Lucian Freud, großer Künstler, Lebemann und Enkel von Sigmund Freund, starb mit 88 Jahren

Kunst
Lucian Freud arbeitete in seinem Atelier selbst sehr körperbetont. Im Jahr 2000 ließ sich die englische Königin Elizabeth II. von ihm porträtieren – das Bild war in der Öffentlichkeit umstritten.

Lucian Freud arbeitete in seinem Atelier selbst sehr körperbetont. Im Jahr 2000 ließ sich die englische Königin Elizabeth II. von ihm porträtieren – das Bild war in der Öffentlichkeit umstritten.

Lucian Freud arbeitete in seinem Atelier selbst sehr körperbetont. Im Jahr 2000 ließ sich die englische Königin Elizabeth II. von ihm porträtieren – das Bild war in der Öffentlichkeit umstritten.

dpa, Bild 1 von 2

Lucian Freud arbeitete in seinem Atelier selbst sehr körperbetont. Im Jahr 2000 ließ sich die englische Königin Elizabeth II. von ihm porträtieren – das Bild war in der Öffentlichkeit umstritten.

London. Faszinierend, ehrlich, sogar schön – so beschreiben seine Verehrer die Nackten von Lucian Freud. Andere finden sie provozierend und abstoßend. Dass sie einzigartig sind, darüber sind sich Experten und Kunstliebhaber aber immerhin einig.

Schmeicheleien oder Kompromisse gab es bei dem Maler nicht. Doch seine Gemälde haben dem Enkel von Sigmund Freud „einen einzigartigen Platz in der Ruhmeshalle der Kunst des späten 20. Jahrhunderts“ gesichert, sagt der Direktor der Londoner Tate Gallery, Nicholas Serota. Im Alter von 88 Jahren ist Lucian Freud in seinem Londoner Haus friedlich eingeschlafen.

Nur selten suchte sich Freud für seine Akte Menschen aus, die für ihre Schönheit berühmt waren. Ausnahmen machte er bei den Models Kate Moss oder Jerry Hall, der Ex-Frau von Mick Jagger. Sein teuerstes Bild „Benefits Supervisor Sleeping“ zeigt eine unbekleidete, stark übergewichtige Mitarbeiterin des Londoner Arbeitsamts.

Er war mit Francis Bacon befreundet, sie porträtierten sich oft gegenseitig

Seine Lieblingsmotive allerdings waren Familienmitglieder und Freunde, die stundenlang für ihn Modell sitzen mussten. Bis ein Werk fertig wurde, konnte ein Jahr vergehen. Mit seinem Kollegen Francis Bacon verband ihn über Jahrzehnte eine enge Freundschaft, sie porträtierten sich häufig gegenseitig.

Im Jahr 2000 schaffte er es schließlich sogar zum Porträtmaler der britischen Königin Elizabeth II.. Während der stundenlangen Sitzung mit der Queen führten die beiden angeblich anregende Gespräche. Das Gemälde, das die Monarchin mit fast männlichen Züge und einer schweren Krone zeigt, spaltete allerdings die britische Öffentlichkeit.

Bei den großen Auktionshäusern galt er als Garant für Millionenerlöse

Lucian Michael Freud wurde am 8. Dez. 1922 in Berlin geboren. Als die Nationalsozialisten 1933 die Macht übernahmen emigrierte seine Familie nach London. 1939 wurde der Endel des Psychoanalytikers SigmundFreud britischer Staatsbürger.
 

Freud gilt als „besessener Maler des Fleisches“. Seine Studien nackter Körper gelten als erbarmungslos, geradezu hässlich. In einer Zeit, in der das Abstrakte die Kunst bestimmte, hielt er konsequent am Figürlichen fest. Sein Bild „Benefits Supervisor Sleeping“ kam 2008 in New York für 21,7 Millionen Euro unter den Hammer – der höchste  Auktionspreis, der jemals für das Werk eines noch lebenden Künstlers erzielt wurde. Es heißt, der russische Milliardär Roman Abramowitsch habe die Rekordsumme gezahlt.

Zu Beginn seiner Karriere hatte er sich anhören müssen, er sei nicht modern genug. Zunächst vom Surrealismus und der romantik inspiriert, hielt er später inmitten der Dominanz des Abstrakten am Figürlichen fest.

Doch in den letzten Jahren wuchs Freuds Ruhm mehr und mehr, er galt als einer der wichtigsten zeitgenössischen Künstler. Seine Werke brachten Millionen und wurden bei den großen Auktionshäusern als Garant für Erfolg gesehen. Ein Selbstporträt mit einem blauen Auge, das er sich bei einer Schlägerei mit einem Taxifahrer eingefangen hatte, kam 2010 für mehr als 3 Millionen Euro unter den Hammer.

Auch deshalb ist Sigmunds Freuds Enkel auf der britischen Insel vermutlich bekannter als der Begründer der Psychoanalyse. Gerne allerdings wird der Vergleich herangezogen: Während Sigmund in die Tiefen der menschlichen Seele eintauchte, holte Lucian sie nach außen. Fettwülste und Falten, Adern unter bleicher Haut, hängende Brüste – all das arbeitet er in seinen Bildern besonders heraus: „Ich wünsche mir, dass meine Porträts sozusagen die Leute selbst sind, nicht nur deren äußere Erscheinung.“

In der breiten Öffentlichkeit sahen ihn manche als Rebellen, andere nur als einen Pornografen. Das Privatleben des öffentlichkeitsscheuen Malers soll nicht minder spektakulär gewesen sein.

Glaubt man den Gerüchten, so soll er bis zu 40 uneheliche Kinder haben. Verbürgt sind 13 Kinder von vier Frauen. Immer wieder war er in Schlägereien verwickelt. Dafür rechtfertigte er sich einst in einem Interview: „Der Grund war nicht, dass ich so gerne kämpfe. Die Leute haben wirklich Sachen zu mir gesagt, auf die ich meiner Ansicht nach nur mit Schlägen antworten konnte.“

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