Das Tagebuch des jüdischen Mädchens Anne Frank gibt es ab Dienstag in Bildern und Sprechblasen.

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Die Reichspogromnacht von 1938 als gezeichnete Bilderfolge. Die Hintergrundinformationen gibt es in Form kurzer Texte. (Comic: Anne-Frank-Stiftung)

Die Reichspogromnacht von 1938 als gezeichnete Bilderfolge. Die Hintergrundinformationen gibt es in Form kurzer Texte. (Comic: Anne-Frank-Stiftung)

Die Reichspogromnacht von 1938 als gezeichnete Bilderfolge. Die Hintergrundinformationen gibt es in Form kurzer Texte. (Comic: Anne-Frank-Stiftung)

Amsterdam. Sie haben schon die Anschläge vom 11. September, Amerikas "Krieg gegen den Terrorismus" und die Biografie von Che Guevara zu Zeichnungen und Sprechblasen verarbeitet. Heute erscheint das jüngste Werk von Sid Jacobson und Ernie Colón: "Anne Frank - Eine grafische Biografie". Es ist die Geschichte des weltbekannten jüdischen Mädchens - der Holocaust in Comicform. Die Frage, ob man das darf, beantwortet die Anne-Frank-Stiftung in Amsterdam mit einem klaren "Ja".

Anne Frank wäre heute 81 Jahre alt - wie Comiczeichner Sid Jacobson

Graphic Novels nennt die Verlagsbranche die immer populärer werdenden gezeichneten Romane, um sie von gewöhnlichen Comic-Heften abzuheben. Dass sie für so ernste Themen wie den Nazi-Terror geeignet sein können, wird durch Annes "grafische Biografie" bestätigt.

Ihre Arbeit im Auftrag der Anne-Frank-Stiftung, berichteten die beiden amerikanischen Comic-Veteranen, habe sie emotional sehr mitgenommen. "Als ich las, dass Anne 1929 geboren wurde, war das eine beängstigende Sache für mich", sagte der 81-jährige Jacobson der "USA Today". "Ich musste während des Zeichnens immer daran denken, dass sie heute genauso alt wäre wie ich." Auch Colón (Jahrgang 1931) sei laut Jacobson "innerlich tief bewegt gewesen", besonders als er die Szenen im Konzentrationslager zeichnete, "das war hart für ihn".

Mit einer Bildergeschichte über die Nazi-Verbrechen hatte die Stiftung bereits vor zwei Jahren ein Experiment gewagt: Schulklassen in den Niederlanden sowie in Berlin und Nordrhein-Westfalen behandelten das Comic-Buch "Die Suche" des holländischen Zeichners Eric Heuvel über das Schicksal einer jüdischen Familie, die in ein Vernichtungslager deportiert wurde. Das war ein Durchbruch für den "pädagogischen Comic".

Daran knüpfte die Stiftung an, als sie Jacobson und Colón für die Comic-Biografie von Anne Frank unter Vertrag nahm. Abgesehen von Annes Tagebuch nutzten sie Briefe, Dokumente und Fotos. Sie wollten auch visuell so historisch akkurat wie möglich sein. Bis hin zur Kleidung der Familie, der Möblierung des Hinterhauses, in dem sich die Franks verbargen, den Nazi-Uniformen und auch den Baracken im Konzentrationslager Bergen-Belsen, in dem Anne kurz vor Ende des Zweiten Weltkrieges mit 15 Jahren völlig entkräftet starb.

Bergen-Belsen-Szenen machen das Grauen fassbar

Anne Frank, geboren am 12. Juni 1929 in Frankfurt, versteckte sich mit ihrer Familie zwei Jahre in einem Amsterdamer Hinterhaus vor den Nationalsozialisten. Ihre Erlebnisse hielt sie in einem Tagebuch fest. Die Familie wurde 1944 entdeckt und deportiert. Im März 1945 starb Anne im KZ Bergen-Belsen.

Annes Vater Otto, einziger Überlebende, veröffentlichte das Tagebuch 1947. Es wurde in 55 Sprachen übersetzt und 2009 von der Unesco in die Liste des Weltdokumentenerbes aufgenommen.

Vor allem aber, sagte Jacobson, wollten sie "Annes Persönlichkeit zeigen, was für eine bemerkenswerte junge Frau sie war". Das ist in klaren und eingängigen Bildern und verständlichen Sprechblasen-Texten gut gelungen. Die Szenen in Bergen-Belsen sind zurückhaltend gezeichnet und machen vielleicht gerade dadurch das Grauen fassbar.

Mit eingeschobenen Collagen vermittelt das Buch zusätzlich Hintergrundwissen zu politischen und militärischen Ereignissen sowie zur Entwicklung der Judenverfolgung im Hitler-Reich, von den Rassengesetzen bis zu den Vernichtungslagern. Annes Comic-Biografie, sagte Jacobson stolz, "ist die Krönung unserer Karrieren".

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