Im Wuppertaler Opernhaus zeigt Christian von Treskow eine schlüssige „Zauberflöte“.

Szene mit Elena Fink (Königin der Nacht, l.) und Dorothea Brandt (Pamina).
Szene mit Elena Fink (Königin der Nacht, l.) und Dorothea Brandt (Pamina).

Szene mit Elena Fink (Königin der Nacht, l.) und Dorothea Brandt (Pamina).

Hörnschemeyer

Szene mit Elena Fink (Königin der Nacht, l.) und Dorothea Brandt (Pamina).

Wuppertal. Wenn alle Herrscher die Prüfungen absolviert hätten, die dem Prinzen Tamino auferlegt werden, regierten Weisheit, Vernunft und Gerechtigkeit die Staatsgeschäfte. Die Botschaft, die Mozarts Oper "Die Zauberflöte" transportiert, ist zeitlos, ja aktuell.

Im Wuppertaler Opernhaus führt der designierte Schauspiel-Intendant Christian von Treskow die Regie. Er setzt bewusst auf statische Personenführung, entwickelt die Handlung in Schwarz-Weiß-Grau gehaltener Kulisse. Auch die exzellenten Kostüme (Ausstattung: Sandra Linde, Dorien Thomsen) sind zwischen vorsichtig ägyptisierendem Stil und einem Pseudo-Edel-Mittelalter angesiedelt.

Die drei Damen (vorzüglich gesungen von Banu Böke, Joslyn Rechter und Miriam Scholz) treten in ihren weißen Gewändern sowohl als Beschützerinnen als auch als rächende Abgesandte auf. Sarastro (mit profundem Bass: Mischa Schelomianski), die Priester-Chöre (souverän einstudiert von Jaume Miranda) und die beiden Geharnischten (sehr ausdrucksvoll: Cornel Frey und Oliver Picker) strahlen in ihren langen Kutten mit Kapuzen geheimbündlerische Verschworenheit aus.

Die Königin der Nacht schreit ihre Rachegelüste heraus

In dieser Männerwelt haben die Frauen einen schweren Stand: Die Königin der Nacht (Elena Fink), die ebenso weich und einschmeichelnd klagen wie in wütenden, sicher gesungenen Koloraturen Rachegelüste herausschreien kann, ist psychisch ebenso gefährdet wie ihre Tochter Pamina. Dorothea Brandt gibt sie eindrucksvoll in ihrer Klagearie "Ach, ich fühl’s, es ist entschwunden."

Ihre scheinbar unerfüllte Liebe, die Nachstellungen des bösen Monostatos (Boris Leisenheimer) und die Forderung der Mutter, Sarastro zu töten, machen sie anfällig dafür, einen Ausweg im Freitod zu suchen, den die drei Knaben (von der Wuppertaler Kurrende) vereiteln.

Das Pendant zu der nach Macht, Liebe und Begierde strebenden Männergesellschaft ist der Naturbursche Papageno. Thomas Laske verkörpert ihn mit gehaltvollem Bariton, der ihn sicher erdet. So will er die hehren Initiationsriten Taminos (Dominik Wortig) nicht nachvollziehen. Ihn locken die sinnlichen Genüsse: Essen, Wein und "Ein Mädchen oder Weibchen". Doch ehe er seine Papagena (Anke Enders) findet, muss er ebenfalls schwere Prüfungen bestehen.

So schlüssig und unspektakulär von Treskow Regie führt, so uneinheitlich gestaltet sich die musikalische Leitung von Evan Christ, der Mozarts Musik offensichtlich neu erfinden will. Was sich in der Ouvertüre noch gutmütig als leichtfüßiges Dahineilen interpretieren ließe, wächst sich in den raschen musikalischen Teilen und bewegten Arien zum Parforceritt durch die Partitur aus - von Musikern und Sängern nur mit höchster Konzentration zu parieren.

Dem setzt Christ schleppendes Dirigat in den langsamen Arien entgegen, wodurch sich musikalische Gedanken nicht geschlossen genug entfalten. Dass es nicht zum musikalischen Desaster kommt, dafür bürgt die hohe Professionalität der Ausführenden.

3 Stunden., eine Pause. Die Vorstellungen bis Mai sind bereits ausverkauft.

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