Regisseur Jan Tenhaven beobachtet Sportler über 80.

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Der Österreicher Alfred Proksch ist 101 Jahre alt und braucht einen Rollator. Aber im Diskuswerfen macht er auch deutlich Jüngeren noch etwas vor.

Der Österreicher Alfred Proksch ist 101 Jahre alt und braucht einen Rollator. Aber im Diskuswerfen macht er auch deutlich Jüngeren noch etwas vor.

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Der Österreicher Alfred Proksch ist 101 Jahre alt und braucht einen Rollator. Aber im Diskuswerfen macht er auch deutlich Jüngeren noch etwas vor.

Essen. Jiri möchte es noch einmal wissen. Er sprintet eine Hochhaus-Treppe hoch, hechelt, fällt und lächelt. Oben angekommen sagt er: "Ich möchte noch etwas leisten, für die Familie, für die Enkel und für den blauen Planeten."

Regisseur Jan Tenhaven kommt dem 83 Jahre alten Jiri Soukup aus Tschechien in seinem Dokumentarfilm "Herbstgold" ganz nah. Er begleitet fünf Menschen im Alter zwischen 83 und 101Jahren, die sich für die Leichtathletik-WM der Senioren in Finnland anmelden und intensiv für eine Medaille trainieren.

Die Diva des Diskuswurfs kommt aus Italien und ist 95

Tenhaven erzählt Geschichten von Menschen, die auf ein Leben mit Höhen und Tiefen blicken, die aber auch abseits des Sports noch aktiv am Leben teilnehmen. Herbert Liedtke ist mit seinen 94Jahren nicht mehr ganz in Form. Der Tod seiner Frau Eva hat sein Leben aus dem Takt gebracht. Mit Klimmzügen zwischen Wäscheständer und Medaillen-Vitrine kämpft er sich zurück in den Sport. Sein Ziel: Der 100-Meter-Lauf in Finnland.

Gabre Gabric aus Italien hat mit 95 Jahren noch das Zeug zur Diva des Diskuswurfs. Bevor sie raus geht, zieht sie den Lidstrich nach und malt die Lippen rot. Sie ist voller Lebenslust und Willenskraft, schenkt dem "Herbstgold" sommerliche Augenblicke.

Den jüngeren Zuschauern nimmt der Film die Angst vor dem Alter

Regisseur Tenhaven hat bei den bisherigen Vorführungen gemerkt, dass gerade jüngere Zuschauer beim Rausgehen fröhlich wirken, weil sie nun weniger Angst vor dem Alter haben, denn auch dann könne man noch eine Zukunft haben.

Dabei ist der Film keine Jubel-arie auf den Sport, sondern eher auf Aktive im Alter. Die Kamera zeigt Falten und Altersflecken, man hört, wie die Protagonisten schmatzen, und spürt förmlich den Schmerz des 101-jährigen Alfred Proksch aus Wien, der trotz Knie-Operation noch einmal für Österreich den Diskus durch die Luft schleudern möchte.

Der Verband der Senioren-Leichtathletik veranstaltet alle zwei Jahre Weltmeisterschaften. Mehr als 5000 Menschen im hohen Alter kämpfen dabei um Bronze, Silber und Gold.

Die Dokumentation "Herbstgold" läuft am Donnerstag im Düsseldorfer "Bambi" an. Vom 29. Juli an ist sie in Wuppertal zu sehen, vom 5. August an in Bochum.

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