Zum Jubiläum des Städel-Museums ist eine Erweiterung geplant – im Internet. Nicht alle Häuser sind fit für die digitale Zukunft.

Per App geht es schon jetzt durch die Dürer-Ausstellung.
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Städel-Museum

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Frankfurt. Zwei Denkfehler lauern, wenn Museen über ihre Internet-Strategie nachdenken, glaubt Städel-Direktor Max Hollein: Entweder versuchen sie, den realen Rundgang durch die Ausstellung virtuell nachzubilden, oder sie verfolgen das Ziel, mehr Besucher anzulocken. „Das eine ist relativ uninteressant, das andere wird nicht funktionieren“, sagt der Chef des Frankfurter Kunstmuseums, das 2015 seinen 200. Geburtstag feiert. Im Jahr vor dem Jubiläum will das Städel eine ganze Reihe von Neuerungen vorstellen, wie Hollein vorab verrät: „Die digitale Erweiterung des Museums ist unser großes Thema in den nächsten eineinhalb Jahren.“

Nicht alle Museen sind so aktiv, sagt Monika Hagedorn-Saupe vom Institut für Museumsforschung und Vorstandsmitglied im Deutschen Museumsbund. Manche haben nicht mal eine Datenbank, nur wenige stellen ihre Bestände online, in den sozialen Medien aktiv ist nur eine Minderheit.

Das Städel ist online auf allen Kanälen unterwegs: 16 500 Facebook-Freunde, 7500 Twitter-Follower, 86 000 Leser des Städel-Blogs. Dieses Jahr kommt ein wichtiges Vorhaben dazu – eine digitale Exponate-Plattform. Im Frühjahr soll eine Test-Version fertig sein. Zum Jubiläum 2015 soll sie für jedermann benutzbar sein. Seit Sommer sind fünf Mitarbeiter damit beschäftigt, den Sammlungsbestand zu verschlagworten.

„Wir nennen es: Finden ohne zu suchen.“

Thorsten Fröhlich, Entwickler

Der Besucher kann virtuell durch die Sammlung schlendern – von der nur ein Prozent im Museum hängt – und bekommt von Klick zu Klick andere Vorschläge: Wer „Richter“ sucht, sieht nicht nur alle Maler dieses Namens, sondern auch Bilder von Juristen. Wer sich dann für Gerhard Richters „Kahnfahrt“ entscheidet, bekommt eine Auswahl von Bildern mit Booten quer durch die Kunstgeschichte. Wer Videos anklickt, bekommt mehr Filme angeboten als jemand, der überwiegend wissenschaftliche Texte liest.

Die Plattform sei keine Bildergalerie wie das „Google Art Project“, betont der Mediensystementwickler Prof. Thorsten Fröhlich. „Sie kommen über Assoziationen weiter, das ist etwas ganz Neues. Wir nennen es: Finden ohne zu suchen. Sie werden verführt, sich darin zu verlieren.“ Dieses „digitale Streunen“, glaubt Hollein, ermöglicht eine assoziative Art der Kunstbetrachtung, die nicht in Konkurrenz steht zum Museumsbesuch.

Museumsforscherin Hagedorn-Saupe würde sich eine solche Plattform für alle Museen wünschen. „Bibliotheken sind viel weiter“, sagt sie. Sie arbeiteten schon lange in Verbünden, während Museen zu sehr auf die eigene Sammlung fixiert gewesen seien. Für Literatur gebe es die Deutsche Digitale Bibliothek – in der Kunst Insellösungen.

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