Die Schauspielhäuser Köln und Düsseldorf tauschen erstmals Inszenierungen aus. Die befreundeten Intendanten, die sich selbst als Krisenmanager sehen, wollen sich so gegenseitig helfen.

eneralintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, Wilfried Schulz.
eneralintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, Wilfried Schulz.

eneralintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, Wilfried Schulz.

David Young

eneralintendant des Düsseldorfer Schauspielhauses, Wilfried Schulz.

Köln. Der Kölner Schauspielhaus-Intendant Stefan Bachmann und sein befreundeter Kollege Wilfried Schulz aus Düsseldorf bespielen Theater, die keine sind: Bachmann ein ehemaliges Kabelwerk im Stadtteil Mülheim, Schulz die Probebühne Central am Hauptbahnhof. Die maroden Stadttheater werden hier wie dort saniert, die Wiedereröffnungen immer wieder verschoben. Mit dem Austausch von Produktionen wollen sich die Häuser nun helfen, in Köln ist „Der Revisor“ zu sehen, in Düsseldorf gastiert Bachmanns Inszenierung „Geschichten aus dem Wiener Wald“.

Herr Bachmann, Herr Schulz, warum tauschen Sie diese Produktionen aus?

Stefan Bachmann: Wir wollten einen gleichwertigen Tausch und haben genreverwandte Stücke ausgesucht. Die beiden beschreiben kleinbürgerliche Milieus …

Wilfried Schulz: … beides sind Stadtgeschichten mit ein bisschen Lobbyismus, Intrige und Humor, beide haben Tendenzen zum Komödiantischen und Skurrilen. Das soll kein „Best of“ sein. Jedes Haus macht dem anderen ein Geschenk für den Spielplan. Und ich kann Geschenke im Moment gut brauchen, nach so kurzer Zeit ist das Repertoire noch nicht so üppig.

Sie haben „Geschichten aus dem Wiener Wald“ für Köln inszeniert. Funktioniert das in Düsseldorf?

Bachmann: Auf jeden Fall. Ich glaube sogar, dass, wenn man ganz lokal denkt und sich von einer spezifischen Situation inspirieren lässt, eine Allgemeingültigkeit entstehen kann. Das beste Beispiel dafür ist der dänische Film. Diese Ästhetik gibt es nirgendwo sonst, Lars von Trier funktioniert dennoch weltumspannend.

Schulz: Wir fangen jetzt mal damit an, dass wir pro Spielzeit eine Inszenierung austauschen.

Brauchen die Häuser nicht ihr eigenes Profil? Der Weg für die Zuschauer ist ja nicht weit zwischen den Städten.

Bachmann: Das ist Theorie, die Menschen bewegen sich nicht aus ihrer Stadt heraus. Sie haben vollkommen Recht, es ist nicht alles austauschbar. Wir sind beide Theaterleiter, die versuchen, ein unverwechselbares Programm für die Stadt zu entwickeln, um sich mit ihr zu verbinden. Es geht jetzt eher darum, ein Zeichen zu setzen, in einer Situation, in der wir es ja beide nicht so ganz einfach haben. Auch ich kann eine weitere Produktion für mein Repertoire gut brauchen.

Herr Schulz, was fällt Ihnen beim Blick nach Köln auf, und was könnten Sie in Düsseldorf nicht so machen?

Schulz: Natürlich könnte man jetzt ein paar Klischees aufzählen, wie die Leichtigkeit und Leichtfertigkeit Kölns oder und die stärkere ökonomische ökonomisch stärkere Orientiertheit des Düsseldorfers. Ich bin eher froh darüber, dass es mit Stefan Bachmann jemandem in der Nähe gibt, mit dem es viele Berührungspunkte gibt.

Herr Bachmann, wie geht es Ihnen mit Düsseldorf?

Bachmann: Ich hatte bislang schon das Gefühl, dass die Düsseldorfer eine größere Reserviertheit haben. Gestaunt habe ich, dass das Publikum bei der „Gilgamesh“-Premiere so in Jubel ausgebrochen ist. Es ist aber ja auch gut, Klischees zu widerlegen. Bei mir war es das zentrale Klischee, der Kölner geht nicht auf die rechtsrheinische Seite. Das Gegenteil ist der Fall, die Leute strömen zu uns.

Sie beide spielen in Ausweichspielstätten. Was ist Ihr größtes Problem?

Bachmann: Es gibt eine Million Probleme. Es fängt bei den Sanitäranlagen an, hat man überhaupt welche, und geht bis zu den Befindlichkeiten der Mitarbeiter, die alle unbehaust sind und in Bedingungen arbeiten, die sie nicht verdient haben. Auf der Galerie etwa hatte der Stellwerker das Problem, dass es im Sommer über 40 Grad heiß war. Da sitzt der vier Stunden und programmiert Lichtstimmungen. Ich versuche, so etwas zu ändern und sage nie, das lohnt sich nicht, wie ziehen ja eh um. Ich bin ein Krisenmanager, das ist kräfteraubend und setzt aber auch immer wieder trotzige, kreative Energien frei.

Da geht es in Düsseldorf doch etwas besser oder?

Schulz: Wir sind am Bahnhof gut zu erreichen und die Zuschauer kommen zahlreich zu uns. Die Düsseldorfer bringen uns große Akzeptanz und Toleranz entgegen und rechnen uns keine Pannen vor. Die Gesamtsituation für die Mitarbeiter aber ist fürchterlich, es gibt für die Schauspieler keinen Aufenthaltsraum, keine Kantine, wir sind über die Stadt verteilt untergebracht. Es fehlt das Biotopartige von Theater, das man sich sieht und begegnet.

Sie ziehen im Sommer 2018 wieder an den Gründgens-Platz, in Köln ist der Termin ungewiss.

Schulz: Das Ziel haben wir fest vor Augen und müssen am Schauspielhaus nah dranbleiben. Wir setzen Zeichen und werden Produktionen auch während der Sanierung dort machen. Ich hatte teilweise aber schon das Gefühl, dass die Gefahr nicht gering ist, dass einem das Haus unter dem Sattel weggeschossen wird.

Herr Schulz, Herr Bachmann, was wünschen Sie sich für 2017?

Schulz: Ich wünsche mir, dass wir lebbare und vernünftige Lösungen im Provisorium haben werden.

Bachmann: Im Juni bekommen wir einen Termin für den Wiedereinzug präsentiert. Ich wünsche mir, dass ich als Intendant den Einzug noch selber organisiere.

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