TV-Krimi: Der Duisburger Ermittler ist langsamer und gelassener, aber immer noch in Form.

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Schimanski (Götz George) trägt immer noch eine M65-Armeejacke, muss sich aber manchmal ausruhen.

Schimanski (Götz George) trägt immer noch eine M65-Armeejacke, muss sich aber manchmal ausruhen.

WDR/Weber

Schimanski (Götz George) trägt immer noch eine M65-Armeejacke, muss sich aber manchmal ausruhen.

Köln. Auf die Idee kann wirklich nur Horst Schimanski kommen. Seine Lebensgefährtin Marie-Claire liegt im Krankenhaus, und der Kommissar im Ruhestand rückt mit einem ganz besonderen Geschenk an: Currywurst und Pommes. Ein rustikaler Liebesbeweis auf Schimanski-Art.

Der letzte Auftritt von Götz George in seiner Fernseh-Paraderolle ist lange her, zweieinhalb Jahre. Der meist auf Sardinien lebende Alt-Star, die Kölner Produktionsfirma Colonia Media und der WDR raufen sich nur noch selten zusammen. Ein „Schimanski“ soll eben immer etwas Besonderes sein, heißt es beim Sender beschwichtigend.

Schimanski hat wohl schlechte Manieren, aber er war nie käuflich

Am Sonntag jedenfalls wird dieses Versprechen eingelöst. Wer Schimanski, der im Juni 1981 seinen ersten Fall löste, 30 Jahre später für museumsreif hält, der irrt, wie sein 45. Fall („Schuld und Sühne“) beweist.

Schimanski hat vielleicht die schlechtesten Manieren eines deutschen Fernseh-Kommissars, aber eines war er nie: käuflich. Zwar pfeift er bis heute gerne mal auf Paragraphen, und vor seiner Polizeikarriere war er ein kleiner Ganove, knackte Autos und Automaten.

Aber die wirklichen Verbrecher saßen für ihn schon immer unter den „oberen Zehntausend“. Von Abschreibungen hat er keine Ahnung – Schimanski schreibt nur an, sogar die täglichen Pommes-Rationen. So einer ist nicht korrupt, weil er gar nicht raus will aus seinem Milieu. Weil ihm die Eckkneipe lieber ist als ein schickes Büro hoch über dem Hafen, wo ausgerechnet der interne Polizei-Ermittler residiert – ein schöner Kontrast zum schummrigen Loch der Duisburger Wache. Schimanski gehört nun weder dort- noch hierhin, aber er ist der gute Cop geblieben, der nicht wegsehen kann, wenn in „seinem“ Duisburg etwas faul ist.

Schon schräg, wenn ein 72-Jähriger einen drahtigen Zuhälter vermöbelt

Nach dem Selbstmord eines jungen Polizisten, dem Sohn einer befreundeten Wirtin (Ulrike Kriener), gerät Schimanski in eine spannend inszenierte Geschichte um Korruption auf einer Duisburger Wache. Frustrierte Polizisten, schlecht bezahlt und vom täglichen Kleinkrieg auf den Straßen aufgerieben, halten die Hand auf: „Wir baden die Scheiße aus, die diese Gesellschaft baut.“ Einen Gastauftritt hat Hannes Jaenicke, der sein Film-Debüt 1984 im Thriller „Abwärts“ an der Seite von Götz George feierte.

Schimanski: Schuld und Sühne; ARD, Sonntag, 20.15 Uhr
 

Gut, er ist wieder zwei Jahre älter, mittlerweile 72 (wie Darsteller George). Er flucht seltener, ist langsamer und gelassener, und wenn er sich rauft, entschuldigt er sich bei seinem Gegner für die unfairen Mittel („In meinem Alter . . .“). Es ist, zugegeben, hart am Rande der Glaubwürdigkeit, wenn ein 72-Jähriger einen drahtigen Zuhälter vermöbelt.

Aber etwas Nostalgie darf schon sein, eingestreut mit der nötigen Prise Humor. Etwas handfeste Rückbesinnung auf den alten, jungen Schmuddelkommissar, der in den achtziger Jahren den deutschen Krimi revolutionierte. Schließlich ist auch ein großer Teil des Publikums mit Schimanski 30 Jahre älter geworden. Die Filme heute sind eben immer auch ein Zitat früherer Filme – das ist Teil des Vergnügens.

Natürlich fragt man sich, wie lange das noch gut geht. Das hängt von Georges Form ab – und von der Qualität der anderen Beteiligten. Wie sich zeigt, ist es kein Fehler, sich Zeit zu nehmen, bis alles stimmt. Götz George alias Schimanski, der schon immer gerne über miserable Drehbücher schimpfte, muss keine Vorgabe mehr erfüllen, muss nicht in jedem Jahr einen Film abliefern. Das ist die Freiheit des Alters. Und ein weiterer Beweis, dass Schimanski in einem täglich mit Krimis aller Art zugepflasterten Fernsehprogramm mit Würde altern kann.

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