Das Festival „Theater der Welt“ holt das Fremde auf die Bühne.

wza_1495x1500_692117.jpeg
John Cale vor einer seiner Video-Installationen.

John Cale vor einer seiner Video-Installationen.

Theater der Welt

John Cale vor einer seiner Video-Installationen.

Essen. Das internationale Festival "Theater der Welt" holt Künstler aller Kontinente in die europäische Kulturhauptstadt. Vom 30. Juni bis 17. Juli kommen beinahe 400 Schauspieler, Filmemacher, Choreographen, Musiker, Theatermacher, Tänzer und Sänger für ein zeitgenössisches Programm zusammen. Die künstlerischen Leiter Roberto Ciulli, Theater an der Ruhr, und Anselm Weber, Schauspiel Essen, präsentieren die Produktionen der ersten Festivalhälfte in Mülheim, der zweite Teil wird in Essen gezeigt.

Puppentrickfilm erzählt die Kreuzzüge aus Sicht der Araber

Die Programmdirektion hat dieses Mal die belgische Festivalmacherin Frie Leysen übernommen. Ihr geht es vor allem um einen kulturellen Perspektivwechsel. Sie sei schockiert, dass wir in Europa "nicht wissen, was in anderen Ländern um uns herum passiert". Es gelte, neue Wege zu finden und sich im Umgang mit dem Fremden zu üben.

So werden etwa in "Cabaret Crusades", einem Puppentrickfilm, die Kreuzzüge aus Sicht der Araber erzählt. "Die persönliche Geschichte der Künstler verbindet sich dabei mit der großen Geschichte der Welt", erklärt Programmdirektorin Leysen. So ist es auch bei der Produktion "Birds with Skymirrors": Der Choreograph Lemi Ponifasio erzählt, wie seine Heimat Samoa vom großen pazifischen "Abfallhighway der Meere" zugemüllt wird.

Velvet Underground-Veteran John Cale hat sich für "Dyddiau Du - Dunkle Tage" von seiner Kindheit inspirieren lassen - ein Projekt, das er bereits 2009 für die Biennale in Venedig entwickelt hatte. Der Sohn eines englischen Bergarbeiters wuchs in einem walisischen Dorf auf.

Seine Kindheit hat Cale in großformatigen Bildern und Filmprojektionen dokumentiert, die im Salzlager auf Zollverein zu sehen sind. Der Künstler untermalt die Erinnerungsfragmente musikalisch vor eindrucksvoller Industriekulisse. - ganz in der Tradition seines früheren Mentors Andy Warhol, in dessen New Yorker "Factory" Cale seine popmusikalische Karriere begann.

Der japanische Nachwuchsregisseur Daisuke Miura übt mit seiner Theaterproduktion "Yume no shiro - Schloss der Träume" Kritik an der Wohlstandsgesellschaft - ganz ohne Worte.

Die neuen Perspektiven erfordern eine Portion Mut von den Zuschauern. Als kleine Hilfestellung werden alle Sprachen übersetzt, über- oder untertitelt.

Karten zu 10, 18, 20 und 30 Euro sowie das Programm gibt es unter Tel. 0201/ 812 220 0 oder im Internet.

Leserkommentare


() Registrierte Nutzer