Das Ruhrgebiet gerade weltweit als Kulturhauptstadt zu vermarkten und dafür Applaus zu erwarten, ist schlichtweg zynisch, wenn ringsum die Kultur stirbt. So kämpfen das Theater Oberhausen und das großartige Grillo-Theater in Essen ums Überleben. Auch dem vielbeachteten Schauspiel Wuppertal droht das Aus. Zurecht gibt es dort Protest. Wenn der Chor der 65000 bald als Kulturhaupstadt-Projekt in der Schalker Arena singt, können die NRW-Regierungspräsidenten und Oberbürgermeister ehrlicherweise gleich ihren ganz eigenen Hit in Moll mit anstimmen: Wir müssen sparen - sparen wir uns die Kultur. Wer so denkt, kann sich gleich den Versuch sparen, mit einer Kulturhauptstadt Millionen zu locken und das dann nachhaltige Kultur zu nennen. Kultur ist für eine intakte, humane Gesellschaft in jeder Region unerlässlich. Erst wenn Politiker begreifen, dass sie kein Luxus und schon gar kein streichbarer Haushaltsposten ist, sondern - über das Kulturhauptstadtjahr hinaus - als Imagefaktor und Indikator für eine humane Gesellschaft verstanden wird, ist Essen würdige Kulturhauptstadt.

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