Zum 250. Geburtstag des Dichters sind Ausstellungen, Theateraufführungen und wissenschaftliche Kolloquien geplant.

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Friedrich Schiller als 44-Jähriger nach einem Gemälde von Simenowitz.

Friedrich Schiller als 44-Jähriger nach einem Gemälde von Simenowitz.

dpa/Archiv

Friedrich Schiller als 44-Jähriger nach einem Gemälde von Simenowitz.

Marbach am Neckar/Weimar. Für die einen ist und bleibt er der deutsche Shakespeare, für andere ein "Attitüden-Held" und "Moraltrompeter". 2009 wird Friedrich Schiller aber wieder gefeiert - vor allem natürlich in Marbach am Neckar, wo seine Wiege stand, aber auch in und um die Klassikerstadt Weimar wird der 250. Geburtstag des Dichters begangen. Doch auch anderswo wird er mit Ausstellungen, Vorträgen und Theaterstücken gewürdigt. Allerdings alles etwas gedämpfter als noch 2005, als es zum 200. Todestag des Schöpfers von "Die Räuber" und "Wilhelm Tell" schon ein Schillerjahr gab.

Erster Höhepunkt ist am 2. Februar die Eröffnung einer neuen Dauerausstellung in seinem Geburtshaus im Schwäbischen, einem original erhaltenen Handwerkerhauses im Herzen der Marbacher Altstadt. Am 10. November 1759 erblickte Friedrich Schiller dort als Sohn eines Wundarztes und Offiziers das Licht der Welt. Unterhaltsame Geschichten rund um die Familie sollen einen Eindruck vom damaligen Leben vermitteln.

Der gesamte gegenständliche Nachlass auf der Schillerhöhe

"Schiller - der deutsche Shakespeare?" ist der Titel einer Fachtagung, bei der sich Wissenschaftler, Schriftsteller und Schauspieler am 28. Februar und 1. März in Marbach die Frage stellen, was und wie viel Schiller von Shakespeare gelesen haben mag. Das Literaturmuseum der Moderne (LiMo) eröffnet dann seine Ausstellung "Autopsie Schiller". "Sie zeigt den gegenständlichen Nachlass des Dichters erstmals in seiner ganzen Fülle", heißt es. Auf der Schillerhöhe wird im November das 1903 erbaute Schiller-Nationalmuseum wiedereröffnet.

"Schiller lockt" - unter diesem Motto bietet Thüringen jede Menge Veranstaltungen und Projekte. Die Region bot dem aus Württemberg geflohenen Dichter von 1782 an Asyl und Heimat. In Bauerbach bei Meiningen fand er Unterschlupf und schrieb "Louise Millerin" ("Kabale und Liebe"). Bis heute fühlt sich der Ort ihm verbunden. Exakt 226 Jahre nach seiner Ankunft eröffnete er das Schillerjahr symbolisch: Ein Erfurter bezahlte die letzte Rechnung Schillers im Wirtshaus "Zum braunen Roß": Die "Rechnung Nummero 48" wies "14 Essen", "4 Eimer Bier" sowie Beträge "vor das Pferd" und Licht aus.

Klassik Stiftung packt das Rätsel um Schillers Schädel an

Die Theaterstadt Meiningen erinnert an den Klassiker mit Inszenierungen und Projekten. Die Premiere von "Wilhelm Tell" sei bewusst auf den 11. September gelegt worden. "Im Tell spielt ein Terrorist die Hauptrolle. Wir wollen mit dem Datum an die Anschläge 2001 in den USA erinnern", sagte Intendant Ansgar Haag. Wegen seines Freiheitsgedankens und des Aufrufs zum Terror habe das Stück im Nationalsozialismus und in der DDR auf dem Index gestanden.

Der Fußballverein gratuliert dem berühmten Sohn des Landes mit einem "schillernden Bundesligaspiel".

Ende Oktober wird hier die Rock-Oper "Das Lied von der Glocke" uraufgeführt. "Per Pedale zur Poesie" heißt ein neuer Radweg bei Marbach.

Im Goethe-Museum zeigt eine Goldschmiedegruppe Schmuckstücke zur Beziehung zwischen Goethe und Schiller - Titel: "Schillernde Freundschaft". Und im Schauspielhaus hat im April eine Neuinszenierung von "Kabale und Liebe" Premiere.

Die Klassik Stiftung Weimar bereitet die Ausstellung "Schillers Schädel" vor. In der Fürstengruft lagen neben Gebeinen zwei Schädel, von denen einer Schiller zugeschrieben wird. DNA-Untersuchungen an Verwandten ergaben, dass keiner ihm gehörte. Das Nationaltheater Weimar, in dem "Tell" 1804 uraufgeführt wurde, inszeniert "Die Verschwörung des Fiesco zu Genua". Die Schillertage in Mannheim stehen unter dem Motto "Der Mensch ist da ganz Mensch, wo er spielt".

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