Zement
«Zement» eröffnete das Theatertreffen. Foto: Armin Smailovic/Berliner Festspiele

«Zement» eröffnete das Theatertreffen. Foto: Armin Smailovic/Berliner Festspiele

dpa

«Zement» eröffnete das Theatertreffen. Foto: Armin Smailovic/Berliner Festspiele

Berlin (dpa) - Revolution beim 51. Berliner Theatertreffen: Das Münchner Residenztheater hat zum Auftakt des Festivals Heiner Müllers selten gespieltes Werk «Zement» auf die Bühne gebracht - Kapitalismuskritik und Utopie-Exkurs mit Schauspielstars wie Bibiana Beglau und Sebastian Blomberg.

Die Aufführung, eine von gleich vier Münchner Inszenierungen beim diesjährigen Theatertreffen, war zugleich eine Hommage an den im vergangenen Jahr gestorbenen Regisseurs Dimiter Gotscheff. Das Revolutionsstück «Zement» war seine letzte Regiearbeit.

Mit großem Ernst und viel Pathos erzählt er darin vom Schlosser und Bolschewik Gleb (Blomberg), der aus dem Bürgerkrieg zurückkehrt und die Zementfabrik, in der er arbeitete, zerstört vorfindet. Seine Frau Dascha (Beglau) ist eine strenge Muster-Kommunistin und ihm fremd geworden. Das gemeinsame Kind Njurka (Valery Tscheplanowa) hat sie ins Heim gegeben, um sich ganz der politischen und gesellschaftlichen Revolution widmen zu können. Ezio Toffolutti schuf für die für ihre Ideologie mit brutalsten Mitteln kämpfenden und mit der Realität hadernden Figuren eine beeindruckende, vom Zement verstaubte Kippbühne.

««Zement» ist eine Zumutung. Aber eine notwendige. Besseres lässt sich über Theater kaum sagen», schreibt Theatertreffen-Jurymitglied Christoph Leibold im Festivalmagazin. Die revolutionäre Botschaft von Müllers 1973 uraufgeführtem Werk erreichte allerdings nicht alle Zuschauer. Zu zäh, lang und feierlich gerieten viele Passagen. Zu viel Revolutionsrhetorik und Geschichtsunterricht über die Anfänge der Sowjetunion.

Bis zum 18. Mai zeigt das Theatertreffen deutschsprachiger Bühnen die «bemerkenswertesten» Inszenierungen der Saison aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Eine Jury von Theaterkritikern wählte dafür zehn Stücke aus. Traditionell wird die Auswahl vom Publikum kontrovers diskutiert.

Mit vier Stücken schickt dieses Mal München die meisten Inszenierungen in die Hauptstadt. Weitere Aufführungen kommen unter anderem aus Stuttgart, Berlin, Zürich und Wien. Regisseure wie Frank Castorf, Herbert Fritsch, Karin Henkel, Alain Platel, Alvis Hermanis und Matthias Hartmann zeigen ihre Arbeiten. Die diesjährige Auswahl stelle alle Formen des Theaters von Tanz über Puppenspiel und Musiktheater bis zu theatralen Installationen und Dokumentartheater vor, sagt Festivalleiterin Yvonne Büdenhölzer.

Nach der Ehre, den Festivalauftakt zu bestreiten, geht auch der wichtigste Preis des Theatertreffens in die bayerische Landeshauptstadt: Johan Simons, Regisseur und Intendant der Münchner Kammerspiele, ist Gewinner des mit 20 000 Euro dotierten Theaterpreises Berlin. «Wenn ein Regisseur für ein Theater steht, das über Grenzen - Sprachgrenzen, Landesgrenzen, Genregrenzen - springt, dann Johan Simons», urteilte die Jury der von der Stiftung Preußische Seehandlung vergebenen Auszeichnung.

Der 3sat-Preis für eine innovative Leitung wird am 7. Mai der Regisseurin Susanne Kennedy für ihre Interpretation von Marieluise Fleißers Werk «Fegefeuer in Ingolstadt» - entstanden an den Münchner Kammerspielen - überreicht.

Zum Abschluss des Festivals wird am 18. Mai außerdem der Alfred-Kerr-Darstellerpreis verliehen. Den Preisträger wählt dieses Mal die Schauspielerin Edith Clever aus dem Kreis der zum Theatertreffen eingeladenen Künstler aus. Die für das Festival ausgewählten Bühnen erhalten dieses Jahr zudem eine von dem chinesischen Künstler Ai Weiwei gestaltete Trophäe.

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