Halbzeit bei der Berlinale, doch ein heißer Anwärter auf die Preise zeichnet sich nicht ab. Die Filme im kritischen Überblick.

Festival
Leichtfüßige Gespräche über Gott und die Welt, Männer, Frauen und die Liebe: Julie Delpy und Ethan Hawke in Richard Link-laters „Before Midnight“.

Leichtfüßige Gespräche über Gott und die Welt, Männer, Frauen und die Liebe: Julie Delpy und Ethan Hawke in Richard Link-laters „Before Midnight“.

Berlinale

Leichtfüßige Gespräche über Gott und die Welt, Männer, Frauen und die Liebe: Julie Delpy und Ethan Hawke in Richard Link-laters „Before Midnight“.

„Promised Land“ von Gus Van Sant (USA): Hollywoodstar Matt Damon soll als Mitarbeiter einer Erdgasfirma die Bewohner einer Kleinstadt überzeugen, die Förderrechte für das Erdgas unter ihrem Farmland an einen Energiekonzern zu verkaufen. Pro: Starke politische Botschaft, starker Schauspieler. Contra: Absehbares Happy-End.

„In the Name of“ („W imie...“) von Malgoska Szumowska (Polen): Einem schwulen Priester in der polnischen Provinz fällt die selbst gewählte sexuelle Enthaltsamkeit immer schwerer. Pro: Sensible Studie über die seelische Not von Homosexuellen in der katholischen Kirche. Contra: Am Ende wird die feinfühlige Erzählung von hölzerner Dramaturgie zunichtegemacht.

„Paradies: Hoffnung“ von Ulrich Seidl (Österreich): Abschluss von Seidls „Paradies“-Trilogie, in dem er mit Lolita-Einschlag von einem Diätcamp für Jugendliche erzählt. Pro: Überzeugt mit fast dokumentarischer Strenge und genauer Beobachtung. Contra: Die Erwachsenen-Figuren sind eher Karikaturen.

„Dolgaya schastlivaya zhizn“ („Ein langes und glückliches Leben“) von Boris Khlebnikow (Russland): Ein junger Bauer auf der nordrussischen Kola-Halbinsel will sein gepachtetes Land nicht gegen eine Abfindung an einen Provinz-Karrieristen abgeben. Pro: Existenzielles Drama in beeindruckender Natur. Contra: Die teils übertrieben wackelige Handkamera nervt.

„Gold“ von Thomas Arslan (Deutschland): Nina Hoss als deutsche Auswanderin, die sich mit einer Gruppe auf den beschwerlichen Weg zur Goldsuche im kanadischen Klondike-Fluss aufmacht. Pro: Lakonische, fast dokumentarische Erzählweise. Contra: Die Emotionen bleiben auf der Strecke.

Die Bundesregierung hat den Iran aufgefordert, den verfolgten Filmemacher Jafar Panahi zur Premiere seines Films „Geschlossener Vorhang“ bei der Berlinale reisen zu lassen. Regierungssprecher Steffen Seibert sagte am Montag in Berlin: „Die Filmfestspiele sind ein friedliches und tolerantes Zusammentreffen von Filmschaffenden aus aller Welt. Da sollte niemand zurückgehalten werden.“ Das Werk soll am Dienstag im Wettbewerb gezeigt werden.

„The Necessary Death of Charlie Countryman“ von Fredrik Bond (Schweden): Starbesetzte Story mit Shia LaBeouf, Evan Rachel Wood, Mads Mikkelsen und Til Schweiger. Pro: Gewagte Mischung aus Thriller, Romanze und Selbstfindungstrip. Contra: Ausgefranste Farce, die zwanghaft lustig sein will.

„Gloria“ von Sebastián Leli (Chile): Eine Frau Ende 50, geschieden, träumt noch einmal von der großen Liebe. Pro: Gefühlvolle Gratwanderung zwischen Komik und Tragik, Lebenslust und Melancholie. Contra: Stilistisch öde.

„Die Nonne („La Religieuse“) von Guillaume Nicloux (Frankreich): Ein junges Mädchen wird im 18. Jahrhundert von ihren Eltern gezwungen, ins Kloster zu gehen. Pro: Der Film beeindruckt mit der grandiosen Hauptdarstellerin Pauline Étienne. Contra: Bisweilen zu theatralisch.

„Vic+Flo haben einen Bären gesehen“ („Vic+Flo ont vu un ours“) von Denis Côté (Kanada): Eine aus dem Gefängnis entlassene Frau sucht in den Wäldern Kanadas im Haus eines Verwandten Ruhe und bekommt Besuch von ihrer Geliebten. Pro: Skurriler Film die dunkle Seite Seite der Liebe. Contra: Versuch eines philosophischen Horrorfilms, der seine Charaktere aber zu skizzenhaft anlegt.

„Before Midnight“ von Richard Linklater (USA): Im letzten Teil der Beziehungs-Trilogie sind Celine und Jesse längst zusammen, haben Kinder, geraten aber im Urlaub in eine Krise. Pro: Leichtfüßige Gespräche über Gott und die Welt, Sex und Liebe, Mann und Frau. Contra: Ein netter Film – aber ob das für einen Goldenen Bären (Foto: Reuters) reicht?

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