Sparen: Die Fusion hat die Vereinigten Städtischen Bühnen gerettet. Es gab aber auch Krisenzeiten.

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Zufrieden mit der Theater-Ehe: Generalintendant Jens Pesel.

Zufrieden mit der Theater-Ehe: Generalintendant Jens Pesel.

Bischof

Zufrieden mit der Theater-Ehe: Generalintendant Jens Pesel.

Krefeld. Wenn Oberbürgermeister in diesen Zeiten über ihre Theater reden, tragen sie oft Trauermiene und Sorgenfalten. Ach, die Finanzen, deklamieren sie, und bringen Hiobsbotschaften unter das Volk. Ganz anders gestern am Niederrhein, wo die Vereinigten Städtischen Bühnen Krefeld und Mönchengladbach sitzen, das älteste Fusionstheater Deutschlands.

Zwar gab es auch dort zuletzt ein Hauen und Stechen um die Finanzierung, inklusive Brandreden, Demonstrationen und Weltuntergangsstimmung. Doch das ist überstanden, und so feiert sich die Diamantene Hochzeit der 1950 geschlossenen Ehe umso beschwingter. "Wir haben es geschafft, unser Theater zu retten", erklärte Gladbachs Oberbürgermeister Norbert Bude. "Die Spar-Diskussionen haben wir erledigt, davon bin ich fest überzeugt." Ein erstaunliches Bekenntnis für eine Stadt, die mit mehr als einer Milliarde Euro in der Kreide steht.

Doch das Selbstbewusstsein ist begründet: Landauf, landab gilt die Ehe als Vorbild. Für je rund 11,5 Millionen Euro bekommen die Städte ein Drei-Sparten-Haus mit Niveau - Krefelds Oberbürgermeister Gregor Kathstede lobt den "Modellcharakter" dieses Bündnisses. Spartenschließungen oder ähnliche Einschnitte schließt er aus: "Dass das Einsparungen bringt, ist Unsinn."

Zwar stand die Ehe in 60 Jahren dreimal vor der Scheidung und ähnelt laut Generalintendant Jens Pesel oft genug einer "Gesellschaft für Konfliktforschung". Doch man rauft sich immer wieder zusammen. Und hat jüngst dank des Konzepts "Theater mit Zukunft" solide Rahmenbedingungen bis 2015 geschaffen.

Nächste Herausforderung ist die Umwandlung des Hauses in eine gemeinnützige GmbH. Die Stadträte sollen vor dem Sommer darüber abstimmen, damit der neue Intendant Michael Grosse auf dieser Grundlage loslegen kann. Auch er wird sich wohl auf das 60 Jahre alte Erfolgsrezept stützen können, dessen wichtigste Zutat Jens Pesel so formuliert: "Jede glückliche Ehe beruht darauf, dass man sich verzeiht, einander geheiratet zu haben."

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