Nach fünf Jahren Bauzeit zeigt sich das Haus aus den 50er Jahren mit originalem Flair.

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Neuer Glanz in historischem Gebäude: die Wuppertaler Oper.

Neuer Glanz in historischem Gebäude: die Wuppertaler Oper.

A. Fischer

Neuer Glanz in historischem Gebäude: die Wuppertaler Oper.

Wuppertal. "Die Fensterputzer hängen wie Kletten am Haus." Enno Schaarwächter muss es wissen. Der Geschäftsführer der Wuppertaler Bühnen hofft allerdings, dass die Saubermänner am Sonntag wieder verschwunden sind.

Genauso wie alle anderen Handwerker, die derzeit im Wuppertaler Opernhaus den Ton angeben: "Die Anstreicher und Elektriker werden bis zur letzten Minute im Haus sein."

So gesehen geht es in der Barmer Oper auch nicht anders zu als auf so mancher heimischen Baustelle: Noch kurz vor Schluss sieht es so aus, als ob nur Nachtschichten das Tagwerk der Sanierer vollenden können.

Die Dimension ihres Einsatzes sprengt allerdings jedes "normale" Haushaltsbudget: 23 Millionen Euro wurden investiert, damit der alte Kulturtempel in neuem Glanz erstrahlt. Pünktlich natürlich, denn am Sonntag wird gefeiert - mit einem Festakt für geladene Gäste und einem Tag der offenen Tür für alle Neugierigen.

"Es ist ein großer Augenblick für Wuppertal", frohlockt Generalintendant Gerd Leo Kuck, der sich nur allzu gut erinnert: Als im Dezember 2003 die letzte Vorstellung über die Bühne ging, "haben viele angezweifelt, dass die Oper jemals wieder aufmacht".

Nun ist es so weit: Nach fünf Jahren spielt die Musik wieder in Barmen. Das "Asyl" im Schauspielhaus ist beendet und Solistin Joslyn Rechter froh, wieder auf den Klang einer "richtigen" Oper setzen zu können. "Wir sind alle sehr gespannt - vor allem auf die Akustik", sagt die Opernsängerin, die zur Eröffnung "Das Märchen von Fanferlieschen Schönefüßchen" erzählt und die Titelrolle übernimmt.

Das Foyer versprüht nach wie vor das Flair der 50er Jahre. Auch der Gang durch den Erfrischungsbereich gleicht einer Zeitreise: Lampen erinnern an unbekannte Flugobjekte, und auf der geschwungenen Wand leuchtet die für die 50er so typische Lackmalerei.

Die Besucher dürfen sich über mehr Beinfreiheit freuen

Auch im restlichen Musenreich gilt: Das städtische Gebäudemanagement bekennt Farbe - in einem Dreiklang aus Gold, Rot und Blau. "Wir haben uns eng an das originale Farbkonzept gehalten", betont Marketingleiter Oliver Tettenborn. Und genau das verströmte schon bei der Wiedereröffnung des im Krieg schwer zerstörten Opernhauses 1956 einen speziellen Charme.

Dabei sind die neuen Sessel mehr als nur schöne Farbtupfer. Sie sind das Ergebnis einer einzigartigen Aktion: Fast 600 000 Euro haben edle Spender überwiesen, damit sich Kulturfreunde in 776 goldgelben Stühlen zurücklehnen können. Sie dürfen sich nicht nur über sieben Zentimeter mehr Beinfreiheit freuen. Auch ein größerer Orchestergraben, ein ausgeweiteter Gastronomiebereich und ein ausgebauter Behindertenaufzug sollen aus der Spielstätte eine Wohlfühl-Oase machen.

Bisher geht die Rechnung auf: Nicht nur Fensterputzer, auch Wuppertaler Zuschauer hängen offensichtlich an "ihrem" Haus. Für die Opern-Vorstellungen bis zum Ende der Spielzeit wurden bereits 15 400 Karten verkauft, in der Schauspiel-Sparte, die künftig ebenfalls im Opernhaus zu erleben ist, sind es 10 300. "Das ergibt schon jetzt eine Auslastung von 75 Prozent", sagt Tettenborn - und hofft, dass der Boom anhält.

Denn die Bewährungsprobe ist noch lange nicht zu Ende - sie geht nur in eine neue Runde. Fünf Jahre lang waren Musik-, Sprech- und Tanztheater im Schauspielhaus zu Hause. Nun rücken die drei Ensembles im Opernhaus zusammen. Im Gegenzug wechseln die Sanierer die Seite und damit ins Schauspielhaus - die Spielstätte in Elberfeld wird bis 2011 renoviert.

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