Der Retro-Avantgardist begeistert in der Tonhalle.

David Byrne, wie man ihn kennt: nicht von dieser Welt.
David Byrne, wie man ihn kennt: nicht von dieser Welt.

David Byrne, wie man ihn kennt: nicht von dieser Welt.

Thomas Brill

David Byrne, wie man ihn kennt: nicht von dieser Welt.

Düsseldorf. David Byrne hat einen legendären Ruf als Pionier und als Exzentriker. Gemeinsam mit Brian Eno war der gebürtige Schotte und New Yorker 1981 der Erste, der ethnische Klangwelten mit moderner elektronischer Musik verbunden hat.

Damals war es das Album "My Life in the Bush of Ghosts", mit dem der Gründer und Frontmann der Talking Heads in seine Solokarriere gestartet ist. Eno und Byrne arbeiteten als Erste mit Samples, die damals noch nicht so hießen.

Fast 30 Jahre später steht ein ganz in weiß gekleideter David Byrne (56) mit weiß gewordenen Haaren auf der Bühne der Tonhalle und präsentiert wieder Stücke, die er gemeinsam mit Eno komponiert hat - auch wenn der legendäre Partner nur mit seinen Ideen in Düsseldorf anwesend ist.

Doch während das Avantgarde-Duo beim ersten Album fast schon visionär Weltmusik mit dem Computer-Sound vereint hat, erscheinen die Klanglandschaften im Jahr 2009 konventioneller. Beim aktuellen Werk "Everything that happens will happen today" sind es nicht mehr die großen Experimente, die Byrne und Eno wagen. Dafür sind die Melodien runder und harmonischer, auch wenn immer noch die Pioniere durchblitzen.

Häufig wirken Songs ("One fine Day") wie eine Hymne, bei denen der Zuhörer den schrägen Tönen ein klein wenig nachtrauert. Andere Stücke der neuen CD wie "My big nurse" siedeln sich irgendwo zwischen Country, Gospel und Schlager an und schaffen es trotzdem, den Zuhörer für sich einzunehmen. Das mag daran liegen, dass akustische Gitarren ihre Rhythmi bilden und elektronische Arrangements sich behutsam zurückhalten. Bei der Clubnummer "Poor Boy" hangelt sich Byrne mit verzerrter Stimme am elektronischen Gerüst des Songs entlang. Etwas kühler, dafür verspielter präsentiert sich "Strange Overtones".

Erst nach dem Schlaflied darf der Musik-Doktor ziehen

Byrne, der wie nur wenige Popmusiker den Genius des Wahnsinns verkörpert, bleibt sich auch bei dem von 1000 Fans umjubelten Konzert treu. So sanfte wie ironische Popsongs ("Road to Nowhere") stehen im steten Wechsel mit tempo- und rhythmusreichen Stücken ("Born under Punches") aus besten Talking-Heads-Tagen. Dschungel-Eletronik vom Feinsten.

Die außergewöhnliche Choreographie bestimmen drei Tänzer und drei Background-Sänger - wie die Band im klinischen Weiß gekleidet - die Byrne zwischen seinen Gesangsparts in ihre surrealen Tanzeinlagen einbeziehen. So wenn das Trio dem Chor mit großer Pose die Mikros hält oder die Tänzer Stühle und E-Gitarren in ihre Darbietung einbeziehen.

Nach zwei Stunden folgt mit "Burning down the house" der Höhepunkt, wenn David Byrne und seine Crew zur zweiten Zugabe im Tutu die Bühne betreten. Erst nach dem letzten Schlaflied lassen die Fans ihren psychopathischen Musik-Doktor ziehen.

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