Bettina Jahnke, neue Intendantin am Rheinischen Landestheater Neuss, will die „Marke am Markt“ behaupten.

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Die neue Intendantin Bettina Jahnke probt mit Ensemble-Mitglied Kaspar Küppers für „Wie im Himmel“.

Die neue Intendantin Bettina Jahnke probt mit Ensemble-Mitglied Kaspar Küppers für „Wie im Himmel“.

Uli Engers

Die neue Intendantin Bettina Jahnke probt mit Ensemble-Mitglied Kaspar Küppers für „Wie im Himmel“.

Neuss. Die neue Neusser Intendantin Bettina Jahnke wirkt aufgeräumt und voller Elan. Sie weist dem Besucher schwungvoll den Platz auf dem Sofa zu und setzt sich in den Sessel mit dem besten Überblick. Obwohl das Intendantenbüro ansonsten kaum persönliche Züge trägt. Wer wo sitzt, darüber hat die 46-Jährige ziemlich klare Vorstellungen.

Das Rheinische Landestheater ist zwar ihre erste Intendantenstation, doch Leitungserfahrung konnte Bettina Jahnke bereits als Schauspielchefin am Staatstheater Cottbus sammeln.

Anders als dort sei sie in Neuss jedoch viel näher an Produktion, Verwaltung und Leitung dran. Morgens erfahre sie bei den Proben noch, wo die Schauspieler der Schuh drückt, danach wechsle sie in die Rolle der Intendantin. "Schizophrenie als Chance", umschreibt sie das lachend.

Jahnke ist eine inszenierende Intendantin

Anders als ihre Vorgängerin Ulrike Schanko ist Bettina Jahnke eine inszenierende Intendantin. "Die eigene Handschrift soll stilbildend für das Haus werden", sagt sie selbstbewusst und hat dem Haus gleich noch eine Ausstattungsleiterin verordnet, die für vier Stücke ästhetisch verantwortlich zeichnet. Jahnke inszeniert zum Auftakt "Wie im Himmel" nach dem Film von Kay Pollack über das Comeback eines ausgebrannten Dirigenten bei einem Dorfchor.

Am Ende der Spielzeit folgt Shakespeares "Ein Sommernachtstraum". Ästhetisch versteht sie sich als "stringente Geschichtenerzählerin" mit einer Vorliebe für den psychologischen Realismus eines Tennessee Williams, Horváth oder Ibsen. "Das Entscheidende ist der Schauspieler für mich", sagt sie, insofern empfinde sie das Engagement am Landestheater als eine Art "back to the roots". Ihre eigenen Wurzeln liegen in der Ex-DDR.

Die Spielzeit beginnt mit "Wie im Himmel" nach dem Film von Kay Pollack über einen ausgebrannten Dirigenten. Das Stück, das die neue Intendantin Bettina Jahnke selbst inszeniert, hat am 18. September Premiere und ist bis 11. November zu sehen.

Unter anderem werden Musils "Die Verwirrungen des Zöglings Törleß", "Die Glasmenagerie" von Tennessee Williams und Goethes "Clavigo" zu sehen sein.

und weitere Informationen gibt es auf der Internetseite des Rheinischen Landestheaters.

Bettina Jahnke hat in Leipzig Theaterwissenschaft studiert und am dortigen Studententheater gearbeitet. Danach wechselte sie als Assistentin und Regisseurin ans Staatstheater Cottbus unter Christoph Schroth, den sie aufgrund seines "eingreifend politischen Theaters" als ihren "Mentor" bezeichnet. Inszenierungen führten sie nach Rostock, Potsdam oder Bern, 2005 übernahm sie dann selbst die Leitung des Cottbuser Schauspiels.

Wichtig sind ihr vor allem die themenbezogenen Spielpläne. "Träumen!" lautet das Motto der ersten Saison. Träumen in der Krise? "Gerade in der Krise müssen wir träumen", sagt sie bestimmt; nur so sei eine Utopie zu entwickeln. Autoren wie Simon Stephens ("Country Music"), Goethe ("Clavigo"), Sartre ("Die schmutzigen Hände") oder Justine del Corte ("Die Ratte") sollen dabei helfen. In der zweiten Spielzeit geht es dann mit Schiller, Aischylos, Hendrik Ibsen oder dem Regisseur Fatih Akin an das "Kämpfen!".

So klangvoll die Autorennamen, Bettina Jahnke hat Marketing und Theaterpädagogik am RLT verstärkt. Das Theater müsse sich als "Marke auf dem Markt" behaupten, sagt sie im Ökonomensprech. Sparvorgaben gebe es zwar noch keine, doch sie glaubt nicht, dass die Folgen am RLT spurlos vorbeigehen. Da kann man nur hoffen, dass sich die Spielzeitthemen nicht allzu wörtlich bewahrheiten.

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