Julius Fischer hat Poetry Slams gewonnen, wurde zweimal Deutscher Meister und ist nun im Fernsehen zu sehen.

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Immer für einen Lacher gut: Julius Fischer präsentiert grimmig sein Buch „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“.

Immer für einen Lacher gut: Julius Fischer präsentiert grimmig sein Buch „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“.

dpa

Immer für einen Lacher gut: Julius Fischer präsentiert grimmig sein Buch „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“.

An seinen ersten Auftritt bei einem Poetry Slam erinnert sich Julius Fischer noch genau: Im Februar 2004 war es, er studierte noch nicht lange an der Universität in Leipzig. Sein Text handelte von einem bekifften Protagonisten, dem Jesus erschien. Fischer schaffte es auf Anhieb ins Finale, siegte. „Am Anfang ging es mir natürlich total ums Gewinnen“, sagt er.

Der gebürtige Thüringer sucht die Slam-Bühne, die er in Leipzig Monat für Monat betrat, um sich mit anderen Poeten im Wettlauf gegen die Zeit und um die Publikumsgunst zu messen. Inzwischen hat er viele andere Bühnen für seine schrägen Texte gefunden: als Buchautor, Moderator einer eigenen Comedy-Fernsehshow und Sänger.

Große Aufmerksamkeit, wenn auch eher unfreiwillig, bekam der 30-Jährige zudem durch einen Rechtsstreit um sein jüngstes Buch „Die schönsten Wanderwege der Wanderhure“. Es ist nach einem der Texte benannt, in dem sich der 30-Jährige über die aggressive Bestseller-Vermarktung großer Verlage lustig macht.

Witzig, fanden Nutzer der Lese-Community „WasLiestDu?“ und wählten den Band zur Leipziger Buchmesse auf Platz vier der ungewöhnlichsten Buchtitel. Gar nicht witzig, fand der Münchner Verlag Droemer Knaur. Er sah Verwechslungsgefahr zu seinen „Wanderhure“-Romanen und eine Rechteverletzung. Nach zwei Prozessen steht endgültig fest: Fischers „grotesker, ironischer Titel“ genießt Kunstschutz.

2011 und 2012 wurde er Deutscher Poetry-Slam-Meister im Team-Wettbewerb mit seinem Kollegen André Herrmann. Danach tauschte Fischer die Slam-Bühne gegen mehrere Lesebühnen.

„Mich hat das Korsett des Zeitlimits ein bisschen eingeengt“, sagt er. „Irgendwann will man auch Zeit haben, um Geschichten zu erzählen. Oder Begebenheiten.“ Auch das Land Sachsen findet die in zwei Bänden veröffentlichten Kurzgeschichten preiswürdig. Im Januar kommenden Jahres bekommt Fischer den Lessing-Förderpreis 2015, um „vielversprechende Anfänge“ des Autors öffentlich anzuerkennen.

Außerdem tingelt er durch die Republik. Mal, um seine Texte zu lesen und mal, um mit seiner Zwei-Mann-Band „The Fuck Hornisschen Orchestra“ seine witzigen und skurrilen Texte vertont vorzutragen. „Ich will gar nicht auf Biegen und Brechen berühmt werden, dann muss ich mich ja auf ein Profil festlegen“, sagt der Autor, Musiker und Moderator.

Aber eigentlich will er weniger machen, so der 30-Jährige. Er will noch einen Roman schreiben. Aber er könne nicht Nein sagen. Auch nicht zu dem Angebot für eine eigene Fernsehshow. Er und sein Band-Partner Christian Meyer moderieren die MDR-Sendung „Comedy mit Karsten“. Dabei ulkt das Duo selbst auf der Bühne und hat Kabarettisten und Slammer zu Gast.

 

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