Der Neubau von Architekt David Chipperfield ist ab Samstag für die Allgemeinheit geöffnet.

Die architektonische Botschaft des Neubaus: Transparenz. Das Bogengemälde von Frank Stella ist auch von der Straße aus zu sehen.
Die architektonische Botschaft des Neubaus: Transparenz. Das Bogengemälde von Frank Stella ist auch von der Straße aus zu sehen.

Die architektonische Botschaft des Neubaus: Transparenz. Das Bogengemälde von Frank Stella ist auch von der Straße aus zu sehen.

dpa

Die architektonische Botschaft des Neubaus: Transparenz. Das Bogengemälde von Frank Stella ist auch von der Straße aus zu sehen.

Essen. Berthold Beitz, der größte Mäzen der Ruhrmetropole, hat den Bürgern ein göttliches Geschenk gemacht: ein herrliches Museum für 55 Millionen Euro - finanziert über die Alfried Krupp von Bohlen und Halbach-Stiftung. Hunderte von Journalisten schwärmten am Mittwoch durch den Neubau, aber der 98-Jährige machte sich rar. Dafür lobten ihn die Festredner und sprachen vom "Wunder von Essen". Ohne ihn hätte die Kulturhauptstadt im Regen gestanden. Nun erstrahlt sie. Am Samstag ist ab 10 Uhr Einlass im Neubau. Die Eröffnung des Altbaus mit der einmaligen klassischen Sammlung folgt allerdings erst am 20.März.

Ausblick in Gärten, auf Straßen undauf die Kunstwerke

Der neue Komplex dürfte der Traum eines jeden Künstlers und Kurators sein. Kein langweiliger Kasten, von denen die Kunstsammlung NRW gleich mehrere hat. Kein Irrgarten wie der Kunstpalast. Das Essener Museum Folkwang funktioniert, und darauf ist Architekt David Chipperfield stolz. Seine sechs "Boxen", die er auf das freigeräumte Gelände des ehemaligen Ruhrland-Museums gesetzt hat, sind von Gärten und Straßen umgeben. Jedermann kann die Kunst, die Stadt und die Vögel im Grünen beobachten. Es gibt Tageslicht in Hülle und Fülle, von der Seite oder von oben. Die Kunst kann sich entfalten.

Im Entree wird die Qualität der Architektur deutlich: Die Räume sind gestaffelt, der Besucher hat sie im Blick. Er schaut über die Avantgarde-Bilder von Fontana und Yves Klein, Pierre Soulages und Ernst Wilhelm Nay hinweg, gleichsam durch eine Raumfolge hindurch, bis zum Zentrum im Hintergrund. Dort hängt Barnett Newmans "Gefesselter Prometheus", ein Hochformat in faszinierendem Schwarz. Es ist, als wolle der Maler den Schöpfer des Feuers in seiner eigenen Asche-Glut untergehen lassen. Nur ein schmaler Horizont bleibt ihm zum Leben.

Die Gemälde-Abteilung hat Schwächen, vor allem in der Amerika-Sammlung; da ist Köln besser. In der Hängung vertraut man eher den Trends als den Bildern. Die beiden Richter-Gemälde sind nicht so stark wie das sonore Landschaftsbild des Blinky Palermo und das unglaubliche Gemälde von Ruprecht Geiger, ein weißer Innenraum mit einem glühend-gelbem Rand. Dennoch gibt man Richter mehr Raum.

Zu den Entdeckungen gehören neben der faszinierenden Foto-Sammlung die vollendete Poesie des Lothar Baumgarten, der in seiner Installation exotische Vögel des malenden Brasilienfahrers Albert Eckhout, Körperzeichnungen von Ureinwohnern und eigene Zeichnungen zu einer wundersamen Komposition vom Ursprung der Natur und der Kunst werden lässt. Dazu gibt es Tischgeschirr mit Federkielen.

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