Das SeTa Düsseldorf gibt es seit 20 Jahren. Gastspiele führen es auch ins Ausland.

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Eine Seniorin mit Brautschleier: Szene aus dem Theaterstück „Die Kleinbürgerhochzeit“, das Bertolt Brecht 1919 als 21-Jähriger verfasste.

Eine Seniorin mit Brautschleier: Szene aus dem Theaterstück „Die Kleinbürgerhochzeit“, das Bertolt Brecht 1919 als 21-Jähriger verfasste.

Theater

Eine Seniorin mit Brautschleier: Szene aus dem Theaterstück „Die Kleinbürgerhochzeit“, das Bertolt Brecht 1919 als 21-Jähriger verfasste.

Düsseldorf. Sie sind um 75 Jahre alt, treffen sich für Proben zwei Mal pro Woche und haben vergangenes Jahr außerhalb von Düsseldorf 18 Gastspiele gegeben. Das SeTa, das Seniorentheater Düsseldorf, hat längst einen Namen über die Landeshauptstadt hinaus. Kein Wunder: Die ergraute Laienschar steht unter professioneller Leitung und legt hohe Maßstäbe an ihre Arbeit. Und feiert Jubiläum: Seit 20 Jahren bringen die Senioren regelmäßig neue Stücke auf die Bühne.

Von Beginn an ist das SeTa eng mit dem Juta verknüpft, was einmal Junges Theater in der Altstadt hieß und heute zum FFT (Forum Freies Theater) gehört. Das Spiel mit den Namen ist durchaus Absicht: Zunächst begann alles als generationenübergreifendes Theater, doch es stellte sich als schwierig heraus, gemeinsame Probenzeiten zu finden.

So besteht das SeTa heute aus 36 Mitgliedern (davon sogar zehn Männer, wie der Vorsitzende Holm Gottschling stolz betont), die zwischen 60 und 80 Jahre alt sind. Rentner zu sein ist keine Voraussetzung, aber praktisch ist es schon. Denn die Proben finden immer dienstags und donnerstags nachmittags statt.

Die Alten - wie sie sich selbst nicht gerne nennen - verbindet das Interesse an der Kultur und an gesellschaftlichen Fragen. Sie haben etwas für sich entdeckt und wollen es weitergeben. Nicht nur den Spaß an der Sache, sondern auch ihre "persönliche Lebenswelt in die öffentliche Kulturarbeit einbringen", wie es Gottschling formuliert. Er ist seit fünf Jahren dabei, vier Jahre als Vorsitzender. "Das hat sich zu einem richtigen Job entwickelt", gesteht der 70-Jährige, der als leitender Angestellter bei Mannesmann Erfahrung dafür mitbringt.

Regelmäßiges Ausgehen getrennt nach Wein- und Biertrinker-Fraktion

Er kümmert sich um den "Nachwuchs", aber auch um Marketing und Sponsoring. Der Aufwand lohnt sich: "Sie haben mich ins Herz geschlossen, und ich liebe sie ja auch", gesteht er. So gehört regelmäßiges Ausgehen - getrennt nach Wein- und Bietrinker-Fraktion - nach den Proben dazu. "Wir sind eine Art Familie."

Eine Familie mit Anspruch: Der Verein beschäftigt professionelle Bühnentechniker, Maskenbildner und eine Regisseurin, Marlin de Haan, die seit 2006 nun bereits das vierte Stück mit dem SeTa erarbeitet. Nach großer klassischer Dramenliteratur wie Bruckners "Krankheit der Jugend" (2006), mit den Senioren in den Rollen der jungen Menschen, García Lorcas "Bernarda Albas Haus" (2007) und Brechts "Die Kleinbürgerhochzeit" (2008) kommt in diesem Oktober mit "Vorher/Nachher" von Roland Schimmelpfennig ein zeitgenössisches Stück heraus. Nächstes Jahr soll etwas ganz Neues folgen: ein Stück mit Blinden, das deren Lebenswirklichkeit spiegelt. Dank Förderung durch das städtische Kulturamt und Sponsoren können die Senioren Experimente wagen und werden dafür belohnt: Sie werden nach London, Paris oder Tschechien eingeladen.

Wiederaufführungen von "Die Kleinbürgerhochzeit" am 22. und 24. April, jeweils 20 Uhr, sowie am 23. April um 15 Uhr im FFT Juta, Kasernenstr.6, in Düsseldorf. Tel. 0211/87678718.

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