Das Schauspielhaus Düsseldorf versucht sich an Offenbachs „Pariser Leben“.

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Das pralle „Pariser Leben“ ist bei Offenbach nur eine klischeehafte Fassade.

Das pralle „Pariser Leben“ ist bei Offenbach nur eine klischeehafte Fassade.

Sebastian Hoppe

Das pralle „Pariser Leben“ ist bei Offenbach nur eine klischeehafte Fassade.

Düsseldorf. Reisen bildet, sagte das Bürgertum und erfand den Tourismus. Doch gleichgültig, wo wir hinfahren, Reiseführer und Internet haben uns längst mitgeteilt, was uns dort erwartet.

Und die Einheimischen pflegen getreulich dieses vorgeformte touristische Bild ihres Landes. Das wusste schon Jacques Offenbach, dessen Operette "Pariser Leben" jetzt am Schauspielhaus herauskam.

Lebemann Gardefeu kennt die Paris-Klischees

Der Lebemann Gardefeu kennt die Paris-Klischees und dient sich dem schwedischen Ehepaar de Gondremarck als Fremdenführer an. Markus Scheumann spielt einen biegsam-grotesken Bonvivant im Stile des frühen Groucho Marx.

Er bringt das Paar in der eigenen Wohnung unter, die er als Dependance des Grand Hotels ausgibt. Das Domizil entpuppt sich als Bude mit ungemachten Betten und Unterwäsche auf Bügeln (Bühne: Thomas George).

Der Baron (Götz Schulte mit viel Präsenz und Verve) bekommt die gewünschte "Benefizgala mit Prominenten", die der Hausherr mit Hilfe seiner Dienstboten organisiert: Eine Stehparty mit Nudelsalat und Pappkameraden von Sarkozy bis Bin Laden.

Mitreißend dabei Anna Kubins Auftritt als Colonelswitwe mit dem Lied "Mir geht’s gut, Herr Kapitän" samt Jodeleinlage.

Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer dreht Offenbachs Operabouffe durch den Fleischwolf der Karikatur, die vor allem auch auf erotische Eindeutigkeit setzt. Die Überarbeitung von Arrangement und Liedtexten durch Wolfgang Böhmer gelang da weit besser.

Das Orchester wurde auf zehn Musiker mit Bläserschwerpunkt ausgedünnt und spielt mit viel Rhythmus und Drive. Und auch das Ensemble singt intonations- und ausdruckssicher.

Fürs große erotische Stelldichein wird der Baron in ein Einfamilienhaus verfrachtet. In diesem "Club Walter" gerät er in den Wendekreis seiner Sex-Phantasien. Gleichzeitig geht Gardefeu zum Generalangriff auf die Baronin (Katrin Röver) über, die jedoch ermattet einschläft.

Der Abend gewinnt allmählich, weil die Regie zu einem eher spielerischen Umgang mit Elementen wie Showtreppe, Gesangseinlagen, aber auch in der Figurencharakterisierung findet.

Am Ende bleibt nur die Tautologie von Rainer Galke als Brasilianer, die auch für die gesamte Inszenierung gilt: "Isse amüsieren, isse Spaß".

2 3/4 Sunden, eine Pause, Aufführungen: 31. Januar, 1. Februar, 19.30 Uhr, Großes Haus, Karten unter Telefon 0211/36 99 11.

Schauspieler: 4 von 5.

Regie: 3 von 5.

Bühne: 4 von 5.

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