Der Schauspieler Günter Lamprecht wird am Donnerstag 80 Jahre alt. Er spricht über seine Karriere und das auf ihn verübte Attentat.

Der Schauspieler Günter Lamprecht.   F.: dpa
Der Schauspieler Günter Lamprecht. F.: dpa

Der Schauspieler Günter Lamprecht. F.: dpa

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Herr Lamprecht, Sie sind derzeit nur noch mit Lesungen unterwegs. Gibt es nur wenige Rollen für einen Schauspieler Ihres Kalibers?

Günter Lamprecht: Ich bin immer noch bereit, aber es tut sich nicht viel. Außerdem bin ich unbequem, weil ich immer wieder den Mund aufmache. Ich habe Anfang der 90er Jahre den Berliner Tatort-Kommissar Franz Markovitz entwickelt und schon damals wollte der Sender nur Action haben. Nach zehn Folgen wollte ich dann nicht mehr.

Ist der gewaltlose Markovitz auch ein Statement gegen die Gewalt gewesen, die in Ihrem Leben ja immer wieder eine Rolle spielte?

Lamprecht: Je älter ich wurde, desto abstoßender wurde jede Gewaltszene, die ich drehen sollte. Da gab es immer Diskussionen. Und mit dem Amokläufer in Bad Reichenhall wurde ich bestätigt. Diesem Bengel bin ich komischerweise gar nicht böse.

Ihr Durchbruch fällt in die Zeit des sozialkritischen Fernsehspiels in den 1970er Jahren. Wie kam es dazu?

Lamprecht: Ich bin mit der 68er-Bewegung aufgewacht. Mir ist damals klar geworden, dass ich mit dem Beruf eigentlich etwas ganz anderes will. Ich kam zwar damals am Kölner Schauspiel besonders als Proleten-Darsteller gut an. Aber ich dachte, wenn ich zum Fernsehen könnte... Und da damals der proletarische Held gefragt war, hatte ich meine große Zeit. Es fing an mit "Das Brot des Bäckers", dann Wolfgang Petersens "Stellenweise Glatteis", das Alkoholiker-Drama "Rückfälle".

Sie wollten einst Volksschauspieler werden. Heute gelten sie als handwerklicher Perfektionist.

Lamprecht: Ich komme schließlich aus dem Volk. Meine Leute von früher in Neukölln kenne ich bis heute. Die haben einen guten Blick und lassen sich nicht betrügen. Man muss authentisch bleiben. Für meine Rollen begebe ich mich in den Arbeits- und Lebensbereich dieser Menschen. Für "Das Brot des Bäckers" bin ich drei Wochen lang in die Backstube gegangen.

Ihr Durchbruch kam dann mit Fassbinders "Berlin Alexanderplatz". Was bedeutet Ihnen die Rolle des Franz Biberkopf?

Günter Lamprecht wurde am 21. Januar 1930 in Berlin geboren. Er arbeitete als Dachdecker, Orthopädiemechaniker und Boxer. Nach der Schauspielschule stand er in Berlin, Bochum, Köln oder Wiesbaden auf der Bühne. Berühmt wurde er mit Filmen wie "Berlin Alexanderplatz", oder "Das Boot". 1999 wurden Günter Lamprecht und seine Lebensgefährtin Claudia Amm von einem Amokläufer bei einer Lesung in Bad Reichenhall schwer verletzt.

Lamprecht: Da ist alles drin. Ich wurde als Junge immer in die ganzen Kneipen mitgenommen, wo mein Vater saufen ging. Die Figuren bei Döblin sind mir vertraut, sogar die Straßen in Berlin. Und was der Biberkopf durchgemacht hat, ist zum Teil meine Lebensgeschichte. Natürlich nicht ganz, ich habe ja ziemlich aufbegehrt. Über den Erfolg war ich eigentlich ein bisschen traurig. Ich hatte ja vorher schon mehrere Preise bekommen wie die Goldene Kamera für "Rückfälle" oder den Lubitschpreis für "Brot des Bäckers".

"Ich will ma vabessern", sollen Sie bei der Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule gesagt haben. Ist Ihnen das gelungen?

Lamprecht: Nicht ganz. Ich war ja Orthopädiemechaniker und habe als Schauspieler zunächst viel weniger verdient. Wenn ich das so sehe, waren die ersten vier Jahre ein Abstieg (lacht). Später habe ich mir gesagt, du musst so viel Geld verdienen, dass du nicht jeden Mist machen musst. So habe ich es gehalten. Es ist kein Vermögen geworden, aber ich bin ein bescheidener Mensch, ich brauche das alles nicht.

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