Am Wiener Burgtheater gibt es Ärger wegen der Finnazen. Foto: Marijan Murat/
Am Wiener Burgtheater gibt es Ärger wegen der Finnazen. Foto: Marijan Murat/

Am Wiener Burgtheater gibt es Ärger wegen der Finnazen. Foto: Marijan Murat/

dpa

Am Wiener Burgtheater gibt es Ärger wegen der Finnazen. Foto: Marijan Murat/

Wien (dpa) - Die Feierstunde geriet zur Klagestunde. Als das Wiener Burgtheater vergangenen Oktober das 125-jährige Bestehen seines Domizils am Ring feierte, rüttelte Intendant Matthias Hartman die hohen Gäste aus der Politik mit einer Schelte auf.

«Jetzt, nachdem wir alles getan haben, um das Burgtheater zu retten, ist es an der Politik zu entscheiden, wie es in der Zukunft auszusehen hat.» Er meinte: Die Subventionen in Höhe von 46,3 Millionen Euro reichen hinten und vorne nicht mehr. Doch jetzt stellt sich heraus, dass es im eigenen Haus eine große Bilanz-Baustelle gibt. Das Haus ist wegen einer tiefroten Bilanz plötzlich unter ganz unkünstlerischen Vorzeichen in den Schlagzeilen.

Eine Schlüsselfigur in den aktuellen Querelen ist die bisherige Vizedirektorin Silvia Stantejsky. Die «Seele des Hauses», seit 33 Jahren dabei, soll verantwortlich sein für nicht nachvollziehbare Buchungen. Bundestheater-Holding-Chef Georg Springer spricht von einer «Schattenwirtschaft». Aus arbeitsrechtlichen Gründen wurde Stantejsky im November gekündigt. Als der Fall im Januar publik wurde, solidarisierte sich das Ensemble mit der Verdächtigten, die alle Vorwürfe bestreitet und sich vor Gericht gegen die Entlassung wehrt.

Die Personalie warf umgehend generelle Fragen zur Buchführung, zu den Verbindlichkeiten, zur finanziellen Lage des Hauses auf. Eine erste einigermaßen konkrete Antwort gab nun Aufsichtsratschef Georg Springer: Das Minus der Spielzeit 2012/2013 werde höher sein als der Fehlbetrag von 3,7 Millionen im Vorjahr, aber wohl keinen zweistelligen Millionenbetrag ausmachen.

Das Problem: Die Subventionen für die Burg - wie für andere Theater - sind seit rund 15 Jahren nicht mehr angehoben worden. Die Kulturnation Österreich hat ihr Kulturbudget praktisch eingefroren. Wären die Subventionen an Gehalts- und Preisentwicklung angepasst worden, stünden ihm heute 58,8 Millionen Euro zur Verfügung, rechnete Hartmann vor. Der aktuelle wie der gewünschte Betrag gelten in der Theater-Branche als bemerkenswert. Die Zahl der Mitarbeiter liegt bei 550. Das Ensemble, das unter Hartmann-Vorgänger Klaus Bachler noch mehr als 100 Schauspieler umfasste, ist auf etwa 80 geschrumpft.

Eine eigene Verantwortlichkeit für die Finanz-Krise mag Hartmann, der seit 2009 das renommierte Haus künstlerisch führt, nicht erkennen. «Ich bin ja nicht in der Buchhaltung unterwegs. Ich muss mich auf das verlassen, was die Kaufleute machen», sagt er zum Verdacht der unsauberen Buchführung. Vorgänger Bachler signalisierte in einem Interview der Zeitung «Die Presse» Verständnis, aber äußerte auch Kritik: Angesichts des nicht-angepassten Finanz-Topfs bekäme jeder ein Problem. Aber sein Nachfolger neige auch dazu, teuer zu produzieren. Letzteres bestreitet Hartmann.

Wie es um das Haus, dessen Einnahmen aus Eintritten unter dem deutschen Intendanten deutlich gestiegen sind, wirklich bestellt ist, wird wohl erst Ende April bei Vorliegen aller Zahlen feststehen. Der Rechnungshof erwägt, 20 Jahre nach der letzten Prüfung, eine erneute Zahlendurchsicht. Das Theater würde das begrüßen, heißt es.

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