Die Kunstsammlung erhielt ein Bild aus dem russischen Suprematismus, das mehrere Millionen wert sein sollte. Es ist gefälscht.

Die Kunstsammlung erhielt ein Bild aus dem russischen Suprematismus, das mehrere Millionen wert sein sollte. Es ist gefälscht.
Der Düsseldorfer Künstler Imi Knoebel und die damalige Museumschefin Marion Ackermann bereiteten dem Malewitsch einen großen Empfang. Nun zeigt sich, das Bild ist unecht. Archiv

Der Düsseldorfer Künstler Imi Knoebel und die damalige Museumschefin Marion Ackermann bereiteten dem Malewitsch einen großen Empfang. Nun zeigt sich, das Bild ist unecht. Archiv

M.Z.

Der Düsseldorfer Künstler Imi Knoebel und die damalige Museumschefin Marion Ackermann bereiteten dem Malewitsch einen großen Empfang. Nun zeigt sich, das Bild ist unecht. Archiv

Düsseldorf. Manche Dinge sind zu schön, um wahr zu sein. 2015 bereiteten die damalige Museumschefin der Kunstsammlung NRW, Marion Ackermann, und der berühmte Düsseldorfer Künstler Imi Knoebel einem Gemälde von Kasimir Malewitsch (1878-1936) einen triumphalen Empfang. Es handelte sich um „Schwarzes Rechteck, rotes Quadrat“. Die Landesgalerie erhielt das kapitale Werk als Geschenk und freute sich über ein Sinnbild für den Aufbruch der Moderne, denn es wurde auf das Jahr 1915 geschätzt. Sein Wert lag bei 40 bis 80 Millionen Euro. Jetzt stellt sich heraus: Das Gemälde ist eine Fälschung. 43 zeitgleich geschenkte Zeichnungen werden noch untersucht.

„Fälschungen bei Malewitsch sind leider keine Einzelfälle.“

Susanne Gaensheimer, Museumsdirektorin

Das „Wunder“ von Düsseldorf war Mittelpunkt einer Ausstellung. Nach der Schau begann die Untersuchung. Nur unter dieser Bedingung nahm die Kunstsammlung das hochherzige Geschenk an. Werke aus osteuropäischer Provenienz werden generell besonders gewissenhaft beäugt.

Der Fachmann saß gleich nebenan in der TH Köln. Hochschulprofessor Gunnar Heydenreich, einstmals Mitarbeiter im Düsseldorfer Restaurierungszentrum, führte die Expertise parallel zum Kollegen an der Universität Kiel durch.

Das Ergebnis ist niederschmetternd. Allein schon die Leinwand hat Fasermaterial, das nicht vor 1950, wahrscheinlich zwischen 1972 und 1975 entstanden ist. Maltechnische Untersuchungen in Köln sowie der Vergleich mit einem authentischen Malewitsch-Gemälde in den USA sprechen ebenfalls gegen die Echtheit des Werkes. Im Labor in Kiel erwies eine Analyse der Farbproben, dass das Bild „jünger als 1955“ sein muss. Es entstand wahrscheinlich nicht vor den 1970er Jahren. Das Werk ist unsigniert. Es war erstmals 1975 in einem Buch über Malewitsch dokumentiert worden.

Die Provenienz birgt im Nachhinein einige Ungereimtheiten. Die letzte Besitzerin war die Sammler-Erbin Marlene Hack aus Meerbusch. Ihre Familie hatte das Wilhelm-Hack-Museum 1973 in Ludwigshafen mit einem Füllhorn an exquisiter Kunst von Mondrian, Kandinsky und Delaunay bedacht. Dort hing der Malewitsch seit 1979 als besonderes Beispiel des Suprematismus, der ersten abstrakten Kunstbewegung der Welt. Auktionshäuser pflegen derlei Inkunabeln zu Höchstpreisen anzubieten.

Die Untersuchung der Zeichnungen wird mühsamer sein

Wilhelm Hack starb 1985. Sein Sohn Harald erbte 18 Gemälde und ein Konvolut von 52 Zeichnungen, die sich als Dauerleihgaben in Ludwigshafen befanden. 1989 veräußerte er zwölf dieser Dauerleihgaben an die Stiftung Wilhelm Hack der Stadt Ludwigshafen. Im Laufe der Jahre soll er auch die übrigen Leihgaben zurückgeholt haben, bis auf „Schwarzes Rechteck, rotes Quadrat“ und ein Bild mit weißen Linien von Wassily Kandinsky.

Als Hacks Sohn Harald starb, holte seine Witwe Marlene die Kostbarkeit zurück. Dabei stellte sich heraus, dass Harald Hack schon 1988 testamentarisch verfügt hatte, dass die Bilder von Malewitsch und Kandinsky nicht im Hack-Museum bleiben sollten. Als Marion Ackermann eine herausragende Schau zu Kandinsky, Malewitsch und Mondrian organisierte, schenkte die Witwe das Bild von Malewitsch im Jahr 2014 und gab den Kandinsky als Dauerleihgabe.

Zum Malewitsch-Geschenk fügte die Witwe auch 43 Zeichnungen von Malewitsch hinzu. Auch diese Blätter werden nun analysiert. Hier ist der Echtheitsnachweis nicht so leicht zu führen, denn altes Papier gibt es in Hülle und Fülle zu kaufen. Es wird also noch eine Weile dauern, bis diese Geschenke in der Obhut der Kunstsammlung bleiben.

Susanne Gaensheimer, neue Direktorin der Kunstsammlung, hätte sich einen besseren Einstand gewünscht als die Nachricht von einem gefälschten Bild. Sie betont, das „großzügige Geschenk“ sei aus bestem Wissen und Gewissen ins Haus gekommen, und sagt: „Das Ergebnis der Gutachten trifft uns sehr. Aber andererseits wissen wir auch, dass Fälschungen bei Malewitsch leider keine Einzelfälle sind.“

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