei moppelige Kommissare, die ne Currywurst verspeisen, oder ein Bier vor einem bayrischen Imbiss zocken“, schrieb Schweiger und meinte die Schenks und Batics dieser Tatort-Welt. ARD-Solidarität sah bislang anders aus Das sei „erbärmlich“, „unsympathisch“ und „großkotzig“ schrieben ihm Facebook-Freunde oder -Feinde verärgert zurück. Daran an schloss sich Schweigers typische Kritikerschelte. Er, Schweiger, habe viel mehr Ahnung von Filmkunst als die meisten „Trottel“, die darüber schrieben, die seien nur „schwach und klein“. Dabei hatte es auch positive Kritiken gegeben, die „Frankfurter Neue Presse“ etwa lobte die „starke Fortsetzung“, Schweiger postete den Text mit einem erfreuten „Smiley“. Die ARD ließ mitteilen, man habe sich über den Tagessieg von „Fegefeuer“ gefreut. „Wir hätten uns aber natürlich mit Blick auf das Gesamtpublikum insgesamt über mehr Zuschauer gefreut.“

„Es sind bewusste Gegen-Veranstaltungen zu den rührigen Gesellschafts- und Psychokrimis, für die das ARD-Flaggschiff sonst steht“, schrieb das „Hamburger Abendblatt“ online über den jüngsten Tatort aus der Hansestadt. „Wer Schweigers Mission als sinnvoll-tumbe Ergänzung betrachtet, der kann seinen Spaß an den abstrusen Handlungselementen haben.“

Wie die „Abendzeitung“ in München berichtete, sollte „Tagesschau“-Sprecherin Judith Rakers noch vor dem „Tatort“-Vorspann als Geisel genommen werden. Außerdem hätte bei dieser Variante Rakers auch die „Tagesschau“ vor dem Tatort präsentiert. Nach den Anschlägen und der Geiselnahme von Paris sei diese Idee jedoch nicht mehr vertretbar gewesen, betonte der Sender. „Wir wollten die Zuschauer nicht verunsichern.“ So las nun Chefsprecher Jan Hofer die 20-Uhr-Ausgabe, bevor Rakers im Film ihren Auftritt hatte.

Und Schweigers etwas zähe Privatfehde mit konkurrierenden Tatort-Produktionen und Kritikern? Mit dem Geschmack zu kämpfen, ist das eine. Das andere ist, ihn für sich zu beanspruchen – gerade so, wie der Schauspieler es den Kritikern stets vorwirft.

Eine für den Gebührenzahler ärgerliche Pointe steht am Ende: Der Tatort „Off Duty“ als letzter Teil der Saga soll im Februar im Kino den Kampf zwischen Tschiller und Kurdenclan-Chef Firat Astan zu Ende bringen – und im TV nicht vor 2017 zu sehen sein. Dann vor drei weiteren mit Schweiger vereinbarten „Tatort“-Fällen. Ob das im Sinne des Erfinders ist?

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