Im Düsseldorfer Theater an der Kö herrscht Jürgen Busse als diktatorischer Präsident.

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Szenenbild aus „November“ (v.l.): Heiko Raulin, Astrid Kohrs, André Beyer, Jochen Busse und Thomas Gimbel.

Szenenbild aus „November“ (v.l.): Heiko Raulin, Astrid Kohrs, André Beyer, Jochen Busse und Thomas Gimbel.

Jürgen Dehniger

Szenenbild aus „November“ (v.l.): Heiko Raulin, Astrid Kohrs, André Beyer, Jochen Busse und Thomas Gimbel.

Düsseldorf. Wer hätte gedacht, was Präsidenten bewegt, wenn sie mit aller Macht Prioritäten setzen? Charles Smith (Jochen Busse) hat da so seine ganz eigenen Vorstellungen.

Der Pleite-Politiker, der bei jeder Staatsangelegenheit Spickzettel braucht, hat keine Angst, (versehentlich) Kriege zu erklären, aber vor der heimischen Machthaberin kriecht er zu Kreuze: "Kann meine Frau die Couch mitnehmen?", fragt er ängstlich, obwohl es doch gar nicht erst so weit kommen soll. Denn der Präsident, der sinkende Umfragewerte und eine steigende Panik hat, möchte eigentlich nur das Eine: wieder gewählt werden.

Kurz bevor Barack Obama ins Oval Office einzieht, beweist das Theater an der Kö aufs Neue, dass ein Boulevardtheater mehr bieten kann als "nur" altbekannte Komödien. Autor David Mamet ruft den "November" aus - und damit die heiße Phase im US-Wahlkampf.

Hausherr und Regisseur René Heinersdorff holt das Stück, das vor einem Jahr in New York uraufgeführt wurde, nach Düsseldorf - und kann sich am Ende vor allem bei seinem Hauptdarsteller bedanken.

Der amtierende Lügenbaron ist ein eitler Gockel, der Federn lassen muss. Während zwei Tiere im Vorzimmer darauf warten, an Thanksgiving medienwirksam begnadigt zu werden, feilscht der Präsident mit dem Verband der Truthahnzüchter darum, wieviel er für den symbolischen Akt verlangen kann. Die Spatzen pfeifen’s von den Dächern: Smith braucht Geld für Wählerstimmen, Werbespots und Wohnungseinrichtung.

Satirischer Blick auf das glatte Politik-Parkett

Dass ihm eine Couch wichtiger ist als die Beziehung zum Iran, sagt alles. Und so hat die Farce eine versöhnliche Botschaft: Präsidenten sind auch nur Menschen, Ehemänner und Chaoten.

An der Kö dürfte nicht jedem die unverblümte Schimpfwort-Sprache gefallen. Dass Busse im Weißen Haus rot sieht und sich mit bestens durchblutetem Kopf herrlich in Rage redet, steht allerdings außer Frage. Zwar geht ihm im Rede-Marathon nie die Puste aus, trotzdem ist die abstruse Geschichte gelegentlich langatmig - auch wenn ihr Kern stimmt.

Der satirische Blick aufs glatte Politik-Parkett ist eigentlich nicht mehr als eine groteske Anekdote. Sie lebt vom Einsatz des Hauptdarstellers, der den Präsidenten nicht zur Karikatur verkommen lässt, sondern Facetten zeigt. Der US-Boss ist alles zugleich: hoffnungs- und hilflos, gönnerhaft und gehässig, siegessicher und selbstverliebt. Auch Heiko Raulin verleiht seiner Figur Tiefe: Berater Archer ist Stichwortgeber, Streber und Strippenzieher.

Dagegen sind die anderen Rollen oberflächlicher. Astrid Kohrs gibt die lesbische Redenschreiberin, die unter Verdacht steht, die Vogelgrippe aus China eingeschleppt zu haben. André Beyer mimt einen gekränkten Indianer, der dem Politiker per Giftpfeil nach dem Leben trachtet.

Busse macht das Beste daraus - er nutzt die Bühne, die ihm in den US-Farben Blau, Rot und Weiß eine ansehnliche Basis bietet, für sich. Am Ende sind die Premierengäste zufrieden: Könnten sie wählen, zöge es Busse wohl noch häufiger an die Kö. Die nächste Amtszeit dürfte ihm sicher sein.

2 Stunden, eine Pause, bis 1. März, Karten: Telefon 0211/322333

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