Düsseldorfer Schauspielhaus versucht sich am „Biedermann“.

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Mathias Leja und ein paar Tote in dem Schwank „Die große Wut des Philip Hotz“.

Mathias Leja und ein paar Tote in dem Schwank „Die große Wut des Philip Hotz“.

Sebastian Hoppe

Mathias Leja und ein paar Tote in dem Schwank „Die große Wut des Philip Hotz“.

Düsseldorf. Zugegeben, dieses "Lehrstück ohne Lehre" hat in 50 Jahren etwas Staub angesetzt. Aber im Kern kann Max Frischs "Biedermann und die Brandstifter" immer noch beunruhigen. Denn wer sind diese Brandstifter, die sich eines Tages beim Haarwasserfabrikanten Biedermann einnisten, um sein Haus anzuzünden? Dachte Max Frisch damals an die Faschisten zurück oder meinte er die Kommunisten, die im Ostblock die Macht ergriffen? Denkt man heute an die "Kofferbomber" oder an verwahrloste Gewaltbereite der Unterschicht, die man gerne als "sozialen Sprengstoff" abstrahiert?

Pierre Siegenthaler betritt das Wohnzimmer von Herrn Biedermann im Anzug mit einem kleinen silbernen Rollkoffer und plaudert fröhlich mit schweizerischem Zungenschlag: Mit etwas "Chäs" und einem "Schoggistängeli" will sich der vorgeblich Obdachlose zufrieden geben. Ist der Brandstifter etwa ein Investmentbanker? Aber solche Fragen interessieren hier nicht. Max Frisch als Silvesterklamauk - das geht so: Man nehme sein "Lehrstück" zusammen mit dem Schwank "Die große Wut des Philipp Hotz" und klopfe beiden Stücken so lange den Staub aus, bis eine absurde Biedermänner-Farce übrig bleibt, mehr Ionesco als Frisch. So viel Anstrengung verträgt kein Witz.

Matthias Leja und Xenia Snagowski tragen die Hauptlast in der Inszenierung von Petra Luisa Meyer. Als Herr und Frau Biedermann, danach als Philipp und Dorli Hotz, jonglieren sie mit allen Klischees heutiger Mittelstandspaare, werfen sich mit vollem körperlichem Einsatz in Slapsticknummern, Trashsongs und Publikums-Conferencen. Markus Danzeisen stolpert als skurriles Schutzengelchen über die Vorderbühne, die Jan Alexander Schroeder mit elegant-weißem Mobiliar bestückt hat, und ein netter Labrador erzeugt Heiterkeit allein durchs Da-Sein.

Beste (weil leise) Komik bieten Horst Mendroch, besonders als ratloser Dienstmann, der von Philipp Hotz zur Zerstörung seines Hausrats engagiert wird, und Esther Hausmann als Dienstmädchen Anna, das schamrot in einem Playboyhäschen-Kostüm servieren muss, die Biedermanns wollen ihren Besuchern was gönnen. Um die beiden Obdachlosen, die ihnen unheimlich werden, gnädig zu stimmen, wirft sich das Schickimicki-Paar in schaurigen Proll-Look (Kostüme: Kati Kolb) und lässt die Gans aus dem Brattopf servieren. Aber die Brandstifter haben sich für diesen Abend in Smoking geworfen und Pommery mitgebracht. Für den hätten sie doch gerne Kristallgläser. Die Peinlichkeit ist groß - und das falsche soziale Gewissen der Biedermänner zumindest in dieser Szene trefflich entlarvt. Freundlicher Beifall. 2 ½ Std., eine Pause. Auff.: 10., 11., 22. Januar, Tickets: 0211/36 99 11

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