Angestellte verwehren Hochhuth das Betreten seines Theaters.

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Verbittert und enttäuscht: der Dramatiker Rolf Hochhuth.

Verbittert und enttäuscht: der Dramatiker Rolf Hochhuth.

dpa

Verbittert und enttäuscht: der Dramatiker Rolf Hochhuth.

Berlin. Eklat im Berliner Ensemble: Der Dramatiker Rolf Hochhuth ("Der Stellvertreter") hat gestern kurzzeitig das ihm gehörende Haus "besetzt" und sich für eine Pressekonferenz Zugang zu dem einstigen Brecht-Theater verschafft. Dabei musste er den Widerstand einiger Angestellter des Theaters am Schiffbauerdamm überwinden.

Intendant Claus Peymann (72) ist noch im Urlaub. "Holt die Polizei, wenn man mich hier rausschmeißen will! Ich bin der alleinige Besitzer dieses Hauses!", rief der Dramatiker und stürmte die Treppen zum oberen Theaterfoyer hoch, wo er mit Peymann und der Berliner Kulturpolitik abrechnete.

Danach stellte sich Hochhuth demonstrativ den Kameras und Fotografen auf dem Balkon des Berliner Ensembles über dem Bertolt-Brecht-Platz, bevor er wieder zu Theaterproben fuhr. Ursprünglich hatte der Dramatiker die Presse an das Brecht-Denkmal vor dem Theater eingeladen. Es trägt die Inschrift "Wer seine Lage erkannt hat, wie sollte der aufzuhalten sein?"

Immobilie von Familie Wertheim erhalten

Hochhuth ist über die von ihm gegründete Ilse-Holzapfel-Stiftung Eigentümer der Immobilie am Schiffbauerdamm, die er an das Land Berlin vermietet hat (Peymann ist Untermieter). Den Vertrag hat Hochhuth aber inzwischen "fristlos gekündigt", weil Peymann ihm die Aufführung des Stückes "Sommer 14" hier verweigert hat. Hochhuth habe sein Projekt nicht vertragsgemäß angemeldet, hieß es, jetzt fänden Bauarbeiten statt.

"Es kommt einer Tragödie gleich, dass der Kultursenator Berlins es zulässt, dass zwei in der Republik und nicht unbekannte Persönlichkeiten aufeinanderprallen", betonte Hochhuths Anwalt, der CDU-Kulturpolitiker Uwe Lehmann-Brauns. Er sprach von einer "kulturpolitischen und menschlichen Situation" und versuchte, seinen erregten Mandanten zu besänftigen. Kulturpolitik zeichne sich auch dadurch aus, dass sie als Vermittler tätig wird, meinte der Anwalt. Es werde keinen wirklichen Sieger geben. Hochhuth sei "tief verletzt", seiner Worte müsse man daher nicht auf die Goldwaage legen.

"Vergessen Sie nicht, dass er noch immer an der Aufarbeitung der NS-Zeit beteiligt ist, wie seine Initiative zur Errichtung eines Denkmals für den Hitler-Attentäter Georg Elser zeigt." Hochhuth will das Projekt zusammen mit der Gedenkstätte Deutscher Widerstand auf dem Gelände des einstigen "Führerbunkers" realisieren.

"Ich wohne dort seit 20 Jahren mit Blick auf das Holocaust-Mahnmal. Und seit der Wende bin ich der Hausbesitzer dieses Theaters auf Wunsch der Vorgängerfamilie Wertheim, die deshalb dem Autor des ,Stellvertreters’ dieses Haus gegeben hat, weil sie nicht wollte, dass die Stadt Eigentümer wird, in der der Holocaust auf der Wannseekonferenz beschlossen wurde. Frau Wertheim hat 37 Angehörige im Holocaust verloren."

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