Staffan Valdemar Holm wird neuer Chef des Düsseldorfer Theaters und löst 2011 Amélie Niermeyer ab.

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Hat in Düsseldorf viel vor und will das Theater international vernetzen: Staffan Valdemar Holm.

Hat in Düsseldorf viel vor und will das Theater international vernetzen: Staffan Valdemar Holm.

Bernd Schaller

Hat in Düsseldorf viel vor und will das Theater international vernetzen: Staffan Valdemar Holm.

Düsseldorf. Von Stockholm an den Rhein: Staffan Valdemar Holm wird neuer Generalintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses. Der Aufsichtsrat des von Stadt und Land getragenen Bühnen hat den international renommierten schwedischen Theatermacher am Montag  einstimmig gewählt.

In Deutschland kennt man ihn kaum, obwohl er hier bereits inszeniert hat (am Deutschen Theater Berlin). Bei seiner ersten Vorstellung am Montag im Rathaus wirkt er sympathisch, aufgeräumt und unprätentiös. "Ich will noch lernen", sagt er, darauf angesprochen, was er vorhabe.

Drei Argumente seien für NRW-Kulturstaatssekretär Hans-Heinrich Grosse-Brockhoff ausschlaggebend gewesen: Holms Regiearbeiten (zwei hat er gesehen: "Don Karlos" in Stockholm und "Richard III." in Kopenhagen), seine internationale Vernetzung und seine Erfahrung als Intendant.

Der 1958 in Tomelilla geborene Vater von zwei erwachsenen Kindern ist mit der Bühnenbildnerin Bente Lykke-Møller verheiratet. Er leitete von 2002 bis 2008 das Königliche Nationaltheater Dramaten in Stockholm und war vorher Intendant des Malmö Dramatiska Theaters. 2009 hat er ein Ingmar-Bergmann-Festival in Stockholm gegründet und könnte sich auch vorstellen, in Düsseldorf ein neues Festival zu etablieren.

"Ich kenne das Theater in Düsseldorf bisher besser als die Stadt", sagt Holm in fließendem Deutsch, das er "bei den besten Lehrern" gelernt hat nämlich Goethe, Schiller, Kleist und Lessing. Immerhin spreche er besser Deutsch als Trapattoni, sagt er schmunzelnd. In Düsseldorf sieht der Schauspiel- und Opernregisseur eine große Herausforderung ("Ich bin mutig oder ganz dumm") und auch große Möglichkeiten.

"Oper ist dasselbe wie Schauspiel, nur mit Musik"

Die erhofft sich auch die Stadtspitze. Oberbürgermeister Dirk Elbers wünscht sich, dass sich das Schauspielhaus unter Holm neu positioniert und "wieder internationale Strahlkraft" erlangt. Denn warum sollte das Schauspielhaus mit seinen Produktionen nicht so wie früher unter Intendantin Anna Badora mit ausgezeichneten Abenden durch Europa touren und im Gegenzug hochkarätige Gastspiele aus dem Ausland hierher einladen?

Holm scheint beste Beziehungen ins Ausland zu haben: In den Jahren 2007 und 2008 war er Vize-Präsident der UTE (Union der Theater Europas), zu dem Düsseldorf auch einst gehörte. Dann gründete er mit anderen das neue europäische Theaternetzwerk "Mitos 21", an dem auch das hiesige Haus mitwirkt. Düsseldorf soll ein Treffpunkt für Theaterkünstler aus aller Welt werden, wünscht sich Holm.

Klassiker wie Shakespeare und Schiller stehen bei dem Theatermann hoch im Kurs: "Die muss man machen." Aber auch jüngere (deutschsprachige) Dramatik schätzt er, wie Lukas Bärfuss, Roland Schimmelpfennig oder Marius Mayenburg, dessen "Das kalte Kind" er selbst in Stockholm auf die Bühne brachte.

Er gilt in Schweden als vom deutschen Stil beeinflusster Regisseur: düster, aber mit einer starken Portion Humor, wie ein schwedischer Journalist ihn am Montag beschreibt.

Im September 2010 wird er sich bereits mit einer Inszenierung in Düsseldorf vorstellen und ab da seine Intendanz vorbereiten. Sein Vertrag dauert nicht fünf, sondern sechs Jahre. "Dann hat man mehr Zeit, sich ein Bild zu machen", so Grosse-Brockhoff.

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