Miep Gies ist im Alter von 100 Jahren gestorben. Sie hatte die jüdische Familie Frank versteckt und Annes Tagebücher gerettet.

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Sie war die letzte überlebende Helferin der Anne Frank: Miep Gies.

Sie war die letzte überlebende Helferin der Anne Frank: Miep Gies.

dpa

Sie war die letzte überlebende Helferin der Anne Frank: Miep Gies.

Amsterdam. Das Schicksal des jüdischen Mädchens Anne Frank, das 25 Monate versteckt in einem Haus in Amsterdam lebte und dann von den Nazis in einem Konzentrationslager getötet wurde, bewegt Millionen Menschen.

Dass wir die Geschichte von Anne Frank so genau kennen, ist mit das Verdienst von Miep Gies. Montagnacht ist die letzte noch lebende Helferin der Familie Frank im Alter von 100 Jahren nach kurzer Krankheit gestorben. Das Online-Kondolenzbuch des Museums Anne-Frank-Haus in Amsterdam hat inzwischen weit über Tausend bewegende Einträge aus der ganzen Welt.

"Ich bin keine Heldin. Was ich getan habe, war die Plicht eines Menschen."

Miep Gies, Anne-Frank-Helferin

Im Juli 1942 hatte Mieps Chef, Anne Franks Vater Otto, die Sekretärin seines Lebensmittelgeschäfts um Hilfe gebeten. "Ich antworte: Ja, Natürlich, Herr Frank. Das ist keine Frage", erinnert sich die geborene Wienerin Miep Gies später. Unter Lebensgefahr versteckte sie die Familie im Hinterhaus des Gebäudes an der Prinsengracht 263, in dem Otto Frank sein Geschäft hatte.

Miep Gies besorgte Lebensmittel und vieles andere zum Überleben für die Versteckten in dem 50 Quadratmeter großen Hinterhaus. Insgesamt lebten dort zum Schluss acht Personen. Sie sind völlig von Gies und ihren drei weiteren Helfern abhängig.

Kurz nach der Verhaftung der Franks - bis heute ist unklar, von wem sie verraten wurden - ging Gies am 4. August 1944 noch einmal in das beschlagnahmte Versteck und holte das Tagebuch. Von dem hatte Anne ihr erzählt. Dass sie zunächst auch nicht hineinguckte, erklärte sie in einem späteren Interview einmal damit, dass "auch die Privatsphäre einer Jugendlichen respektiert werden muss". Erst kurz vor Kriegsende begann sie dann doch, es zu lesen.

Über die Helferin hatte Anne Frank in ihr Tagebuch geschrieben: "Miep schleppt sich ab wie ein Packesel. Fast jeden Tag treibt sie Gemüse auf und bringt es in großen Taschen auf dem Rad mit. Sie ist es auch, die jeden Samstag fünf Bücher aus der Bibliothek bringt. Sehnsüchtig warten wir immer auf den Samstag, weil dann die Bücher kommen, wie kleine Kinder auf ein Geschenk."

Als sie die Aufzeichnungen gelesen hatte, entschied sich Gies dafür, sie als Erinnerung an Anne Frank aufzuheben. Nach dem Krieg übergab Gies das Tagebuch an Anne Franks Vater Otto, der als einziges Familienmitglied überlebt hatte. Er entschied sich schließlich dafür, die Aufzeichnungen als "Das Tagebuch der Anne Frank" zu veröffentlichen.

Für ihren heldenhaften Einsatz erhielt Miep Gies hohe Ehrungen, unter anderem durch den Staat Israel als "Gerechte unter den Völkern". Das Königreich der Niederlande zeichnete sie mit dem Ritterorden von Oranien-Nassau aus. Deutschland verlieh ihr das Bundesverdienstkreuz erster Klasse.

Zuletzt lebte sie zurückgezogen in einem Heim. Bis ins hohe Alter trat sie auf und sprach über Anne Frank, stets in großer Bescheidenheit. Denn wahre Helden wollen eins nicht sein: Helden. "Ich bin keine Heldin. Was ich getan habe, war die Pflicht eines Menschen", sagte sie denn auch immer wieder. Miep Gies war verheiratet. Sie hinterlässt einen Sohn und drei Enkel.

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