Interview: Die Regisseurin Cao Kefei inszeniert beim China-Festival in Düsseldorf eine Uraufführung.

Regisseurin Cao Kefei pendelte während der Proben zwischen Düsseldorf und Peking.
Regisseurin Cao Kefei pendelte während der Proben zwischen Düsseldorf und Peking.

Regisseurin Cao Kefei pendelte während der Proben zwischen Düsseldorf und Peking.

Sebastian Hoppe

Regisseurin Cao Kefei pendelte während der Proben zwischen Düsseldorf und Peking.

Düsseldorf. Frau Cao Kefei , Sie haben 2001 in Peking den tyrannischen Zirkusdirektors in Thomas Bernhards "Die Macht der Gewohnheit" mit Verweis auf Mao Tse Tung inszeniert. Wie berechenbar ist die Zensur in China?

Kefei: Ich habe Thomas Bernhards Stück als Metapher inszeniert. Die Assoziation zur Politik hat sich erst mit der Zeit ergeben. Wir hatten mit dieser Inszenierung überhaupt kein Problem. Ich halte die Zensur in China für undurchschaubar. Oft reagiert sie weniger politisch als nach eher ästhetischen Vorlieben. Da es keine Vielfalt der Theaterästhetiken gibt, fehlen manchen Leuten in den Institutionen vielleicht die Kenntnisse.

"In China gibt es Tabus, Dinge aus der Geschichte Chinas, über die man noch nicht sprechen kann."

Welche Themen werden auf den Bühnen verhandelt?

Kefei: Ein wichtiges Thema ist die Orientierungslosigkeit und Einsamkeit junger Leute in den Metropolen. Andere Themen sind das Tempo der Veränderung oder die Liebe. Ein Dramatiker wie Guo Shixing, der auch nach Düsseldorf kommt, beschäftigt sich mit den gesellschaftlichen Wandlungsprozessen in China. Daneben gibt es unausgesprochene Tabus, Dinge aus der Geschichte Chinas, über die man noch nicht sprechen kann.

Im Westen haben vor allem Bildende Kunst und Filme aus China Furore gemacht. Gibt es eine Rangordnung der Künste nach der außenpolitischen Wirksamkeit?

Kefei: Die Wahrnehmung chinesischer Filme im Ausland wurde einige Zeit stark gefördert. Vieles wurde nach dem Vorbild Hollywoods für den Markt hergestellt. In der Bildenden Kunst traf sich das Interesse des Auslands mit dem chinesischer Kunst-Spekulanten. Auch hier spielte der Markt eine Rolle, und manche Künstler produzierten wie am Fließband. Im Theater gibt es einige wenige kommerzielle Produktionen, die privat finanziert werden, z.B. Musicals, die mit Hilfe von Fernsehstars auf Unterhaltung setzen. Dominierend sind jedoch die staatlichen Bühnen und ihre konservative Ästhetik.

Wenn der Markt so wichtig ist, welche Rolle spielt dann die Kunstsubvention in China?

Kefei: Es gibt natürlich staatliche Unterstützung für Projekte, die auf einer bestimmten Linie liegen. Wer nicht auf dieser Linie liegt, bekommt kein Geld. Das gilt für die freie Theaterszene, aber auch für viele Filmemacher. Um zu überleben, produzieren sie mit Geld aus westlichen Ländern, werden auf Festivals eingeladen und sind absurderweise in China oft total unbekannt.

An wen richtet sich die anspruchsvollere Kunst? Gibt es eine Art Bürgertum?

12. bis 15. März in der alten Paketpost, Worringer Straße 140, Uraufführungen, Lesungen, Partys, Vortrag.

0211/36 99 11

Kefei: Es gibt in jeder Gesellschaft Menschen, die nicht in der Lüge leben und etwas anderes sehen wollen. Dank der wirtschaftlichen Entwicklung hat sich so etwas wie ein Bürgertum herausgebildet. Das Problem in China ist allerdings, dass das künstlerische Angebot sehr beschränkt ist. In Peking gibt es pro Abend nicht einmal halb so viele Theateraufführungen wie in Düsseldorf. Die Masse interessiert sich für Fernsehen und Karaoke. Auch die DVD-Kultur ist bei jungen Leuten sehr verbreitet.

Und wie realisieren Sie als freie Regisseurin Theater-Projekte?

Kefei: Für mich ist es schwierig. Thomas Bernhard habe ich mit Hilfe des Goethe-Instituts und österreichischer Stiftungen realisiert. Bei einem Projekt hat mich BMW unterstützt. Aber Sicherheit gibt es nicht. Wir Chinesen planen nicht langfristig, wir sind eher ein improvisierendes Volk.

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