„Die Welt mein Herz“ bietet gar zu viele platte Einsichten.

schauspiel
Mohamed Achour (links) und Niklas Kohrt schlüpfen im Stück „Die Welt mein Herz“ in unterschiedliche Rollen.

Mohamed Achour (links) und Niklas Kohrt schlüpfen im Stück „Die Welt mein Herz“ in unterschiedliche Rollen.

Klaus Lefebvre

Mohamed Achour (links) und Niklas Kohrt schlüpfen im Stück „Die Welt mein Herz“ in unterschiedliche Rollen.

Köln. Amanda steigt aus. Sie schreit, streckt die Arme von sich und verliert sich im eigenen Wahn. „Ich stürze ins Universum.

Immer weiter, ich bin schon vorbei an Jupiter. Haltet mich.“ Aber für sie gibt es kein Halten – bis der Anfall vorbei ist. Im richtigen Leben ist Amanda (großartig stark und zart gespielt von Nikolaus Benda) Prostituierte in Buenos Aires. Mit ihr hat man schon alles gemacht, sagt sie und lackiert sich die Nägel. Sie erträgt es, es bringt Geld.

Menschen wie Amanda gibt es einige im Stück „Die Welt mein Herz“ von dem 1980 geborenen Autor Mario Salazar. Hausregisseur Rafael Sanchez hat es in zweieinhalb Stunden mit guten Schauspielern, aber ohne überzeugendes Konzept im Kölner Schauspiel uraufgeführt.

Sanchez spart nicht an Kalauern, überreizt manche komische Idee

Immer wieder gelingen ihm komische Momente in dieser Sammlung von Geschichten, die Männer und Frauen von New York City über Stendal bis nach Südamerika miteinander verbinde. Per Mail und Facebook, in der Fantasie und in tatsächlichen Begegnungen kommen sie in Kontakt. Was dabei wirklich und real ist, tritt in den Hintergrund.

Was zählt, ist, wie diese Abgestürzten versuchen, Boden unter die Füße zu bekommen. Wie vor ihrem Auge immer wieder der amerikanische Traum auftaucht, sie ihn aber nicht fassen können.

2 ½ Stunden ohne Pause, Depot 2, Vorstellungen 4., 13., 18., 19. und 20. Februar, 20 Uhr, Karten: Telefon 0221/221 28400.

Geld, Glück oder nur der 112. Geburtstag von Willi, den die beiden alten Freundinnen Waldtraut und Irmgard in Berlin Moabit feiern wollen. Die 18 Personen – gespielt von sechs Darstellern – strampeln sich ab und kommen doch nirgendwo hin.

Sanchez spart nicht an Kalauern, lässt einen New Yorker Polizisten lächerlich lange mit einer Spielzeugpistole rummachen und überreizt manche komische Idee.

Großartig absurd aber gelingt, wie die am Leben und der Liebe leidende und schweigende Senora Moya (Niklas Kohrt mit exzellentem Sinn für Sprachkomik) plötzlich aus ihrer Lethargie erwacht und sich in ein imaginiertes Loch stürzt, das sich vor ihr aufgetan hat. Alle Umstehenden blicken auf einen alten Teppich und werden erfasst von einem Strudel, den niemand sieht, und der sie doch mitreißt.

Regie: 2 von 5 Sterne

Schauspieler: 4 von 5 Sterne

Bühne: 3 von 5 Sterne

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