Schauspielhaus eröffnet Central mit chinesischer Woche.

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Herr Zhao (Christoph Müller) frönt den Lastern.

Herr Zhao (Christoph Müller) frönt den Lastern.

Sebastian Hoppe

Herr Zhao (Christoph Müller) frönt den Lastern.

Düsseldorf. Die Bar ist eingerichtet, die Teppiche verlegt, die Bilder hängen an den Wänden: Zeit für den Einzug. Am Donnerstag wurde das "Central", das neue Produktionszentrum des Schauspielhauses, mit dem Festival "Neue Dramatik: China" eröffnet, zu dem nicht nur Kulturdezernent Hans-Georg Lohe, sondern auch der deutsche Botschafter in Peking, Michael Schaefer, erschienen waren.

Zum Auftakt des viertägigen Festivals zeigte das Schauspiel die Uraufführung des Auftragswerks "In die Mitte des Himmels" des 1951 geborenen Lyrikers und Dramatikers Duo Duo. Sein Stück schildert einen Flug von Peking nach New York, der zwischen Realität und Imagination oszilliert. Nachdem der Start sich verzögert, geraten fünf Protagonisten und eine Stewardess in einen surrealen Bewusstseinsstrom, in dem sich Dialoge, Traumsequenzen und lyrische Momente zum Bild einer zerrissenen Gesellschaft vermischen.

Eine Schriftstellerin namens Schönheit

Protagonisten und Zuschauer sitzen gemeinsam auf einer hölzernen Zuschauertribüne (Bühne: Wang Guofeng), auf der ‚Bühne’ seht ein Paravent, über eine Holzwand flimmern Livebilder des Geschehens. Der Müßiggänger Zhao (Christoph Müller) sucht mit dem Fernglas nach seiner Erinnerung, die ihn mit der laptopbewehrten Schriftstellerin "Schönheit" (Kathleen Morgeneyer) verbindet. Ein Pärchen am Anschlag, immer kurz vor der Explosion.

Nicht weit von ihnen sitzt Lisa Arnold als hibbeliges Girlie Xiao Ji, die unter ihren Kopfhörern notorische Lebensfreude ausschwitzt. Als Kontrapunkt fungieren zwei Wessis, die im Laufrad der ökonomischen Zwänge ihre innere Leere zu kompensieren versuchen. Der Geschäftsmann Richard (Matthias Fuhrmeister) ist ein Business-Telefonjunkie, der sofort Diana (Xenia Snagowski) anmacht, eine junge Frau auf dem Drahtseil zwischen Verlust ihrer Agentur, Schwangerschaft und Leere.

Die surreale Situation treibt das Quintett allmählich in ein loses Beziehungsgeflecht: Man beschwert sich bei der Stewardess (Esther Hausmann), wirbt umeinander oder macht sich nieder. Alle bewegen sich am Rande des Nervenzusammenbruchs, der sich in albtraumhaften Momenten Bahn verschafft. Da stürzt sich Diana in eine quälende Selbstbefragung oder gesteht Xiao Ji sich ihre innere Getriebenheit ein.

Regisseurin Cao Kefei inszeniert das mit emotionaler Direktheit und Sinn für surreale Effekte, wenn sie eine rosa Kuh als Bordverpflegung auffahren oder Morgengymnastik mit Wasserglas auf dem Kopf verrichten lässt. Durchsagen des Flugkapitäns stellen die Bodenhaftung wieder her. Die Katastrophe lässt nicht auf sich warten. Nur Fliegen ist schöner - wenn man weiß, wo das Ziel liegt.

75 Minuten, keine Pause, Auff.: 14. März, 5., 11. April, 20 Uhr, Central, Tel. 0211-36 99 11

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