Hannover/Bielefeld (dpa) - Anne Lepper gehört zu den erfolgreichsten Newcomern der deutschen Theaterszene. Ihr Debütstück wurde 2010 an den Münchner Kammerspielen uraufgeführt. Seitdem hat sie etliche Preise gewonnen, unter anderem beim Berliner Theatertreffen den Werkauftrag des Stückemarktes.

Jetzt kommen gleich zwei neue Werke der 33 Jahre alten Autorin in Bielefeld und Hannover auf die Bühne. «Anne Lepper ist eine der interessantesten und gefragtesten Autorinnen der jungen Generation», sagt eine Sprecherin des Bielefelder Theaters.

Schon Leppers erstes Drama «Sonst ist alles drinnen» wurde von der Kritik gefeiert. Die in Wuppertal lebende Absolventin des Berner Literaturinstituts erschafft skurrile Psycho-Welten, gelobt wird stets ihre verstörende Sprache. Lepper selbst sieht das anders. «Ich finde meine Sprache nicht verstörend oder besonders», sagt die Autorin im Gespräch mit der Nachrichtenagentur dpa.

Anne Leppers zweites Stück «Käthe Hermann» feiert an diesem Donnerstag (5.1.) im TAM 3 des Bielefelder Theaters Premiere. Im Mikrokosmos einer dreiköpfigen Familie spiegelt die Autorin die vergangenen 100 Jahre deutscher Geschichte. «Ich würde nicht sagen, dass mich Familie besonders interessiert, mir geht es generell um menschliches Leben», erläutert Lepper.

Im Mittelpunkt ihres Dramas steht eine Frau um die 80, die sich der angeordneten Räumung ihrer Wohnung vehement widersetzt. Wegen ihrer Kinder hat sie auf eine Karriere als Tänzerin verzichtet. Jetzt will sie mit ihrer Tochter und ihrem gelähmten Sohn das nichtgelebte Leben nachholen. «Bei allen drei Figuren klaffen Sehnsüchte und Realität auseinander. Sie sind gefangen in Ritualen, die ihnen Kraft geben, gleichzeitig aber auch ein Hemmschuh sind», sagt Regisseurin Daniela Kranz in Bielefeld.

Am kommenden Sonntag (8.1.) steht auf der Cumberlandschen Bühne des Schauspiels Hannover die zweite Uraufführung an: «Seymour oder Ich bin nur aus Versehen hier» spielt in einem Bergsanatorium für übergewichtige Kinder. Die eingesperrten Kinder sind alleingelassen mit kruden Anweisungen des ominösen Klinikchefs Doktor Bärfuss. Das Schauspiel sieht in ihnen eine «Schablone für den normalen Perfektionsterror in unserer Welt».

«Es soll komisch sein. Es wäre total langweilig, wenn es nicht komisch wäre», sagt Anne Lepper über ihre Stücke. Allerdings wolle sie niemanden bloßstellen. «Ich nehme meine Stücke total ernst.» Leppers Komik steht immer auf der Kippe zum Alptraum. So nimmt in dem Drama um die fetten Kinder der englische Cousin Seymour zu Hause den Platz des dicken Leo ein. Leo zweifelt daran, dass Seymour tatsächlich wieder gehen wird, selbst wenn er selbst dünn zu den Eltern zurückkehren sollte.

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