Tony Cragg holt Skulpturen von Jean Dubuffet in die Stiftung Waldfrieden.

Tony Cragg vor einer Skulptur von Jean Dubuffet.
Tony Cragg vor einer Skulptur von Jean Dubuffet.

Tony Cragg vor einer Skulptur von Jean Dubuffet.

Helga Meister

Tony Cragg vor einer Skulptur von Jean Dubuffet.

Wuppertal. Jean Dubuffet (1901 bis 1985) gehörte nicht zu jenen Menschen, die einen einmal eingeschlagenen Weg bis ans Lebensende verfolgten. Bis zu seinem 41. Lebensjahr machte er keine Kunst, sondern war Weinhändler.

Er entwickelte sich zum Pionier "primitiver" Materialbilder und schrieb Kulturgeschichte mit Werken, die von Naiven und Geisteskranken inspiriert waren. 1966 begann er mit Skulpturen. Sie sind nun im Skulpturenpark Waldfrieden zu sehen.

Tony Cragg, Stifter des Skulpturenparks, Programmgestalter und Ausstellungs-Manager, holte die Dubuffet-Stiftung aus Paris. Sophie Wedel baute mit Craggs Mannschaft 13 kostbare Maquetten auf, die normalerweise nicht ausgeliehen werden, weil sie als Modelle für die Reproduktionen in Großformaten dienen.

Der Bildhauer von heute ist über die Taten seines Kollegen in den 60er Jahren begeistert: "Ein Maler entdeckt ein ganz neues Medium. Er zeichnet mit heißem Draht einfach ins Styropor. Dadurch entstehen Freiformen, parallele Welten am Rande der Bildhauerei, in die der Besucher eintauchen kann. Die Befreiung, die er damit einleitete, hat große Bedeutung."

In einem großen Schädel auf die Suche nach Träumen gehen

Der Chemiekonzert BASF hatte das wertlose, leichte, billige Schaumpolystyrol wenige Jahre zuvor unter der Handelsmarke Styropor publik gemacht, und Dubuffet zauberte daraus mit seinem heißen Draht beispielsweise einen "Clochepoche", einen finster dreinblickenden Clochard, inspiriert möglicherweise von einem Voodootänzer.

Skulpturenpark Waldfrieden, Wuppertal, Hirschstraße 12, bis 27.9., 10 bis 18 Uhr außer Montags.

Eine Hand streckt sich abwehrend dem Betrachter entgegen, bemalt mit stigmatisierendem Rot. Ein anderes Werk, "Chambre au lit sous l’arbre", erinnert an einen übergroßen geöffneten Menschenschädel, in dessen Gedankengängen und Ablagerungen der Betrachter selbst den Kopf reinstecken kann und dabei Traumfiguren begegnet.

Dubuffet formte seine Styropor-Wesen ab, bildete Gips-Negative, stabilisierte sie mit Harzen und überzog sie mit einer Glasfasermasse, so dass sie eine stabile Schale haben. Die ausgedehnten Arbeiten haben ein Betonfundament und sind meist aus Epoxydharz.

1970 wurde die zwölf Meter hohe "Gruppe der vier Bäume" vor der Chase Manhattan Bank aufgestellt. Dubuffet konnte sich nun ein großes Atelier leisten, beschäftigte 20 Leute und schuf rund hundert Maquetten, die noch heute für Stadtplätze oder Kulturinstitute in verschiedenen Größen kopiert werden. 1974 entließ er seine Helfer, gab das Atelier auf und widmete sich bis an sein Lebensende wieder der Malerei und der Zeichnung.

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