Agnès Varda ist die Pionierin des französischen Autorenkinos. Foto: Tiago Petinga
Agnès Varda ist die Pionierin des französischen Autorenkinos. Foto: Tiago Petinga

Agnès Varda ist die Pionierin des französischen Autorenkinos. Foto: Tiago Petinga

dpa

Agnès Varda ist die Pionierin des französischen Autorenkinos. Foto: Tiago Petinga

Sète (dpa) - Sie ist Pionierin des französischen Autorenkinos, Mutter der «Nouvelle Vague», Fotografin und seit knapp zehn Jahren Video- und Installationskünstlerin.

Ihren ersten Film «Pointe Courte» drehte sie 1954 in der südfranzösischen Stadt Sète, wo sie im Kunstmuseum Paul Valéry bis zum 22. April die Ausstellung «Agnès Varda. Es gibt nicht nur das Meer» zeigt. Danach werden ihre Installationen in Peking und Schanghai zu sehen sein. Ein neuer Lebensabschnitt, der ihr viel Spaß macht, wie sie in einem dpa-Gespräch sagt. Dabei gestand die 83-Jährige auch, dass sie keine Lust mehr auf Kino hat.

Sie sind Filmemacherin, Fotografin und Künstlerin. Was sind Sie am liebsten?

Varda: «Ich bin glücklich, wenn ich ausstellen kann. Ich konzentriere mich derzeit nur auf meine Installationen. Wenn ich meine Werke zeigen kann und sehe, dass sie gefallen, erfüllt mich das mit Freude und Glück.»

Macht es Sie glücklicher, als wenn Sie einen guten Film zeigen würden?

Varda: «Es ist schwierig geworden, die Menschen heute ins Kino zu locken. Filme zu drehen, ist anstrengend. Der finanzielle und zeitliche Druck ist enorm. Ich habe es erst wieder an meinem Sohn gesehen, der soeben einen Film fertiggestellt hat.»

Heißt das, dass Ihr autobiografischer Film «Die Strände von Agnès» Ihr letzter Film war?

Varda: «Ich habe keine Lust mehr auf Kino und darauf, in den Kinobetrieb zurückzukehren. Der kommerzielle Druck wiegt zu schwer. Das will ich nicht mehr. Ich brauche mehr Freiheit.»

Haben Sie als Künstlerin keinen Druck?

Varda: «Der ist selbstbestimmt. Für die Ausstellung in Sète habe ich einige Werke geschaffen. Aber das Tempo habe ich vorgegeben. Ich habe auch keinen Galeristen, für dessen Kunden ich produzieren müsste.»

Aber Kunst kostet. Wie finanzieren Sie Ihre Werke?

Varda: «Wenn ich pro Ausstellung ein Werk verkaufe, dann reicht mir das. Ich will nur so viel mit meiner Kunst verdienen, dass ich wieder produzieren kann.»

Ihre Arbeit als Installations- und Videokünstlerin ist im Grunde die Synthese ihres filmischen und fotografischen Schaffens. Welche Bedeutung hat das Bild für Sie?

Varda: «Meine Bilder wollen hinterfragen, die Fantasie anregen. Ich führe anhand meiner Bilder detektivische Nachforschungen an, mich interessieren die Menschen darauf und das, was zum Zeitpunkt der Aufnahme an diesem Tag in der Welt passiert.»

Wollen Sie dadurch das Leben und Schicksal jedes Einzelnen relativieren?

Varda: «Ich mache bewusst, dass es neben der einen Geschichte viele andere gibt. Während wir uns hier unterhalten, passieren wichtige und schreckliche Dinge, tödliche Demonstrationen in Syrien und die Eurokrise zum Beispiel. Ich bin mit meiner Ausstellung nur ein kleines Detail in diesem riesigen Universum.»

Sie werden im März und Mai jeweils in Peking und Schanghai ausstellen. Ist das Programm nicht zu anstrengend? Sie feiern in wenigen Monaten immerhin ihren 84. Geburtstag.

Varda: «In meinem Alter gibt es zwei Haltungen: Entweder man wartet in aller Ruhe auf das Ende oder aber man beeilt sich, weil man noch viel unternehmen will. Für mich trifft Letzteres zu. Ich habe keine Zeit mehr zu verlieren.»

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